Dem höchst bedauerlichen und gleichfalls viel zu frühen Ableben Heath Ledgers ist es geschuldet, dass wir einen Joker, wie wir ihn in The Dark Knight zu sehen bekamen, möglicherweise nie wieder erleben dürfen. Nun, das gilt für die Leinwand, nicht aber notwendigerweise gleich für alle Unterhaltungsmedien. Im Comic zum Beispiel kann der Joker, so wie ihn Heath Ledger und Christopher Nolan für den Film neu erfunden haben, durchaus weiter existieren. Wie das jüngst erschienende Comicjuwel “Batman: Joker” von Brian Azzarello und Lee Bermejo ganz eindrucksvoll beweist.
Wer hätte das gedacht? Der Joker wird aus der Anstalt in Arkham entlassen. So wie es sich in der aus Sicht des Kleinkriminellen Jonny Frost erzählten Geschichte darstellt, hat damit wohl keiner von Jokers ehemaligen Mitstreitern gerechnet, denn sein Besitz, den er hatte, ehe er seinen Aufenthalt in Arkham antrat, wurde fröhlich umverteilt. Klar dass der Joker das entgegen seiner sonstigen Frohnatur nicht so wirklich komisch findet und stattdessen ziemlich stinkig ist, als er zu Jonny Frost ins Auto steigt, der ihn von der Anstalt abholt. Was folgt, ist ein mörderischer Rachefeldzug, bei dem sich der Joker zurückholt, was ihm seiner Meinung nach zusteht und Frost zu seiner rechten Hand aufsteigt. Zumindest ist Jonny Frost in diesem Glauben – bis zu dem Moment, als dieses ungleiche Duo Batman gegenüber steht und Frost erkennen muss, dass für den Joker nichts, aber auch wirklich gar nichts von Bedeutung ist: weder Geld noch Macht noch Menschenleben…
Autor Brian Azzarello entwirft hier eine Story, die den Joker als destruktives, chaotisches und wahnsinniges Individuum darstellt, wie wir ihn in dieser drastischen Deutlichkeit zuletzt in The Dark Knight im Kino sahen. Ein cleverer Schachzug von Azzarello, das Geschehen aus der Sicht von Jonny Frost zu erzählen. Das erspart dem Leser das in diesem Comicgenre sonst so übliche gegenseitige Vermöbeln der Protagonisten. Viel mehr ist es so, dass während der Joker seine blutige Spur durch Gotham zieht, der dunkle Ritter erst im großen Finale in Erscheinung tritt. Bis dahin ist es ein Solo für den Chaosclownprinzen und seinen Handlanger.
Das Artwork von Lee Bermejo unterstützt die wunderbar makabre Stimmung, die Brian Azzarello durch sein Skript aufgebaut hat. Es kommt dem Comic sehr zu Gute, dass Bermejo die sonst überspitzte weil zu comichafte Darstellung des Jokers völlig ignoriert und sich bei seiner Version sehr an Heath Ledgers Joker orientiert. Vor allem in den wie Ölmalereien wirkenden Bildern ist die Ähnlichkeit zu Ledger sehr auffällig. Ansonsten bedient sich Bermejo eines ziemlich.. nun ja.. unruhigen Strichs, der dennoch genug Raum für teils derbe Details lässt. Für gewöhnlich kann einem wechselnde Stile innerhalb eines Bandes durchaus schon mal gegen den Strich gehen, in diesem Fall stört das aber nicht wirklich.
Eine gute Geschichte, die hier erzählt wird und die ihren besonderen Reiz nicht zuletzt durch die teilweise verstörenden Bilder bezieht. Seit Alan Moores “The Killing Joke” gab es wohl keinen Batman Comic mehr, der dessen Erzfeind so gekonnt portraitierte – und dabei das Kunststück fertig bringt, dieser eigentlich fast schon überstrapazierten Figur noch einmal neue Facetten abzugewinnen. Respekt!
Wertung
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