Daß es sinnvoll gewesen ist, das Finale „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ als Zweiteiler in die Kinos zu bringen, das haben wir euch bereits bei unserer Rezension zum ersten Teil der Verfilmung des siebten Buches verraten. Nun jedoch wollen wir überprüfen, ob die Qualität des von David Yates umgesetzten Filmes auch in der zweiten Hälfte des siebten Teiles aufrecht erhalten werden konnte. Eine kleine Bemerkung vorweg: das Review beinhaltet einige Spoiler! Wer also weder das Buch noch den Kinofilm kennen sollte und sich die Spannung nicht vermiesen lassen möchte, der sollte mit dem Lesen noch etwas warten. Doch keine Angst: wir verraten euch in dieser Rezension nicht, welche Charaktere das Ende von diesem Film nicht überleben werden. Und nun viel Spaß mit unserer ausführlichen Berichterstattung von HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – TEIL 2“.
Der Film knüpft logischerweise nahtlos an das Ende von Teil 7.1 an. Wir sehen lediglich als klitzekleine Rückblende die Szene, in der Lord Voldemort den Elderstab aus Dumbledores Grab entnimmt und diesen gen Himmel streckt. Die Entscheidung, keinen längeren Flashback an den Anfang dieses Finales einzubauen ist richtig, da man wohl kaum später zu Hause auf DVD nur Teil 7.2 anschauen wird, sondern beide Filme hintereinander, also den kompletten siebten Teil. Als nächstes sehen wir den neuen Schulleiter Severus Snape, der in diesem Film im Vergleich zu 7.1 eine zentrale Rolle einnimmt. Wie ein Diktator blickt er die Zinnen hinab auf seine Truppen. Diese Truppenschau ist eine Art Vorbote auf das, was uns im späteren Verlauf des Filmes noch erwarten wird: Krieg.
Harry, Ron und Hermine sind derweil weiterhin auf der Suche nach den verbliebenen Horkruxen. Zusammen mit dem Kobold Grippok machen sie sich auf nach Gringotts, um in das Verließ (eine Art Schatzkammer oder überdimensionaler Safe) von Bellatrix Lestrange zu gelangen. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, trinkt Hermine den sogenannten Vielsafttrank, um sich in Bellatrix (Tim Burton-Muse Helena Bonham Carter) verwandeln zu können. So düster und „hart“ der letzte Potterfilm auch ist, seinen Humor hat er trotzdem nicht verloren. Und diese Mischung macht letzten Endes den Reiz dieses wundervollen Finales aus. Beispiele gefällig? Hermine fragt ihre Freunde, wie sie als Bellatrix aussehe. Harrys Antwort: „Fürchterlich“. Die Mimik von Helena Bonham Carter ist wie immer göttlich. Auch die Art und Weise wie Hermine als Bellatrix versucht, auf ihren hochhackigen Schuhen zu laufen, ist zum Schreien komisch. Erneut beweist also Bonham Carter, dass ihr Schauspiel zum Besten gehört, was die ganze Reihe zu bieten hat. Eigentlich ein Jammer, dass ihre Figur erst im fünften Teil eingeführt wird. Man freut sich regelgerecht auf die Szenen mit ihr. Natürlich darf in einem Film über Hexen und Zauberern auch schwarzer Humor nicht fehlen. Um in das Verließ zu gelangen, muß die Gruppe zunächst an einem gefährlichen Drachen vorbei, was ihnen aufgrund der Anwesenheit Grippoks problemlos gelingt. Nachdem der Horkrux gefunden wurde, versucht Grippok die Freunde zu linken und verschwindet. Allerdings benötigt es die Hilfe eines Kobolds, um den Drachen abzulenken. Da sie jedoch einen weiteren Kobold mit dabei haben, den sie verhext haben, nehmen sie auch diese Hürde. Makaber: Der Kobold steht nichtsahnend und völlig in Trance vor dem Drachen, der diesen gnadenlos in Flammen setzt. Die Reaktion: Ein Glück, dass wir noch einen Kobold haben“…
Die Befreiung aus dem Höhlensystem erfolgt natürlich durch die Hilfe des Drachen. Die Art, wie dieser sich befreit und mit Harry, Ron und Hermine durch die Lüfte davon fliegt, kommt eines perfekten Spezialeffektes gleich. Achtung, liebes WETA WORKSHOP Team aus „Der Hobbit“: An dieser Animation habt ihr euch für euren Drachen Smaug zu orientieren! Alleine diese tolle Sequenz ist es wert, diesen Film im Kino anzuschauen.
In der Stadt Hogsmeade finden sie Unterschlupf bei Dumbledores Bruder Aberforth, der ihnen hilft, in den Raum der Wünsche nach Hogwarts zu gelangen, da Harry der Meinung ist, dass sich ein weiterer Horkrux im Schloß befinden würde. Die Sympathieträgerin und schräge Luna Lovegood ist sich sicher, dass es sich nur um das verschollene Ravenclaw-Diadem handeln könne. Darauf Ron: „Sie nun wieder…“. Also schickt sich Harry an, den Geist von Ravenclaw zu finden. Ob Helena, die Tochter von Rubina Ravenclaw unserem Protagonisten verraten wird, wo er fündig werden kann? Bei dieser Geisterszene kommt vor allem der Sound richtig gut zur Geltung. Es rummst ordentlich aus den Boxen, wenn Helena Harry gegenüber misstrauisch wird, da sie schon einmal von einem gewissen Tom Riddle übers Ohr gehauen wurde. Also: Anlage aufdrehen, meine sehr verehrten Damen und Herren!
Was folgt, ist die Vorbereitung auf das große Finale, das unausweichliche Aufeinandertreffen zwischen Harry Potter und Lord Voldemort. Dabei steht Harry eine bestimmte Person mit besonderem Ehrgeiz und Stolz zur Seite: Professor McGonagall. Sie schimpft nicht nut den flüchtenden Snape einen Feigling, sie erweckt sogar die steinernen Statuen der Schlossmauern zum Leben, die der Verteidigung des Schlosses dienen sollen. Daraufhin blickt sie stolz um sich und sagt mit zufriedener Miene: „Diesen Zauberspruch wollte ich schon so lange mal sagen!“ Ja, ihr habt richtig gehört, die sonst so strenge und alles andere als humorvolle McGonagall blüht in diesem Film so richtig auf und kommt genauso aus sich heraus, wie es auch im Buch beschrieben wird. Als sie von Neville Longbottom gefragt wird, ob geschossen werden dürfe, so richtig „Boom“, wie er sich ausdrückt, entgegnet sie: „Ja richtig… Boom!“ Der Überraschungseffekt dieser Zeilen aus dem Munde der sonst so humorlos wirkenden Professorin ist entsprechend groß: das Kinopublikum dankt es ihr mit lauthalsem Gelächter und Applaus.
Im Film dauert es weniger als eine Stunde, bis es endlich so weit ist: der Angriff von Lord Voldemorts Schärgen auf Hogwarts! Was viele in der Verfilmung von Band sechs vermisst haben (die finale Schlacht am Ende), wird uns hier in aller Ausführlichkeit aufgetischt. Werwölfe greifen an, Riesenspinnen aus dem Verbotenen Wald suchen sich ihre Opfer, Riesen schlagen um sich und natürlich gibt es auch die furchterregenden Dementoren in hoher Anzahl zu sehen. Und ja: es gibt Tote. Viele Tote. Da es aus dramaturgischer Sicht zu Recht auch bekannte Gesichter unter den Opfern gibt, ist es ein wenig bedauerlich, diesen Charakteren nicht noch etwas mehr Platz in der Schlacht gewidmet zu haben, sie noch etwas in Action zu sehen, bis sie den Löffel abgeben müssen. Zum Teil werden lediglich deren am Boden liegende tote Körper kurz als Close-up eingeblendet, damit der Zuschauer weiß, wen es überhaupt dahingerafft hat. Da es sich hierbei jedoch um Figuren handelt, die schon sehr lange mit dabei sind, hätten sie eine größere Screentime bei der Schlacht verdient gehabt. Yates konzentriert sich jedoch zu sehr auf die drei Hauptfiguren Harry, Ron und Hermine. Dabei sorgt allerdings eine Szene ebenfalls für Heiterkeit: als Crabbe und Goyle (ihres Zeichens die rechte und linke Hand von Potter-Erzfeind Draco Malfoy) versuchen, Hermine zu töten, rastet Ron völlig aus. Wutentbrannt rennt er wie ein Amokläufer auf die beiden los und schreit sie an: „Sie ist meine Freundin, ihr Penner“, worauf die beiden Feiglinge verängstigt die Flucht ergreifen.
Doch auch auf Seiten Voldemorts geht es kompromisslos zur Sache. Als der Dunkle Lord endlich kapiert hat, was vor sich geht, spricht ihn einer seiner Todesser an, der daraufhin ohne jeglichen Kommentars von Voldemort umgebracht wird. Anschließend redet er mit ganz entspannter Stimme zu seiner Schlange: „Komm Nagini, ich muß dich in Sicherheit bringen“.
Wie eingangs bereits erwähnt, beschäftigt sich der Film vor allem mit der Vergangenheit Snapes. Diese erfahren wir wie so oft durch eine beeindruckende und in diesem Fall sehr ausführliche Denkarium-Sequenz, nachdem Severus Snape Harry Potter zu seinem Überraschen eine seiner Tränen schenkt, die benötigt wird, um durch das Denkarium Erinnerungen aus der Vergangenheit desjenigen anschauen zu können, dem die Träne gehörte. Harry erfährt nun Dinge aus Snapes Leben, die bis in seine Kindheit zurückreichen, mit denen er mit großer Sicherheit nicht gerechnet hat. Er erkennt, dass viele Dinge, die Snape getan hat und sein generelles Verhalten Harry gegenüber, seine Gründe gehabt haben.
Eine der interessantesten „Szenen“ des Buches ist die Zwischenweltsequenz, in der Harry auf Professor Dumbledore stößt, und beide über den Tod und über die letzte Begegnung mit Lord Voldemort sprechen. Diese Szene lässt interessanterweise viel Raum für Interpretation offen und gehört gehört deshalb zu den ambivalentesten Minuten der kompletten Filmserie. Als Harry seinen ehemaligen Professor fragt, ob dies alles gerade Wirklichkeit sei oder sich nur in seinem Kopf abspiele, antwortet Dumbledore mit den Worten: „Es spielt sich in deinem Kopf ab. Aber warum soll das bedeuten, dass das nicht Wirklichkeit ist?“ Ob solcher philosophischen Momente und Metaebenen bedarf es wohl keinerlei Zweifel mehr, ob Harry Potter nur für Kinder gemacht sei. Beide befinden sich im Film in der in Weiß gehüllten Bahnhofstation, in der Dumbledore wie eine Art Lichtgestalt wirkt, die Harry den Weg zeigt und ihm selbst im Jenseits (oder wo auch immer) nach wie vor zur Seite steht.
Toll am siebten Film ist auch die Charakterentwicklung vieler Figuren, die wir sonst ganz anders in Erinnerung haben. Über Professor MacGonagall haben wir ja bereits gesprochen. Aber auch Harrys Freunde ergeht es nicht anders. So faßt sich am Ende Neville Longbottom den Mut, vor Lord Voldemort zu treten und zu seinen Mitschülern eine bewegende Rede zu halten. Da ihn Voldemort nicht unterbricht, scheint sogar der Dunkle Lord ein wenig beeindruckt zu sein von der Loyalität und Treue Harrys Freunden dem Auserwählten gegenüber. Denn diese Form des Zusammenhalts hat Tom… – Verzeihung – Lord Voldemort nicht immer in Gänze von seinen Gefolgsleuten erfahren können. Dieses Thema wird dadurch bekräftigt, dass die Eltern von Draco, Lucius und Narzissa Malfoy, zusammen mit ihrem Sohn stillschweigend die Flucht ergreifen und nicht bis zum bitteren Ende an Voldemorts Seite weiterkämpfen. Zu guter Letzt beweisen also sogar die Malfoys, dass sich nicht nur die Arschlöcher vom Dienst sein können, sondern durchaus Menschlichkeit an den Tag legen. Wenn es z.B. darum geht, Harry zu verraten, schweigt Draco. In frühreren Teilen wäre dies noch undenkbar gewesen. In einer anderen Szene soll seine Mutter den noch lebenden Harry für tot erklären. Sie lügt, nachdem sie von Harry erfahren hat, dass ihr Sohn noch lebt. Joanne K. Rowling lässt also die Liebe (in diesem Fall die Liebe einer Mutter ihrem Kind gegenüber) sämtliche negative Charaktereigenschaften zunichte machen. Ein Filmstoff, wie er klassischer nicht sein kann.
Selbst Molly Weasley, die wir sonst nur als liebenswerte und hilfsbereite Hausfrau aus dem Fuchsbau her kennen, zeigt sich ebenso wie MacGonagall von einer ganz anderen und neuen Seite. Als Bellatrix Lestrange während der Schlacht um Hogwarts versucht, Ginny Weasley zu töten, stellt sich ihr ihre Mutter Molly in den Weg und zeigt Bellatrix mit den Worten „Nicht meine Tochter, du Schlampe“, wo der Frosch die Locken hat. Wie ihr also sehen könnt, ist nicht nur der Härtegrad, sondern auch der Umgangston erheblich rauer geworden als noch zu Zeiten von „Kammer des Schreckens“ oder „Gefangene von Azkaban“.
Zugegeben: Die Spezialeffekte sind eine wahre Augenweide, die Schlachtszenen sowie die Drachszene in höchstem Maße beeindruckend. Potter 7.2 ist Effektkino der Güteklasse A. Dazu stimmt die Atmosphäre und die schauspielerische Leistung sowie die Dramaturgie. Einzig und allein der Endkampf, das Ziel, auf dass die Geschichte seit nunmehr acht Kinofilmen hinausläuft, hätte noch ein wenig umfangreicher ausfallen können. Hier zieht Yates´ Verfilmung Rowlings Buch gegenüber leider eindeutig den Kürzeren. Während die beiden Kontrahenten sich im Buch noch gegenseitig beschimpfen, bevor es zum eigentlichen Duell kommt, beginnt der Endkampf hier nach bereits einem einzigen Satz von Harry. Außerdem stehen sich die beiden allein auf weiter Flur gegenüber, während bei Rowling die bekannten Figuren auf beiden Seiten diesem Großereignis beiwohnen, was dem Ganzen noch etwas Größeres, Epischeres – ja: Monumentaleres verpasst.
Sei es drum, das sind nun wirklich Kleinigkeiten. Unterm Strich bleibt eine großartige Umsetzung des Buches „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ übrig, dessen Dramaturgie durch das Aufsplitten des Romans in die Teile 7.1 und 7.2 sich stetig steigert, wichtige Sequenzen nicht so gestrafft oder gar weggelassen werden mussten, wie es z.B. in den Filmen Nummer fünf und sechs (ebenfalls von Yates verfilmt) der Fall gewesen war, sondern sich die Verfilmung sehr nahe an die Buchvorlage hält. Wenn dadurch trotzdem noch genug Raum für Humor bleibt, der für einen Blockbuster diesen Kalibers von nicht unwesentlicher Wichtigkeit ist, dann haben die Produzenten und Yates als Regisseur tatsächlich fast alles richtig gemacht.
Noch eine kleine Bemerkung zum Soundtrack: Es gibt Stimmen, die besagen, der französische Komponist Alexandre Desplat hätte sich zu sehr abgewandt von der ursprünglichen Musik des John Williams. Nun, das mag vielleicht sein, allerdings können wir dem Score von Desplat nicht vorwerfen, daplaziert zu wirken. Die musikalische Untermalung paßt zu dem düsteren Epos. Sei es jetzt zu den nachdenklichen Denkarium-Szene, zur Schlacht oder beim Finale. Darum gibt es von uns auch in diesem Bereich die volle Punktzahl.
Ob nun der 19 Jahre später spielende Epilog mit den gealterten Freunden das Gelbe vom Ei ist und wir den jungen Schauspielern ihr in dieser Szene vorgegebenes Alter tatsächlich abnehmen, sei mal dahingestellt. Das Gelächter im Kinopublikum sprach da eigentlich für sich. Ist aber auch völlig egal, denn hätte man hier andere Schauspieler für genommen, wäre die Sache irgendwie nicht konsequent zu Ende geführt worden. Und irgendwie ist es doch auch toll, mit den gleichen Schauspielern abzuschließen, mit denen vor 10 Jahren alles begonnen hat. Einen schöneren Schluß kann es ja gar nicht geben. Nicht für diesen hochspannenden Fantasyfilm und nicht für die Serie, die dieses Finale abschließt. Chapeau, Mr. Yates!
Niemals hätte ich nach dem Anschauen von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ gedacht, dass mich diese Reihe doch mal so in ihren Bann ziehen würde. 10 Jahre später denke ich darüber anders und kann sagen: was bleibt sind also acht Kinofilme, die sich qualitativ stetig steigern („Der Orden des Phönix“ mal außen vor gelassen) und neben der „Der Herr der Ringe“-Trilogie ein absolutes Must-have im Fantasy-Sektor darstellen. Die Geschichte, die sich Joanne K. Rowling hier ausgedacht hat mit der Vielzahl an Kreaturen, Charakteren und Wendungen, ist es wirklich wert, positiv erwähnt zu werden. Wer Potter immer noch für eine Kinderserie hält, der sollte nun wirklich mal anfangen, sich mit dieser tollen Geschichte um Freundschaft und den ewigen Kampf gegen das Böse zu beschäftigen. Es lohnt sich. Und wenn eine erfolgreiche Reihe mit einem solchen Knaller endet, dann lohnt es sich erst recht diese Filme immer und immer wieder anzuschauen, und sich auf dieses großartige Finale zu freuen. Bestnoten in allen Bereichen für einen der geilsten Filme 2011.
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