SUBWAY TO SALLY haben am 23. September ihr nunmehr 11. Studioalbum veröffentlicht. Nachdem die beiden Vorgänger „Bastard“ (2007) und „Kreuzfeuer“ (2009) eher durchwachsende Kritiken erhielten, wobei sich Fans und Presse bei letzterem einig waren, daß es sich um ein total uninspiriertes, stellenweise belangloses Werk handelte, haben viele den Glauben an die Brandenburger Gruppe verloren, den sie sich mühselig mit ihrem bahnbrechenden Comeback-Album „Nord Nord Ost“ aus dem Jahr 2005 zurückerarbeiteten. Nun steht also das jüngste Werk „Schwarz in Schwarz“ in den Regalen. Wir haben es probegehört, um zu schauen, ob wirklich alles so Schwarz ist, was glänzt (oder so).
Ohne große Umschweife wollen wir direkt zum Punkt kommen: nach erstmaligem Durchhören war der Rezensent maßlos enttäuscht über das Ergebnis. Klingt irgendwie auf Teufel komm raus düster und zum Teil schon x mal gehört. Kopieren sich Subway to Sally neuerdings etwa selber? So der ähnlich war der erste Eindruck von „Schwarz in Schwarz“, sodaß die Platte zunächst einmal wieder auf Eis gelegt wurde und sich näher mit dem deutlich zugänglicheren (und besseren) neuen Saltatio Mortis-Album beschäftigt wurde.
Um „Schwarz in Schwarz“ jedoch objektiv bewerten zu können, muß man sich etwas mit der Geschichte von Subway to Sally auskennen. Dieses 11. Album wurde erstmalig in Eigenregie und mit einer eigenen Plattenfirma aufgenommen. Demnach war der Erwartungsdruck, insbesondere der an sich selbst, natürlich enorm hoch für das Septett. Sänger Eric Fish beschreibt den Songwriting-Prozess als eine Art Selbstfindungsanalyse. Er ist sich dessen bewusst, dass sie beim Raab´schen Bundesvision Song Contest anno 2008 nur durch das hohe Engagement ihrer riesigen Fanbase siegen konnten. Und diese Fans sind nun einmal zu einem Großteil in der Schwarzen Szene zu Hause. Darum ist „Schwarz in Schwarz“ quasi so etwas wie ein Bekenntnis-Album der Szenezugehörigkeit und als Dankeschön an all die Fans dort draußen zu verstehen. Die Textzeilen des Openers „Ich sehne mich so sehr nach dem schwarzen Meer“ und „Schwarz, ganz schwarz, trägt es mich weiter“ könnte man also auch so interpretieren, daß die Band sich eher nach einem Meer aus schwarzgekleideten Zuschauern zu ihren Konzerten sehnt, anstatt eines knallbunten Mainstream-Publikums wie es sich derzeit bei einer anderen Band der Szene verhält, die ebenfalls den Bundesvision Song Contest gewonnen hat. Nach diversen Ausschweifungen in sehr poprockige Gefilde, ist man mit diesem Album also wieder zu 100% „zu Hause“ angekommen.
Als Produzent fungierte erneut Fabio Trentini, der dafür sorgte, daß das Album so verdammt fett und druckvoll aus den Boxen knallt. Bei diesem Klang muß zwangsläufig die Frage erlaubt sein, ob ein anderes StS-Album noch sauberer produziert wurde als das hier, oder ob damit bei „Schwarz in Schwarz“ ein neuer Standard innerhalb der Band erreicht wurde. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Brandenburger durch die Mittelalter-Experten von Capella Antigua Bambergensis, die jede Menge Ideen der Instrumentierung in die Albumproduktion mit einbrachten, wovon Subway to Sally entsprechend profitieren konnten. In Sachen Sound und Klag erhält diese Scheibe also die volle Punktzahl. Doch was ist nun mit dem Inhalt?
Eine gewisse melancholische, ja eigentlich lyrisch harte Erwartungshaltung dürfte man ob dieses Titels und dem schlicht schwarzen Covermotiv schon im Vorfeld entwickeln. Und tatsächlich: die Songs handeln von Tod, Schmerz, Mißbrauch oder gar der Apokalypse.
Blumen spielen in der Musik von Subway to Sally seit jeher eine große Rolle. Mit „Wo Rosen blüh´n“ wird diese Tradition konsequent fortgeführt. In diesem mitreißenden Song geht es inhaltlich darum, dass der Mensch sich mit dem Todsein eines Freundes anfreunden muß. Es ist seine Pflicht, das Grab des Toten zu besuchen, wie mit der Zeile „Wo Rosen blüh´n, da sollst du sein“ unmissverständlich zum Ausdruck gebracht wird. Komponiert hat diesen Titel übrigens das jüngste Subway-Mitglied, Schlagzeuger Simon Michael Schmitt, der damit mehr oder weniger seine endgültige Aufnahmeprüfung in den Reihen der Sallys gemacht hat. So verwundert es auch nicht, wenn dieser Titel verdammt nach „Kleid aus Rosen“ und den „alten“ Subway-Songs aus der „Herzblut“- und „Hochzeit“-Ära, den Klassikern der Band eben, klingt. Wen die Melodie im Refrain nicht sofort an die Textzeile „Meister, Meister, schenk mir Rosen“ erinnert, der hat sich offensichtlich mit dieser Band noch nicht so lange auseinandergesetzt. Der Grund dieser unverkennlichen Ähnlichkeit ist von romantischer Einfachheit geprägt: natürlich hatte Simon auch ein musikalisches Privatleben vor der Mitwirkung bei StS und dazu gehörten eben auch die Evergreens dieser bundesweit so beliebten Kapelle. Wenn man diesen Gedanken noch etwas weiter spinnt, könnte man auch sagen: es ist ein Song von Fans für Fans. Und damit trifft er hinsichtlich dieser Albumphilosophie absolut ins… Schwarze ;-)
„Kämpfen wir“ ist zwar kompositorisch nicht unbedingt der vielschichtigste Subway-Track geworden, dadurch überzeugt er jedoch durch seine straighten Riffs und ein hohes Maß an Eingängigkeit sowie dem inhaltlichen Wiedererkennungswert (siehe „Die Schlacht“), das live sicherlich sofort eine sichere Bank sein wird. Obwohl die Musik nicht allerhöchstes Niveau erreicht, der von Durchhalteparolen durchzogene Text schafft das allemal – zumindest wenn man über ein wenig Pathos wie in den Zeilen „Lasst uns lichterloh erglühen“ oder „Lasst uns nicht im Bette sterben, besser stirbt es sich als Held“ locker hinwegsehen vermag.
Zwar tritt die Ähnlichkeit zu früheren Werken beim Rest des Albums nicht ganz so deutlich wie bei „Wo Rosen blüh´n“ in Erscheinung, dennoch klingt „Schwarz in Schwarz“ irgendwie sehr vertraut. Die harten Riffs aus „Engelskrieger“ sind genauso wieder da, wie die ins Ohr gehenden Refrains mit Ohrwurmcharakter („Bis in alle Ewigkeit“, „Schlagt die Glocken“) sowie die vertonten Geschichten, für die die Band so bekannt ist bzw. einmal war. Jetzt könnten böse Zungen von Selbstopie und Ideenlosigkeit sprechen (zugegeben: die Verwechslungsgefahr von „Kleid aus Rosen“ und „Wo Rosen blüh´n“ ist durchaus gegeben), aber Subway to Sally haben hier eben ganz bewusst eine Art Retro-Album geschaffen, die absichtlich Erinnerungen an vergangene Tage und Alben wecken will. Vergangene Alben, die wie gesagt vor allem in der Schwarzen Szene hoch im Kurs standen und noch immer stehen. Allerdings – und das ist bei Subway to Sally seit jeher ein wichtiges Thema – wurde der Anteil der mittelalterlichen Instrumente so gut wie komplett außen vor gelassen. Lediglich durch den Einfluß von Capella Antigua Bambergensis sind einige Trommeln und Folkelemente zu hören, es dominiert aber eindeutig das harte Gitarrenspiel.
Obwohl die mittelalterliche Komponente erneut zurückgeschraubt wurde, ist die Instrumentierung dieses Albums von einer hohen Vielseitigkeit durchzogen. Außerdem gibt es erstaunlich viele Balladen auf „Schwarz in Schwarz“, was sicherlich dem Thema und der daraus resultierenden Düsteratmosphäre geschuldet ist und daher völlig nachvollziehbar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist das Stück „Am Ende des Weges“. Gerade in den ruhigeren Songs kommt Erics Stimme sehr gut zur Geltung, wovon ihr euch unter anderem bei „Ins Dunkel“ selbst überzeugen könnt. Ein sich wiederholendes Stilelement ist der Kanongesang, der sowohl auf der bereits angesprochenen Ballade „Ins Dunkel“ als auch auf dem rockigen „Tausend Meilen“ zum Einsatz kommt und sich vielleicht auch live mit der Unterstützung des Publikums spannend umsetzen lassen könnte.
In Sachen Härte haben Subway to Sally jedenfalls eine ordentliche Schippe nach „Kreuzfeuer“ draufgelegt, sowohl textlich als auch musikalisch. Damit haben sie der belanglosen Pop-Ära nach dem Bundesvision Song Contest eindeutig den Rücken gekehrt. Wo bei Unheilig der Durchbruch in den Mainstream geklappt hat, so müssen sich Subway to Sally eingestehen, dass die Texte – sprich die Inhalte – einfach nicht für ein Massenpublikum geeignet sind, dafür ist ihre Musik teilweise einfach zu ernst. Subway to Sally haben das erkannt und bekennen sich durch Artwork, Albumtitel und Lyrics eindeutig dem Publikum, dass bereit und in der Lage ist, mit dieser Musik umzugehen: die Gothic-Szene.
Das beste Beispiel dafür ist sicherlich das Lied „Mir allein“. Subway to Sally erzählen hier knallhart von der Entführungsgeschichte der Natascha Kampusch, die über acht Jahre hinweg in einem Kellerverlies in Österreich des Psychopathen Wolfgang Priklopil eingesperrt war und so gut wie nur Kontakt zu einem einzigen Menschen in dieser Zeit haben durfte: ihrem Peiniger…
Die Situation verkommt zur Gewohnheit, es geht um Machtbesitz und Missbrauch. In Rammstein artiger Aggressivität brüllt Eric Fish „Ich sperr´ dich ein!“ Das Besondere an „Mir allein“ ist die Tatsache, dass Eric hier in die Rolle des Täters schlüpft und quasi aus der emotionalen Sicht von Priklopil dieses Stück intoniert. Wir hoffen ob der dargebotenen Intensität, dass der mögliche mediale Skandal ausbleiben wird.
In „MMXII“ (= 2012) besingt Eric Fish das Ende der Welt, wie sie von den Inkas prophezeit wurde. Dieser Titel ist jedoch keine bitterböse Unterstreichung der angeblich bevorstehenden Apokalypse, sondern steckt voller ironischer Anspielungen. Trotz aller Düsternis haben die Brandenburger also das Lächeln nicht verlernt. Der Song beschließt das reguläre Album durch ein hartes, ganze drei Minuten andauerndes Gitarrensolo, das so kompromiss- und schnörkellos daherkommt, wie der Rest der Platte.
Auf der limitierten Fan-Edition gibt es mit „Alles oder Nichts“ noch einen Bonustrack, der die Stimmung zum Abschluß in etwas farbenfrohere Gefilde driften lässt und mit dem Thema Tod nichts zu tun hat. Textlich also weitaus „angenehmer“ als alles Gehörte zuvor beschließt diese typische Subway-Rocknummer nach gut 58 Minuten das elfte Studioalbum der Brandenburger und hinterlässt einen insgesamt versöhnlichen Eindruck für all diejenigen, die sich an etwas zu viel Pathos („Das schwarze Meer“, „Ins Dunkel“) genauso wenig stören lassen wie an dem Das-haben-wir-doch-schon-gehört-Gefühl, womit die eingangs gestellte Frage nach der Qualität der Texte positiv beantwortet sein dürfte. Subway to Sally haben die Kurve nach den letzten beiden schwachen Platten gekriegt. Die Frage wird sein, wo nun die Reise hingehen wird. Wir werden sehen…
Wie in der Rezension schon angedeutet, konnte ich mit dem Werk erst überhaupt nichts anfangen und fand das alles tatsächlich ziemlich uninnovativ und für Subway to Sally eindeutig zu wenig. Während des erstmaligen Hörens von „Wo Rosen blüh´n“ kam ich mir sogar ein wenig verarscht vor und konnte den Vorwurf der Eigenkopie durchaus teilen. Nachdem ich mich aber intensiver über die Hintergründe der Albumproduktion und der Entstehung von „Schwarz in Schwarz“ beschäftigte und diverse Interviews studierte, habe ich das Album mit anderen Augen gesehen. Daher fällt die Bewertung dieser Scheibe nun doch weitaus positiver aus, als ich es mir nach dem ersten Hördurchgang nur annähernd vorstellen konnte. Da zeigt es sich mal wieder: manche Werke benötigen einfach etwas mehr Zeit. Im direkten Vergleich der Genre-Kollegen von Saltatio Mortis ziehen Subway to Sally zwar den Kürzeren, da „Schwarz in Schwarz“ jedoch von einer gänzlich anderen Stimmungslage durchzogen ist, wollen wir die Beurteilung daher lieber innerhalb der Diskographie Subways belassen. Und da geht der Trend eindeutig in die richtige Richtung, auch wenn man skeptisch betrachtet „Schwarz in Schwarz“ vielleicht (!) ein Auf-Nummer-sicher-gehen-Ding bezeichnen kann – zumindest was die Zielgruppe betrifft.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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Tourdaten
- 21.10.11 | Neu Isenburg | Hugenottenhalle
- 22.10.11 | Würzburg | Posthalle
- 23.10.11 | Ulm | Roxy
- 25.10.11 | Berlin | Huxley
- 26.10.11 | Hamburg | Docks
- 27.10.11 | Köln | E-Werk
- 28.10.11 | Göttingen | Stadthalle
- 29.10.11 | Erfurt | Stadtgarten
- 30.10.11 | Leipzig | Werk II
- 31.10.11 | München | Muffathalle
- 13.12.11 | Saarbrücken | Garage
- 14.12.11 | Stuttgart | Theaterhaus
- 15.12.11 | Dresden | Alter Schlachthof
- 16.12.11 | Hannover | Capitol
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