Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich habe meine vorgestern zu Grabe getragen, als ich mir das 4. PSYCLON NINE Studioalbum „We the Fallen“ anhörte. Zwei Nächte musste ich erst mal drüber schlafen, bevor ich mich imstande sah, eine Rezension abzugeben. Jetzt, nach zweimaligem Hören bin ich mir sicher, dass ich diese CD nicht mehr allzu oft im Leben hören möchte. Beim letzten Studiowerk „Crwn Thy Frnicatr“ konnte ich mich noch einigermaßen reinhören mit der Zeit, aber für den neuen Silberling fehlt mir der nötige Masochismus.
Der Sänger von Prot0type, selbst Fan von Psyclon Nine, meinte zu mir, Bands verändern sich nun mal und die beiden letzten Alben wären immerhin fantastisch gewesen. Er kennt die neue Scheibe noch nicht. „We the Fallen“ ist eine konsequente Weiterentwicklung von „Crwn Thy Frnicatr“. Psyclon Nine machen jetzt reinsten Metal – ob Black, Death oder sonst was kann ich mangels Fachwissen nicht sagen. Auf jeden Fall sind sie der Electro-/Industrialszene verloren gegangen, die Metaller hingegen werden vielleicht frohlocken.
Dabei hatte ich gute Chancen, meine Angst vor dem neuen Machwerk mit Gastmusiker Johan Van Roy zu beruhigen. Ich hätte den Rest auch noch lesen sollen, denn alle anderen Gastmusiker rekrutieren sich aus Metalbands. Nero sieht Psyclon Nine in einer Reihe mit Dimmu Borgir und Cradle of Filth und ich tue das mittlerweile schweren Herzens auch. MySpace-Kommentare, dass „We the Fallen“ das beste P9 Album bisher sei zeigen mir deutlich, dass die meisten alten Fans bereits ihr Heil in der Flucht gesucht haben. Der Erfolg scheint P9 Recht zu geben mit ihrer Entscheidung, ich dagegen fühle mich im Regen stehen gelassen, ob nun gerechtfertigt oder nicht.
Bei einigen Liedern hat ein viel versprechendes Intro meine Hoffnungen sekundenlang beflügelt, es könne sich vielleicht doch eine Perle in diesen monotonen Sumpf aus Krach und Geschrei verirrt haben und Nero, einer nostalgischen Eingebung folgend, doch noch ein Stück nach alter Schule untergebracht haben. Das Titelstück „We the Fallen“ etwa lässt ganz, ganz vage an „INRI“-Zeiten denken – bis die Double Base einsetzt – und „Heartworm“ könnte direkt von der „Crwn Thy Frnicatr“ stammen. „Serpent’s Tongue“ klingt tatsächlich noch am ehesten elektronisch und könnte unter Umständen und einigen Veränderungen durchaus fast annehmbar sein. In mein Auto wird es das Lied wohl dennoch nicht schaffen. Thematisch bewegt sich „We the Fallen“ gewohnt im alttestamentarischen Raum, zumindest das Wenige, was man überhaupt noch akustisch verstehen kann.
Anspieltipps habe ich verständlicherweise nicht wirklich, aber bei „Under the Judas Tree“ würdet ihr nicht glauben, dass es sich um Psyclon Nine handelt, aber ihr habt die Chance, Nero so etwas wie „clean“ singen zu hören. Interessant ist das allemal schon.
Ich für meinen Teil habe bereits einen Termin beim Tätowierer. Ich überlege, ob ich mir das Logo dieses Wechselbalgs überstechen lasse. Vielleicht mit Prot0type.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps… |










