2008 hat FELIX MARC, der Frontmann von Frozen Plasma und neben Torben Wendt bei Diorama an der Produktion, an den Keys und an den Background Vocals beteiligt, sein erstes Soloalbum namens “Pathways” auf den Markt geschmissen. Ursprünglich war vorgesehen, daß dies eine einmalige Geschichte bleiben sollte. Doch die Platte kam gleichermaßen bei den Fans aus dem Electropop-Lager sowie bei Kritikern hervorragend an. Tja, nicht nur in Hollywood greift also das Gesetz der Serie: ein Sequel mußte her. Im Gegensatz zu vielen Rohrkrepierern aus der Traumfabrik, bei dem der Nachfolger nicht ansatzweise ans Original herankommt, ist dies beim zweiten Longplayer Felix Marcs “Parallel Worlds” keineswegs so.
Wie kaum ein anderer vermag es Felix, traumhafte Melodiebögen mit ohrwurmtauglichen Refrains zu vereinen, die sofort hängenbleiben und dich umgehend in ihren Bann ziehen. Dies wird schon beim Opener “Repair” deutlich: der spannende Aufbau mit einem relativ langen Intro erzeugt eine angenehme Spannung, bis nach etwas mehr als einer Minute Felix´ charismatische und wundervolle Stimme ertönt, die den Hörer für den Rest dieses Ausnahmealbums in ihren Bann zieht und nicht mehr losläßt.
Schon auf Song Nummer zwei, der Uptempo-Nummer “MoscowParis” werden wir mit einer ersten Überraschung konfrontiert: Felix singt diesen Track nicht alleine, sondern wird in wenigen Momenten von einer Frauenstimme unterstützt, die etwas durch die Soundmaschine gezogen wurde und dadurch einen abwechlungsreichen Kontrast du Felix´ unbearbeiteter klaren und akustisch “reinen” Stimme bildet. Meine Damen und Herren, schwingen Sie hierzu also zum ersten Mal auf dieser knapp 57 Minuten langen Scheibe ihre Hüften!
Auf “Collector”, welches auf dem Buch “The Collector” von John Robert Fowles basiert, wird dieser neue Input um ein Vielfaches forciert: die niederländische Lichtgestalt Lis van den Akker, die wir vom Frozen Plasma-Duett “Earthling” her kennen, wurde von Felix Marc hier erneut mit ins Boot geholt und gibt abermals eine hervorragende klangliche Figur ab. Auf dieser Ballade ist nicht nur der Sound in höheren Gefilden zu vernehmen, sondern auch Lis´ glasklare, bezaubernde Stimme. Felix Marcs Vocalparts dagegen sind aggressiver intoniert und klagen z.B. mit der Textzeile “Money lets you do whatever you want” aktuelles Tagesgeschehen an, die wir nahezu täglich aus der weltweiten Presse vernehmen können (Berlusconi anyone?). Die Lyrics der beiden Sänger können dabei unterschiedlich aufgefaßt werden und prägen sozusagen das Leitbild von den “Parallel Worlds”. Damit ist “Collector” ein Titel, der eigentlich nur als Duett funktioniert und deshalb einen großen Unterschied in Sachen Perfektion im Vergleich zum Album-Vorgänger ausmacht. Auch wenn “Pathways” auch nach drei Jahren immer noch ein absolutes Weltklasse-Album ist, ist der Nachfolger tatsächlich ausgereifter arrangiert und textlich ausdrucksstärker ausgefallen. Damit hätte man nicht unbedingt rechnen müssen. Hut ab!
Nach dem ruhigen Synthiepop-Stück “Opposite Sides” und dem im ersten Moment ungewöhnlich klingenden “Life is Porn” mit seiner Zeile “Go fuck Yourself”, sodaß es sofort nocheinmal angehört werden muß, um vollends überzeugen können und akzeptiert wird, kommen wir erneut in den Genuß eines Duett-Stückes. Wieder ist es Lis van den Akker, die mit Felix zusammen die ergreifende Ballade “Fields of Grey” eingesungen hat, die gleichzeitig DIE Kuschelnummer auf “Parallel Worlds” ist. Wenn Felix mit seinem Soloprojekt dann endlich mal live auftreten und Lis mit im Gepäck haben sollte, ist dieser Song das Zeichen für euch, die Feuerzeuge rauszuholen. Eine weitere ganz große Ballade mit zwei beeindruckenden Stimmen, die perfekt miteinander harmonieren.
“The Muse” könnte man so etwas wie die Singeauskopplung nennen. Zwar gibt es keinen physischen Tonträger, dafür aber einen ambitionierten Videoclip. Dieser Weg der Promotion ist im Zeitalter von Facebook und YouTube heutzutage offensichtlich längst lohnenswerter als die Produktion einer Maxi-CD, denn Felix Marc ist nicht der einzige Künstler, der so verfährt (siehe zuletzt Solar Fake). “The Muse” könnte man daher als den eingängigsten Track des Albums bezeichnen, der uns erneut zum Tanzen einlädt, der aber objektiv betrachtet keinesfalls der beste Song dieses Vorzeigealbums ist, dafür aber wohl der clubtauglichste.
“Modern Talking” ist keine Ode an ein schlechtes Popduo aus den 80ern, sondern eine weitere Midtempo-Nummer mit Feuerzeugcharakter. Mit einer Länge von gut sechs Minuten begegnet uns mit das stärkste Stück dieser geilen Platte: “The Garden of Light”. Dieser Titel besticht in erster Linie durch seine tranceartigen Flächen, seine Melodie und… na klar: den Ohrwurmcharakter, getragen durch den himmlischen Gesang. Neben dem Opener “Repair” verfügt “The Garden of Light” über das atmosphärischtste, ja fast schon über ein episch mystisches Intro. Nachdem die erste Strophe vorbei ist, gibt es die vielleicht schönste Melodie auf diesem Meisterwerk des Electro-Pop, die nach vier Minuten noch einmal in den Vordergrund gestellt wird und ohne den Grundbeat ganz allein zur Geltung kommt. Ein Song, der prädestiniert ist, über Kopfhörer gehört zu werden, meine Damen und Herren.
“Ghost” zielt noch einmal auf den Dancefloor ab und beginnt ungewohnt düster. Zum einzigen Mal singt Felix hier zu Beginn mit verzerrter Stimme. Dieser Eindruck wird aber sofort beseitigt, wenn der Refrain mit dem größten Ohrwurmcharakter des ganzen Albums folgt: “Here is the Ghost from the Past, make this Moment count at last. Look to the Skies – an endless Galaxy of Light is waiting.” Einfach ein göttlicher Track, der sowohl zum Mitsingen als auch zum Arschbewegen animieren will und dies mühelos schafft. Somit ist auch “Ghost” einer unserer traditionellen drei Anspieltips, wobei diese Auswahl bei einem Album ohne Ausfälle wahrlich schwierig ist, zu treffen.
Als vorletzten Song serviert uns Felix Marc noch einmal eine Mitgröl-Nummer auf den Teller: “Mystify”. Kennt man irgendwoher? Riiichtiiich! Es handelt sich dabei um ein Coverstück der glorreichen Band INXS um den verstorbenen Sänger Michael Hutchence. Zum Abschluß des Albums bekommen wir also noch einmal lupenreinen Synthpop um den Latz geknallt und können uns noch ein letztes Mal bewegen bis Felix auf die Bremse tritt und uns beim finalen “Parallel World” wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holt, um mit uns gemeinsam über die Parallelwelten und deren Träume zu sinnieren.
Und wenn wir damit fertig sind, beginnen wir noch einmal von vorne, um auch wirklich sicher zu sein, daß Felix Marc hier nicht weniger als eines der besten Studioalben dieses Jahres produziert hat. “Parallel Worlds” ist eine absolute Kaufempfehlung für alle Freunde elektronischer Popmusik mit Tiefgang, Melodie und angenehmen männlichen Vocals.
Ich muß an dieser Stelle gestehen, daß Felix Marcs Debüt zum Zeitpunkt der Erscheinung an mir vorbeigegangen ist. Ich habe es erst im letzten Jahr kennen- und sofort liebengelernt. Auch heute noch höre ich unwahrscheinlich gerne und oft in “Pathways” rein. Ich habe mich daher sehr über die Ankündigung eines Nachfolgewerkes gefreut und bin mit dem Ergebnis hochzufrieden. “Parallel Worlds” läuft seit Wochen in Dauerrotation und wird aufgrund seiner musikalischen Abwechslung und Vielfalt nicht langweilig, da es zu keiner Zeit eintönig ist, sondern von einer bemerkenswert hohen musikalischen Qualität lebt. Die Idee, sich weibliche Gesangspartner mit ins Boot zu holen, ist richtig und als konsequente Weiterentwicklung nachvollziehbar. Jetzt muß Felix Marc nur noch Familie, Job, seinen Aufenthalt in Frankreich sowie Frozen Plasma, Diorama und sein Soloprojekt unter einen Hut bringen können, damit wir hoffentlich spätestens im nächsten Jahr ihn auch mit seinem Solomaterial auf der Livebühne zu Gesicht bekommen. Verdient hätte es diese Musik in jedem Fall. Ein Plätzchen auf dem Treppchen meiner Jahresendauswertung hat diese Scheibe jetzt schon so gut wie sicher!
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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