Über die CHAOS ALL STARS, dem Künstlerkollektiv aus Schweden, haben wir Euch ja schon diverse Male informiert. So zum Beispiel auch über die coole “CAS9D”-EP. Die Herrschaften sollten für Euch also nichts Neues sein. Einzig was im Programm der CAS noch fehlte bisher war ein ganzes Album. Nun, das erste Album der Truppe aus Schweden erscheint am 24. Februar und wurde auf den Namen “I Need It All” getauft. Wir haben uns das Teil vorab schon reinziehen dürfen und verraten Euch nun, warum Schwedens heißester Electro-Export Chaos All Stars heißt.
In unserem Fazit zur “CAS9D”-EP urteilten wir: “das Konzept hinter Chaos All Stars wird dafür sorgen, dass wir noch eine Menge spannender Musik aus Schweden serviert bekommen“. Um es vorweg zu sagen – den Beweis für diese Theorie erbringen die CAS mit “I Need It All” auf sehr eindrucksvolle Weise. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Schweden zu den kreativsten und talentiertesten Acts in der leicht konsumierbaren Sparte düsterelektronischer Musik gehören. Aber schauen wir uns hier doch zunächst mal die Tracks im Detail an:
Volcano: Diesen Song gab es bereits auf der “CAS9D”-EP zu hören, dort jedoch in einer Bearbeitung von Ninedee. Hier servieren uns die CAS nun also die Originalfassung, die nicht nur eine gute Minute weniger Spielzeit hat, sondern überdies auch sehr viel körperelektronischer daherkommt als die eher rockig-industrielle Version von Ninedee. Inhaltlich beschäftigen sich CAS laut eigener Aussage hier mit Wiedergeburt, dem Kreislauf des Lebens, Erschaffung und Zerstörung. So Dinge halt. Geht gut ins Ohr und auch gut in die Beine. Gehört eigentlich in die Clubs.
The Iron Sky: Richtig, es ist genau wie Ihr vermutet – dieser Song ist der Beitrag der CAS zum kommenden Nazi-Trash-Kinoklamauk “Iron Sky”. Und, liebe Leute, dieser Song ist ein richtig fettes Brett! Derbe, stampfende Bässe, orchestrale Ausgestaltung und dazu die Vocals von CASs Nik sowie von Lichtgestalt Kari Berg, die hier zeigt, dass sie deutlich mehr kann, als hübsch zu sein oder im Schatten von Ashbury Heights zu stehen. Wie gesagt: geiler Shit, wird am Ende des Jahres zu den Top Tracks des Jahres gehören, ganz klar!
We Are The Sinners: Und noch mal Kari Berg. Hier wird tempotechnisch etwas zurückgerudert. Unterm Strich ein geschmeidiges Stückchen elektronischer Musik mit gefälliger, eingängiger Melodie, hübschen Arrangements – und Kari. ;) Inhaltlich beschäftigt man sich hier mit der Problematik, dass viele Leute über die Lebensweise anderer Menschen urteilen, sich aber insgeheim wünschen, aus dem eigenen Kreislauf ausbrechen zu können. Da stellt sich dann schnell die Frage: was ist normal? Was nicht? Und wer sind denn nun die Sünder?
Defenses: Und noch einmal wird das Tempo gedrosselt. Was wir hier zu hören bekommen, erfüllt schon fast den Tatbestand einer schnuckeligen Electro-Ballade, bei dem sich abermals männliche und weibliche Gesangsstimmen mischen. So wie auf den Songs zuvor hört sich das mehr als gut an. Das passt auch alles ganz wunderbar zur thematischen Ausrichtung des Songs, bei dem sich die CAS mit dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn, Normalität und Geisteskrankheit, der sich wie ein roter Faden durch die heutige Gesellschaft zieht, befassen. Nach eigener Aussage versuchen CAS hier das Gefühl zu umschreiben, welches die Leute überkommt, die von einem System falsch behandelt werden, das lediglich in schwarz oder weiß einteilt und ansonsten mit den unzähligen Graustufen nichts anfangen kann.
Revelation: Hier darf zur Abwechslung mal CAS-Mitbegründer OlkK ans Mikro. Was hier serviert bekommen ist eine astreine FuturePop-Nummer, die sich nicht hinter dem zu verstecken braucht, was Bands wie Frozen Plasma und ähnliche so abliefern. Ganz im Gegenteil. Es ist offensichtlich völlig egal, um welches populäre Genre zeitgenössischer Szene-Electro-Mucke es geht – die CAS bewegen sich scheinbar auf jedem Parkett mit spielerischer Leichtigkeit. Toll!
I Need It All: Hach ja, hier geht es in Sachen Tempo und geschmeidiger Bassläufe wieder aufwärts. Besonders auffällig hier: die evil gefauchten, verzerrten Vocals, die einen tollen Kontrast zum Refrain in Klargesang bilden und an eine Raubkatze auf dem Sprung zu ihrer Beute erinnern. Nicht unerwähnt bleiben sollen übrigens auch die atmosphärischen, weitläufigen Synthieflächen, die sich geschmeidig um den Sequenzer legen.
Forget Them: Wieder eine tanzbare Nummer mit mittlerem Tempo. Wir staunen immer wieder, was stimmlich aus Frau Berg herausgeholt wurde. Vor allem wenn man ihr Tun bei Ashbury Heights dagegenstellt. Der Song selbst: hübsch konstruiert, treibend und – tanzbar. Aber das wurde ja hier schon festgestellt.
World Raid: Der letzte neue Song dieses Albums, bevor es in der Playlist mit Remixen weitergeht. Hier handelt es sich um eine Coverversion eines 80er Jahre EBM-Songs, der ursprünglich von einer Band namens “The Overlords” stammt. Würde mich nicht überraschen, wenn das keinem von Euch noch etwas sagt. Macht aber auch nichts. Die Neubearbeitung durch CAS besticht vor allem durch hymnischen Refrain und böse Bässe. Ein weiterer potentieller Clubhit. Wenn sich denn auch hier endlich mal herumspricht, dass es die Chaos All Stars überhaupt gibt, steht einer Cluberoberung nichts mehr im Wege.
Die letzten fünf Stücke sind Remixe. Die klingen auch soweit alle ganz cool und gerade die “The Iron Sky” Mixe von den Morlocks bzw. Ninedee gewinnen dem Überknaller noch mal spannende neue Seiten ab. Allerdings liefern die Remixe auch den einzigen kleinen Wehrmutstropfen dieses Albums. Anstelle dieser hätten die Chaos All Stars auch gut und gerne die Songs “The Contract” (mit Kya Wolfwritten) und “Autumn Nights” mit auf den Silberling packen können. Nun ja, sei es drum. Was bleibt ist ein beeindruckendes Electro-Album, dass sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Ende des Jahres in unserer Jahresendauswertung befinden wird.
Wenn man nicht gerade für ein Musikmagazin schreibt ist es eventuell etwas schwieriger, an diese CD heranzukommen. Nicht aber an die Musik. Jeder anständige mp3-Shop wie Amazon oder iTunes haben die Chaos All Stars im Programm. Und, liebe Leute, wenn Ihr auf leichtverdauliche Electro-Mucke steht, die einfach gut ins Ohr geht und jede Menge Spaß macht, dann lasst Ihr Euch “I Need It All” ab dem 24. Februar nicht entgehen. Irgendwas muss in Schweden in der Luft liegen, dass da so oft gute Musik gemacht wird. Ich glaube ich wandere aus. Ähem. Jedenfalls: in meiner Wiedergabeliste sind die Chaos All Stars inzwischen feste Stammgäste – und mit “I Need It All” erst recht. Dringende Empfehlung hier!
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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Infos
- Audio CD (24. Februar 2012)
- Anzahl Tonträger: 1
- Format: Import
- Label: Epos Music Distribution









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