Man könnte sich lang und breit darüber auslassen, dass der Sommer so richtig keiner war und sich insgesamt eher wie Herbst anfühlte. Nun steht der Herbst tatsächlich vor der Türe, ein paar letzte goldene Tage im Gepäck. Die ideale Zeit also, um stimmungstechnisch und musikalisch wieder in Richtung Schwermut abzudriften. Dank Bands wie die DEAD GUITARS und ihrem aktuellen Album “Stranger” kann man sich dabei durchaus wohlfühlen.
“Stranger” ist das dritte Werk der deutsch-englischen Band und genau wie beim Debütalbum “Airplanes” und dessen Nachfolger “Flags” haben wir es hier mit reichlich melancholischer, gitarrenlastiger Popmusik zu tun. Keinen Plastikpop, wie man es viel zu oft im Radio (oder ähnlichen, meist nur Blödsinn verbreitenden Medien) zu hören bekommt. Nein, das was die Dead Guitars hier präsentieren, ist so herrlich unaufgeregt, entspannt und entspannend gleichermaßen, wie man es heutzutage nicht mehr so oft serviert bekommt. Die Herrschaften tun hier so, als ginge sie das pompöse Gemache, das ringsherum in der Popwelt herrscht, schlicht und ergreifend nichts an und ziehen hier ihr ganz eigenes Ding durch. Ein bisschen Indie, ein bisschen Wave und dazu eine große Portion Gefühl – et voilà, fertig sind elf ansprechende Songs.
Auch thematisch werden auf “Stranger” kleinere Brötchen gebacken. Anstatt austauschbare, belanglose Texte zu trällern, sind es hier persönlichere Themen, die Gehör finden wollen. “Fade away” zum Beispiel, ein ziemlich nachdenklich stimmender Song, über den Sänger Carlo van Putten folgendes zu berichten hat: Als meine Mutter starb, war ich erst 17. Wir hatten uns gestritten, weil sie mich zu meinem Vater geschickt hatte. So Vieles blieb unausgesprochen. Meine Interpretation von Ian Curtis Satz: „Don’t walk away in silence“.
Oder auch “From the top of the world”, über das folgendes berichtet wird: In einer Euphorie möchte ich manchmal die Welt umarmen, aber an mir nagt das schlechte Gewissen: Wir missbrauchen sie und lassen sie ausbluten.
Man kann den Texten auf “Strangers” folgen, man muss es aber nicht. Allein die Kombination aus gefälliger Indie-Popmusik, geschwängert mit breiten Bässen, gelegentlichen Blues-Anleihen und einem Hauch Elektronik, und der eindringlichen, gleichwohl unaufdringlichen Stimme von Sänger Carlo van Putten sorgen dafür, dass sich “Stranger” als ein angenehmer Begleiter durch den Herbst empfiehlt. Eben für die Momente, wo man Stress und Hektik einfach mal abklemmen muss oder möchte. Und melancholische Schwermut genießen.
Wenn sich ein Tag dem Ende nähert und noch einmal ein paar Sonnenstrahlen hinter dicken, grauen Wolkenbergen hervorkommen, die die Welt in dieses eigentümliche, goldene Licht tauchen, dann ist der ideale Zeitpunkt für dieses Album gekommen. Dabei entweder aus dem Fenster gucken, mit dem Auto einsame Alleen entlang düsen oder aber dem Meer aus bunten Farben bei einem Waldspaziergang hingeben. In Momenten wie diesen entfaltet “Stranger” seinen größten Reiz. Und manchmal denke ich, genau für solche Momente ist es gemacht worden. Wer also braucht schon einen Sommer, der keiner war, wenn der Herbst doch so schön sein kann?
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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