Rotersand - War On ErrorZwei Jahre ist es nun schon her, seit die feinen Herren von ROTERSAND ihre Hörerschaft zuletzt mit einer Veröffentlichung beglückten. Seit “1023″ hatte sich ja auch deren bisheriges Label Dependent vorübergehend von der Bildfläche verabschiedet und das Trio war auf diversen Festivals unterwegs. Dass sie aber auch ansonsten nicht untätig in der Ecke gesessen haben und die unzähligen Millionen (wer Ironie findet, darf sie gerne behalten), die Musiker in der Schwarzen Szene ja bekanntlich so verdienen, sinnlos verprasst haben, zeigt sich spätestens an der Veröffentlichung von “War On Error”, dem EP Vorboten des kommenden Albums “Random Is Resistance”.

Zunächst mal: Der Titelsong der mit 8 Songs und einer Laufzeit von etwas mehr als 30 Minuten ziemlich üppig ausgestatteten EP kommt im typischen Rotersand-Sound daher. Fröhlich groovende Beats, Samples, quietschige Synthie-Gebilde, künstliche Choreffekte im Hintergrund und dazu Rascals markante Stimme. Funktioniert auf der Tanzfläche genauso gut wie im heimischen Wohnzimmer und glänzt – wie im Prinzip die ganze EP – durch bemerkenswerte Ideenlosigkeit. Rotersand reihen sich mit “War On Error” in die Riege der Electro-Bands ein, die scheinbar auf Nummer Sicher gehen und nach dem Schema F verfahren. Was vor 2 Jahren funktionierte, funktioniert auch heute noch? Ja tut es, aber spannend ist leider etwas anderes.

Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da ja Rotersand auf ihrer Webseite einen markigen Spruch zu stehen haben, an den Titelsong  angelehnt ist und Individualität propagiert: “Das System erklärte den Krieg gegen den Fehler. Krieg gegen die Unvorhersehbarkeit, die Unwägbarkeit und Unberechenbarkeit in jedem von uns. Um zurück zu schlagen sollten wir wirklich ein Fehler in der ewig-mahlenden Konsummaschinerie werden.”
“War On Error” wirkt zu vorhersehbar und berechenbar und scheint zu sehr auf größtmögliche Massenkompabilität zu schielen, als das man sich hier ein kurzes Schmunzeln verkneifen könnte…

Highlight auf diesem Silberling ist sicherlich die pianolastige, sehr stimmungsvolle Ballade “We Will Kill Them All”. Das sehr futurepopige “Bastards Screaming (On And On)” geht auch noch in Ordnung. Generell ist es auch nicht die Abwechslung, an der diese Scheibe krankt. Viel mehr liegt das Problem darin, dass sich Rotersand hier – ähnlich wie so manch anderer, renommierter Genrekollege – zu sehr auf altbewährte Tugenden verlassen, anstatt mutigen Schrittes dahin zu gehen, wo noch niemand vor ihnen war. Oder wenigstens sie selber nicht. Schade, dass hier so viel Potential verschenkt wurde. Und wenn man nun anhand dieser EP davon ausgehen soll, wie das Album klingen wird, dann fällt es nicht schwer zu orakeln, dass die Genrekrone am Jahresende nicht auf den Häuptern dieser Leuchtturmwächter sitzen wird.

JermaineBelgardioHandwerklich gibt es an der Scheibe nichts zu meckern. Technisch liefern die Jungs hier gewohnt hohe Qualität ab. Aber ansonsten scheinen sie sich in den letzten Jahren kein Stück weiterentwickelt zu haben. Sehr schade das. Eingefleischte Rotersand-Fans werden mit “War On Error” sicherlich glücklich, für mich ist das Gelieferte hier aber deutlich zu wenig. Ich bin gespannt, ob das Album da noch was reissen kann. Das hier jedenfalls hat mich kein Stück überzeugt und ist in meinen Augen haarscharf an der Belanglosigkeit vorbeigerauscht.


Wertung

Inhalt Gesang Klang Fan-Faktor Artwork Gesamt

Trackliste

  1. War On Error (Declaration)
  2. Bastards Screaming (On And On)
  3. We Will Kill Them All
  4. Speak To Me (Epic)
  5. Dirty
  6. Bastards Screaming (Shortcut)
  7. War On Error (Reprise)
  8. Untitled (Hidden Track)

Anspieltipps

  1. Bastards Screaming (On And On)
  2. We Will Kill Them All

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