MINA HARKER ist eine Band, deren Entwicklung wir schon seit geraumer Zeit beobachten. Den ersten Kontakt mit Braunschweigs Vorzeige-Sing-Lichtgestalt Mina und ihrem Musikpartner Alex hatten wir 2007 in Braunschweig auf einem Event, das “Erotic Nightmare Rock” hieß. Lange bevor von einem Plattendeal bei Out Of Line oder einer Tour mit Unheilig die Rede war. Es folgte ein gemütlicher Kaffeeumtrunk irgendwo in Braunschweig und seitdem gucken wir ziemlich genau, wie sich das höchst sympathische Duo musikalisch und karrieretechnisch entwickelt. Mina Harkers zweites Album “Bittersüß” ist seit Ende Juni erhältlich – höchste Zeit für uns also, uns mit dem immer ach so schwierigen zweiten Album zu beschäftigen.
Seit 2007 haben wir Mina Harker auch schon diverse Male live erleben können – vornehmlich natürlich in Braunschweigs coolster Wohnzimmerverlängerung, der Meier Music Hall. Zuletzt Anfang des Jahres beim Festival Of Darkness, wo Mina Harker bereits zum zweiten Mal in Folge aufspielten. Das Problem, was uns die Live-Auftritte von Mina und Alex demletzt geringfügig vermiest hat, war folgendes: die totgenudelten Songs des ersten Albums. Nicht etwa, dass uns Minas Debüt “Tiefer” nicht gefallen hätte. Ganz im Gegenteil! Allerdings haben wir die Songs seit 2007 live dargeboten bekommen, sodass sich doch eine gewisse Abnutzungserscheinung einstellte. Normal soweit, denke ich. Auf dem Festival Of Darkness in Braunschweig dann die Überraschung: neues Material aus dem nun vorliegenden Album! Die neuen Songs wirkten kraftvoller, ausgereifter, verspielter. Ein Eindruck, der wohl auch ganz natürlich ist, wenn man jahrelang die gleichen Songs gehört hat.
Allerdings: Mina Harker haben es geschafft, diesen guten Eindruck auch auf dem Album aufrecht zu erhalten. Ihrem Stil sind sie natürlich treu geblieben; noch immer haben wir hier eine deutschsprachige Mischung aus Elektro und herrlicher, handgemachter Rockmusik. Eingängige Melodien, schnuckelige Spielereien und erfreulicherweise überschaubar wenige, szeneübliche Düstertexte. Dazu ein ordentlicher Schuss Pop-Appeal. Eine Mischung, die auf “Tiefer” funktionierte und auf “Bittersüß” erst recht. Man muss die Ohren schon mit Wachs verklebt haben um hier nicht eine deutliche handwerkliche, stimmliche (Hallo? “Lolita” anyone?) und produktionstechnische Weiterentwicklung unserer Lieblings-Braunschweiger herauszuhören. Guter, alternativer Pop, der nicht notwendigerweise nur in der Schwarzen Szene sein Zuhause finden wird. Nicht zuletzt aufgrund der Konzerte mit Unheilig. Apropos Unheilig: Es wurden Stimmen von Fans laut, die “Bittersüß” irgendwo zwischen dem Tun des besagten Grafen und Figuren wie Silbermond positionierten. Wir finden: kein völlig abwegiger Vergleich, allerdings sieht Mina deutlich besser aus als beide zusammen – und musikalisch spricht uns die dunkelromantische Mucke Mina Harkers irgendwie auch mehr an. Auch mehr als die von beiden zusammen übrigens. Völlig gleich, ob es sich dabei nun um das etwas überproduzierte Titelstück, das zur Bewegung animierende “Schmutzige Hände”, das rockende “Rache ist süß” oder das wunderbar fragile “Nackt” handelt.
Na also, geht doch! Auch Mina Harker haben die oftmals schwierige Aufgabe des zweiten Albums mit Bravour gemeistert und hier ein paar Songs aus dem Ärmel geschüttelt, bei denen man das Herzblut, mit denen sie entstanden sind, an allen Ecken und Enden spürt. Apropos Ecken: erfreulicherweiße ist “Bittersüß” noch immer ein ganzes Ende davon entfernt, völlig glattgebügelt zu sein. Noch finden sich im Sound Mina Harkes genügend Ecken und Kanten, die das hier Gebotene zusätzlich interessant machen. “Bittersüß” ist von einem perfekten Album noch ein Stück entfernt, das macht aber nichts, schließlich macht gerade das irgendwie den Reiz aus. Wir freuen uns darauf, die Songs dieses Albums abermals live zu erleben und bis Mina und Alex das nächste Album am Start haben, ist es ein ganz wunderbarer Zeitvertreib zum immer wieder hören.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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