“Can You Feel The Beat?” fragt NACHTMAHR Oberbefehlshaber und Bassgeneral Thomas Rainer im Rahmen der aktuellen, gleichnamigen EP des österreichischen Krachkommandos. Nun, den Beat zu spüren wird wohl die leichteste Übung sein. Wie immer im Falle einer albumbegleitenden EP aus dem Hause Nachtmahr stellt sich allerdings auch hier eher die Frage nach dem Sinn. Lassen wir mal die ewige Diskussion bezüglich des Styles und der Symbolik Nachtmahrs, die übrigens so alt ist wie die Band selbst, außen vor, spaltet eine EP auch gerne mal die Nachtmahr Hörertruppen in zwei Lager. Die einen finden es prima, Nachschub von ihrem Truppenführer serviert zu bekommen, den anderen geht es gegen den Strich, fast nur zu Remixen exerzieren zu dürfen. Die Chancen stehen gut, dass es auch dieses Mal so ablaufen wird.
Nachtmahr EPs werden scheinbar immer nach dem gleichen Rezept gestrickt: ein paar neue Songs, etliche Remixe des noch aktuellen Albums – et voilà, fertig ist die Truppenversorgung a.k.a SNR (Standardnotration). “Can You Feel The Beat” funktioniert nach gleichem Schema. Knapp eine Stunde Spielzeit bietet die EP, was nüchtern betrachtet ziemlich viel Mucke für schmales Geld bedeutet. Allerdings setzen sich die 55 Minuten aus 13 Tracks zusammen, von denen 8 Tracks Remixe und 2 die bereits bekannten Albumversionen sind. Bleiben also noch 3 Songs übrig, die – genauso nüchtern betrachet – wohl den größten Kaufanreiz dieser EP bilden.
Da wäre zum einen “(Wo ist)Dein Gott”, eine klassische Nachtmahr Nummer. Fette Bässe, die sich in der Magengrube bemerkbar machen, Thomas’ verzerrte Stimme, die die üblichen, martialischen Texte in den Äther brüllt und geschmeidige Synthieflächen, um das ganze bei aller Tanzbarkeit auch wohnzimmertauglich zu machen. So weit so gut so unspektakulär.
Ebenfalls neu: “Geräuschplatten”, das an “Katharsis” oder “Tanz des Blutes” erinnert und sich in einer Playlist gut zwischen beiden macht. Sieht man von den eingesträuten Sprachsamples ab handelt es sich hier um eine rein instrumentale Nummer, die ganz eindeutig der Leibesertüchtigung im Club der Wahl dient. Fetzt schon, kommt aber an die erwähnten Songs “Katharsis” oder “Tanz des Blutes” nicht ganz heran.
Der dritte neue Song im Bunde wird wohl die Überraschung überhaupt sein: “Nenn’ mich wie du willst” – eine Coverversion eines Böhse Onkelz Songs! Warum auch immer Thomas Rainer nun ausgerechnet die Onkelz covert, das überlassen wir Euren Spekulationen. Interessant für uns (und Euch als Konsumenten) ist eher: es funktioniert! Komplett frei von echten Instrumenten -natürlich!-, verwandelt Rainer einen Rocksong in ein treibendes Stück körperbetonter Tanzmusik. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass dieser Track einen Siegeszug durch entsprechende Clubs antreten wird. Ziemlich cool!
Darüber hinaus gibt es, wie anfänglich erwähnt, noch diverse Remixe. Leider ist es bei dieser Fülle so, wie es oft ist: hier dramatische Unterschiede ausfindig zu machen oder die Versionen herauszupicken, die über genügend Eigenständigkeit verfügen, um neben der Originalversion bestehen zu können, ist eine Kunst für sich.
Letztendlich überzeugten uns Grendels Version von “Can You Feel The Beat”, der vor allem durch seinen trockenen Beat und komprimiert wirkenden Sound gefällt. Was für die Knicklichtfraktion auf den Tanzflächen. Passt scho. Außerdem cool: “Verräter an Gott” aus dem Hause Suicide Commando, der das eigentlich rein instrumentale Stück mittels eigener, im typischen SC-Stil in die Welt gerotzter Vocals in eine reine Suicide Commando Nummer verwandelt. Johans Version scheppert ganz klar am heftigsten. Ebenfalls gefällig: Der X-RX Remix, der irgendwie an “Die Sexualkiste der Hölle” erinnert. Wieder was für die Knicklichter auf den Tanzflächen. Kann man ebenfalls mal so machen. Abschließend: “Can You Feel The Beat (Population Rioters Anthem)” der irgendwie ein bisschen an das Tun KMFDMs erinnert. Oder konsequenterweise an die Sprechgesänge, die Soldaten bei Übungen im Chor zum Besten geben.
Unterm Strich stellt sich also abermals die Frage: wer braucht die EP letztendlich? Kurze Frage, kurze Antwort: DJs, Sammler und Hardcore-Fans. Die machen bei einem Anschaffungspreis von irgendwas um die 10 Euro definitiv nichts falsch.
13 Songs, eine Stunde Spielzeit und das für kleines Geld – klingt nach einem guten Angebot. Aber wie immer bei den Nachtmahr EPs werden sich hier aufgrund der Fülle an Remixen die Geister scheiden. Wer die Remixe nicht braucht, macht eventuell lieber einen Umweg in den mp3-Shop seines Vertrauens. Egal ob nun als physischer Tonträger oder als mp3-Einkauf: die drei neuen Songs gehören in die Sammlung eines jeden Nachtmahr-Hörers. Ebenfalls wie immer. Für coole Non-Album-Tracks hat er ja bekanntlich ein Händchen, der Thomas.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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