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Diary Of Dreams, Im Blickpunkt, Musik-Reviews — Veröffentlicht am 25. August 2011 um 23:40

DIARY OF DREAMS – Ego:X

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Denke ich an das letzte Blackfield Festival zurück, dann wird mir eines klar: der eigentliche Headliner des Festivals war DIARY OF DREAMS. Vom musikalischen Schaffen abgesehen ist es einfach die mitreissende Bühnenpräsenz des charismatischen Frontmanns Adrian Hates, die für stetig wachsende Fanzahlen sorgt. Um die immer wieder gefällige Bühnenperformance geht es nachfolgenden aber nicht. Diary Of Dreams haben ein neues Album am Start, “Ego:X”, und mit dem wollen wir uns nun mal beschäftigen.

Wer einmal vom Diary Of Dreams Fieber infiziert wurde, wird es nur sehr, sehr schwer wieder los. Was ist es aber, was diese Faszination ausmacht? Was ist es, das dafür sorgt, dass Fans dieser Band ihr über lange, lange Jahre folgen, manchmal mit an Fanatismus grenzender Treue? Ist es die eindringliche, einzigartige Stimme Adrian Hates’? Sind es die Texte, nicht arm an cleveren Wortspielereien, die dem Hörer ein ums andere Mal den Spiegel vorhalten, ihn einen ungeschönten Blick ins eigene Seelenleben werfen lassen? Möglicherweise ist es auch die beeindruckende Kombination daraus, gepaart mit den schnuckeligen Melodien, die vor allem Adrian Hates und Gaun:A, als einzige wirkliche Konstanten im Bandgefüge, regelmäßig aus dem Hut zaubern? Die Wahrheit ist wohl irgendwo hier zu finden.

Wie so oft bei Diary Of Dreams steckt auch hinter “Ego:X” ein tieferes Konzept, eine Geschichte. Adrian Hates erklärt es wie folgt: “Das Album handelt von unserem Protagonisten X, der sich auf eine Reise der Verwandlung begibt. Langsam nimmt er Abschied von seinem alten Leben und verwandelt sich in etwas Neues. Er schaut wehmütig zurück und hoffnungsvoll nach vorn, er ist enttäuscht und verletzt, hilflos und orientierungslos. Am meisten aber verabscheut er seinen Zustand und begehrt das Gefühl der Stärke. Der Schritt, den er macht, liegt nahe, und doch ist es ein schwerer, großer Schritt, der ihn durch seine eigenen erinnerungs- und angstgeprägten Gefühlswelten taumeln lässt. Ein Kampf zweier Ichs entsteht, ein Streben nach Veränderung, ein letztes Aufbäumen vor der Kapitulation.

Mit diesem Hintergrund bekommen die Songs eine ganz besondere Gewichtung für all jene, die ebenfalls gerade irgendwie mehr durch das Leben straucheln, als wirklich gefestigt mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Wenn ich mich so umgucke in der Welt und vor allem aber in meinem Bekanntenkreis (oder gar in meinem eigenen Leben!), dann haben Diary Of Dreams mit “Ego:X” einen Soundtrack für eine Generation geschaffen, die mehr verloren ist als alles andere. Wie sagte doch X so schön: “Du strauchelst durch dein Leben und versuchst deine Umwelt zu magnetisieren. Funktioniert es, ist es gut. Funktioniert es nicht, musst du weiterziehen. Ein trauriges, emotionales Nomadenleben.

Durch die “Handlung” dieses Albums führt X als Erzähler, gesprochen von niemand geringerem als Martin Kessler. Herr Kessler dürfte jedem von Euch, der schon mal einen Film mit Nicolas Cage oder Vin Diesel gesehen hat, bestens bekannt sein als Synchronstimme besagter Hollywood Stars. Seine einzigartige und markante Stimme ist das Tüpfelchen auf dem i in dem gewohnt düsteren Klangbild. Zu dieser ungewöhnlichen Kollaboration hat Herr Hates übrigens auch etwas zu erzählen: “Ein sehr ungewöhnlicher Zufall sorgte dafür, dass ich Martin Kessler kennen lernen durfte. Leider kann ich nicht erzählen wie, da Herr Kessler sonst Nachahmer befürchtet! Seine Stimme jedenfalls hat exakt das Timbre und die Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit, die wir uns für X wünschten. Martin war interessiert und einverstanden, uns seine Stimme zu leihen, und so begann das eigentliche Problem: die Terminwahl. Monate zogen an uns vorbei und fast schon hatten wir aus Zeitmangel aller Beteiligten die Hoffnung aufgegeben, dass wir seine Stimme auf Ego:X erleben würden, da kam dann doch ein kurzfristiger Recording-Termin zustande.

Klangtechnisch bewegt sich Diary Of Dreams auf in etwa dem gleichen Niveau wie sie es seit “Nigredo” tun. Weniger synthetisch als früher (quasi in der Pre-Nigredo-Ära), dafür mit deutlich hörbarem Gitarren- und somit Gaun:A – Anteil. Gleichwohl finden sich immer noch genügend synthetische Elemente im Klanggebilde Diary Of Dreams’, um das reine Hörerlebnis spannend und abwechslungsreich ausfallen zu lassen. Spannung und Abwechslung ist übrigens ein gutes Stichwort: Auf “Ego:X” ist Martin Kessler nicht das einzige “Oha!”-Erlebnis. Auf “Ego:X” dürfen wir auch das erste Duett in der Bandgeschichte erleben. Auf der Ballade “Push Me” trällert Adrian zusammen mit Amelia Brightman. Eine durchweg interessante Kombination, da hier zwei ziemlich ausdrucksstarke Stimmen aufeinander treffen. Und natürlich gibt es auch dazu eine Geschichte: “Über eine gemeinsame Bekannte lernte ich Amelia vor ein paar Jahren kennen. Wir blieben in Kontakt, trafen uns, wenn wir in der Nähe unserer Heimatstädte Konzerte gaben und redeten dann viel über Musik und philosophierten über das, was wir gern noch musikalisch ausleben und verwirklichen möchten. Schon bald entstand die Idee, auf dem neuen Diary of Dreams-Album einen Song gemeinsam zu singen. “Push me” bot sich in meinen Augen dafür am besten an, weil es ohnehin schon ein sehr ungewöhnlicher Track ist, der sehr atmosphärisch ausgelegt ist und daher gerade Amelias Stimme viel Platz zum Leben lässt. Amelia besuchte Gaun:A und mich dann für die Gesangsaufnahmen im White Room, und so verbrachten wir ein paar Tage damit, die Gesangsparts zu planen und schließlich die Aufnahmen zu machen.

Unterm Strich haben Diary Of Dreams also abermals nicht weniger als ein weiteres Meisterwerk geschaffen. Zweifelsohne die mächtigste Veröffentlichung seit “Nigredo”. Vor allem Martin Kessler in seiner Rolle als X wirkt wie das endlich gefundene Teilchen, das in dem Puzzle offenbar bislang fehlte. Auch wenn zu befürchten steht, dass sich dieser Effekt abnutzt, so hätte ich doch nichts dagegen, wenn Herr Kessler abermals ein Gastspiel auf einer Diary Of Dreams Platte hätte. Das ergänzt sich einfach zu gut. Wenn Musik eine Bereicherung für empfindsame Seelen sein kann, dann ist “Ego:X” ein Hauptgewinn.

Wenn man sich tagein, tagaus damit beschäftigt, Musik zu hören, um anschließend Worte zu finden mittels derer man der Welt von dieser Musik erzählen möchte, stumpft man irgendwann ein Stück weit ab. Es passiert in diesen Tagen nicht mehr allzu häufig, dass mich Musik noch tief in meinem Inneren berühren kann. Sicherlich ist da vieles dabei, was ich wohl ganz cool finde, aber bis zum Kern vorzudringen, das schaffen nur noch wenige Bands. Diary Of Dreams ist so eine Band. Sie haben es immer geschafft und werden es immer tun. “Ego:X” ist abermals ein ganz, ganz großes Album geworden, dem die Faceliftings im Klang gut tun. Im Darkwave Bereich gibt es dieses Jahr wieder einmal nichts, was Diary Of Dreams das Wasser reichen könnte. Wie sehr mich Diary Of Dreams abermals tief im Kern berührt haben, kann ich kaum in Worte fassen. Jedoch: Ich sehe “Ego:X” schon in der Jahresendauswertung ganz weit oben in meiner Top 10 stehen. Für Freunde guter Musik gibt es also nur noch eine Ansage: Kaufen! Und an alle anderen: probiert es aus und lasst Euch ebenfalls mit dem Fieber infizieren…


Wertung

Inhalt Gesang Klang Fan-Faktor Artwork Gesamt

Trackliste

  1. Into X
  2. Undividable
  3. Lebenslang
  4. Element 1 – Zeitgeist
  5. Grey the blue
  6. Immerdar
  7. Element 2 – Illusion
  8. Push me (feat. Amelia Brightman)
  9. Element 3 – Stagnation
  10. Echo in me (X-Version)
  11. Element 4 – Angst
  12. Mein-Eid
  13. Splinter
  14. Element 5 – Resignation
  15. Fateful Decoy
  16. Weh-Mut
  17. Out of X

Anspieltipps

  1. Grey the blue
  2. Immerdar
  3. Push me
  4. Mein-Eid
  5. Weh-Mut
  6. Element 1-5

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