LeichtmatroseEs lebe hoch das Internet: Vor noch gar nicht so langer Zeit haben wir Euch das Debütalbum “Gestrandet” des LEICHTMATROSEN vorgestellt.  Dort attestierten wir dem Newcomer, ein wunderbares Album abgeliefert zu haben, das uns übrigens immer noch begeistert. Nun, wie es Freund Zufall (in Zusammenarbeit mit Google) so will, stolperte der Leichtmatrose über unser Review. Über MySpace kamen wir ins Gespräch. Und Füchse, wie wir nun mal sind, ließen wir es uns nicht nehmen, bei dieser geradezu günstigen Gelegenheit den übrigens sehr sympathisch wirkenden Chefleichtmatrosen Andreas Stitz ein paar Fragen unterzujubeln. So ein spannendes Debüt und ein so eingewöhnlicher Projektname werfen schließlich die ein oder andere Frage auf….

JB: Warum eigentlich “Leichtmatrose”? Welche Bedeutung steckt dahinter?
L:  Als ich mein Soloprojekt began, war einer meiner ersten Songs “Leichtmatrosen haben’s schwer”. Da erinnerte ich mich an ein Foto von Marc Almond aus den 80ern, wo er als Matrose zu sehen war und ich dachte: gute Kunstfigur für mich! Stand schon immer auf den metro-sexuellen Touch mit einem Hauch 80er Wave.

JB: Wie kamst du zur Musik? Laut Wikipedia hat dein “weltlicher” Job ja damit so rein gar nix am Hut.
L: Ich spiele eigentlich seit ich 16 bin in irgendwelchen Bands, meistens als Bassist oder Sänger. Vor ca. 5 Jahren hatte ich die Schnauze voll und wollte mein eigenes Ding machen – authentisch und endlich unabhängig.
Mein weltlicher job ist Bewährungshelfer und hat nur bedingt etwas mit dem Leichtmatrosen zu tun. Natürlich spiegeln sich manche Erfahrungen und Erlebnisse diesbezüglich in meinen Texten wieder. Es gibt aber nie eine 1zu1-Übertragung.

JB: Wie lief das eigentlich mit Joachim Witt? Die legenden sind ja bekannt, aber vielleicht kannst du noch ein paar Worte dazu verlieren, wie sehr sein Engagement bezüglich eurer Veröffentlichung war.
L: Joachim endeckte mich vor 2,5 jahren auf myspace, nachdem ich 14 Tage online war. Eine Schicksalsfügung. Er ist seitdem mein Mentor, Manager, Freund und eine Art Vaterfigur. Wir haben ein sehr ähnliches Empfinden für Musik, Worte und Atmosphären. Eigentlich ist er ein Teil dieses Projekts geworden, so das man nicht mehr von einem Soloprojekt sprechen kann.

JB: Wie entsteht denn ein Leichtmatrose-Song? Oder anders: Was ist zuerst da? Melodie oder Text?
L: Meistens gibt es zuerst ein Song-Grundgerüst und ich probiere, Gesagsmelodien diesbezüglich zu entwerfen die gut in die Atmosphäre passen. Dadurch ensteht oft eine Text-Hookline, aus der ich dann einen kompletten Text erschaffe. Kann man aber auch nicht immer so pauschal sagen. :-)

JB: Inhaltlich sind das ja oft ziemlich aktuelle, nicht immer ganz einfache Themen, die du verarbeitest. Woher kommt das Bedürfnis, beispielsweise Magersucht in einem Lied zu verarbeiten? Spielen persönliche Begebenheiten in die Entstehung der Texte mit rein?
L: Wenn diese Frage kommt, sage ich immer, meine Texte sind autobiografisch. Nicht weil ich all das erlebt habe, sondern weil mich die Themen irgendwann beschäftigt haben.

JB: Ab und zu hatte ich beim Hören das Gefühl, der Leichtmatrose ist kein sonderlich großer Fan von Religionen. Oder: Was inspirierte dich zu “Himmelfahrt”?
L: Ich wurde als Kind gezwungen, Messdiener zu sein. :-)

JB: Wie gehts weiter, jetzt wo das erste Album im Kasten ist?
L: Das Ding muss so viel wie möglich verbreitet werden, damit es den Menschen zugänglich wird. Hierzu gehören ganz normale Promo-Aktivitäten sowie Live-Auftritte.

JB: Wie war das eigentlich, auf dem M’Eera Luna zu spielen? Die Zeit war ja undankbar früh?
L: Klar war 11 morgens nicht ideal, aber für einen Newomer immerhin die Möglichkeit, vor großen publikum zu spielen. Ich denke, der Auftritt war überzeugend, denn die Resonanz war sehr positiv.

JB: Überhaupt live spielen:  Ist aktuell eine schnuckelige (Club-)Tour geplant? Braunschweig soll ja sehr schön sein, hab ich gehört… ;-)
L: Im Herbst finden 5 termine in Münster, Leipzig, Köln, Hamburg und Berlin statt. Und für nächstes Jahr wird auch schon geplant. Vielleicht ja auch Braunschweig – ich werds mal an die Booking-Agentur weitergeben. :-)

JB: Leichtmatrose wird ja nun quasi durch die Schwarze Szene gereicht – aberrr: fühlst du dich selbst der Szene zugehörig?
L: Ich denke, ich streife die Szene so ein bisschen, ähnlich wie Wolfsheim, Depeche Mode oder De/Vision, da der melancholische Touch sehr gut zur Szene passt. Ich sehe mich aber auch zusätzlich in der Deutsch-Pop-Ecke.

JB: Welche Mucke hörst du selbst so? Gibt es Künstler, mit denen du mal zusammenarbeiten möchtest?
L: Ich höre auch viel im aktuellen Wave-und Gothic-Bereich, aber mich sprechen auch solche Bands wie Interpol, Sigur Ros, Element of Crime, Placebo oder Editiors an.
Bezüglich einer Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ist zur Zeit etwas in Arbeit, worüber ich  aber noch nicht sprechen kann….

So und jetzt seid Ihr wieder gefragt. Leichtmatrose gehört zu den spannendsten Neuzugängen, die wir musikalisch in diesem Jahr zu verzeichnen hatten und hat Eure Aufmerksamkeit mehr als verdient. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal bei Andreas – zum einen für die Antworten, zum anderen aber dass er seine Musik der Welt zugänglich gemacht hat. Setzt die Segel und haltet nach dem Leichtmatrosen Ausschau!


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