Letzte Nacht gab und galt es ja, in der Meier Music Hall zu Braunschweig eine Premiere zu feiern: Die Berliner Dark-Electropop-Formation BLUTENGEL gaben sich erstmals in der Löwenstadt die Ehre. Ich denke es ist ganz klar, dass wir ein solches Ereignis dann auch nicht einfach so ungesehen verstreichen lassen konnten. Also haben Kayila und ich uns auf den Weg gemacht, um unterwegs den lieben Ashley einzusammeln und dann Richtung Braunschweig zu pilgern. Gespannung lag in der Luft!
Schließlich waren wir ob des aktuellen Albums “Schwarzes Eis” geteilter Meinung. Ich fand und finde es nach wie vor ziemlich cool, der Enthusiasmus meiner Begleiter hingegen war.. nun ja, zurückhaltend. Gespannt waren wir jedoch allesamt auf die Bühnenshow, die – wie jeder, der einem Blutengel Konzert bereits beiwohnen konnte bestätigen wird – für gewöhnlich recht spektakulär ausfällt: Schicke Tanzgestalten im Hintergrund, schnuckeliges Bühnenbild, Chris nebst lecker Tees Constance und Uli sowie Kunstblut, Pyro-Effekte – da kommt man schon was geboten für’s Geld.
Als wir das Meier erreichten, war an einen Parkplatz direkt vor der guten Stube schon nicht mehr zu denken – etwa eine Viertelstunde vor 20 Uhr war da alles brechend voll, so dass wir auf Alternativen ausweichen mussten. Randnotiz dazu: Nein, das Mad-Goth Mobil wurde diesmal weder abgeschleppt, eingeschlossen oder mit Tickets zugeklebt.
Jedenfalls: Auch im Wohnzimmer selbst war es füllstandtechnisch angenehm kuschelig. Da haben wir in diesem Jahr leider schon übersichtlichere Besucherverhältnisse gehabt. Während wir als erste amtliche Maßnahme einen Zaubertrank schnackelten und uns eine Zigarette ansteckten, gesellte sich dann Pentahazard zu unserem Trupp, später auch der verdeckte Herr Mittler. Damit war unser Straftanz-Kommando des Abends dann auch komplett und es konnte ja losgehen. Aufgabenverteilung war auch klar: Ich tickerte, Ash fotografierte und die Mädels lästerten. Das, äh.. lief.
Während wir auf den Anpfiff des ersten Acts des Abends warteten, wurde die Beschallung im Meier irgendwie immer merkwürdiger. Sehr derbe Trinklieder wurden gespielt. Hätte man eigentlich vermuten können, dass diese auf Miss Construction hinweisen sollten, die den Abend einleiteten. Um 20.30 Uhr ca. wurde dann aber endlich tatsächlich zum Angriff geblasen und Gordon und seine Mitstreiter eroberten die Bühne, um den Anwesenden in der nächsten halben Stunde mit ihrer Vorstellung von Electro-Industrial-Geballer ordentlich einzuheizen.
Tja, nun ja.
Die Besucher nahmen die eigentlich sehr solide Darbietung relativ gelassen hin. Mitgeklatscht wurde nur nach Aufforderung seitens Gordon und so fürchterlich viel getanzt wurde leider auch nicht. Von “Fuck You Bitch” bis zu “Kunstprodukt” wurde vieles gespielt, was das noch überschaubare Portfolio der Band her gibt, trotzdem: So richtig Begeisterung sieht anders aus, auch wenn nach Abpfiff der insgesamt wie gesagt soliden, aber nicht weiter bemerkenswerten Show vereinzelt Zugabe-Rufe zu hören waren.
Direkt im Anschluß würden dann wohl Avoid Kharma spielen. Denkste! Kaum, dass Miss Construction die Bühne verlassen hatten, wurde dem Publikum mitgeteilt, dass Avoid Kharma – wie bereits am Abend zuvor in Hamburg – nicht auftreten würden. Stimmliche Probleme des Sängers Dave würden dies verhindern, hieß es. Es ist nur eine Vermutung an dieser Stelle, aber der Grund für den Ausfall der Band könnte möglicherweise mit dem Brand im Tourbus zusammenhängen. Naja, dann eben kein Avoid Kharma live, dafür dann stattdessen von CD. Wir konnten uns nicht abschließend darauf einigen, ob wir den Ausfall bedauern sollten oder nicht, nutzten die entstandene verlängerte Pause dann aber für eine weitere Runde Zaubertrank und ein Kippchen. Muss ich an dieser Stelle eigentlich erwähnen, dass es bereits zu diesem Zeitpunkt wieder schön warm im Wohnzimmer gewesen ist?
Insgeheim hatten wir ja gehofft, dass die Pause zwischen Miss Construction und Blutengel nicht so fürchterlich lange ausfallen würde. Tatsächlich aber dauerte es eine gute Dreiviertelstunde, ehe dann das Intro eingespielt wurde und die Damen und Herren Blutengel uns die Ehre erwiesen, endlich aufzuspielen.
Über die schicke Bühnendekoration möchte ich an dieser Stelle gar nicht viele Worte verlieren, die könnt Ihr ja in der Galerie bewundern. Nachdem das ebenso obligatorische wie überflüssige Intro vorbei war, betrat Herr Pohl die Bühne, um die Show mit “Behind The Mirror” einzuleiten. Hier wurde dann auch schnell klar, dass das Volk, das wohl aus allen möglichen Himmelsrichtungen angereist war, tatsächlich nur wegen der Berliner Sing- und Tanztruppe mit dem Flügellogo im Wohnzimmer platzgenommen hatte. Das erste Mal steppte der Bär bei dem nachfolgenden “Dreh dich nicht um”, der quasi das schwarze Eis endgültig brach und den Auftakt für die nachfolgenden anderthalb Stunden Party machte.
Nachfolgend boten Chris und seine Mädels, die augenscheinlich reichlich Spaß und gudde Laune hatten, eine schicke Show mit einer überraschend guten Performance und einer ungewohnten Fannähe. Blutengel hat man schon unnahbarer auf der Bühne erlebt. Mit der Songauswahl dürfte wohl unterm Strich auch jeder zufrieden gewesen sein, gab es doch von “Winter Of My Life” über “Soul Of Ice” und “Beauty Of Delight” bis hin zum Allzeitklassiker “Seelenschmerz” einen hübschen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band. Das Mad-Goth Kommando einigte sich an- und abschließend darauf, dass Chris und seine Truppe vom aktuellen Album genau die richtigen Songs ausgepickt haben, lediglich von der “Demon Kiss” hätte auch etwas gespielt werden dürfen. Egal, sei es wie es sei.
Uns steckte nach dem wirklich finalen Abpfiff nach diversen Zugaben einige Fragen im Gebeiss:
Wo war Sonja?
Wo waren die sonst üblichen Pyro-Einlagen?
Ist Conny schwanger?
Wir werden manche Antworten vielleicht nie erfahren. Welch grausames Schicksal.
Nach einem kurzen Plausch mit den netten Menschen am Merchandise-Stand verließen wir in der Gewissheit, wieder ein sehr schönes Konzert im Meier gesehen zu haben, gegen Mitternacht dann auch selbiges. Als Fazit kann man ohne Übertreibung festhalten: gelunger Einstand in Braunschweig für Blutengel – ihr dürft gerne wiederkommen!
Setlists
Setlist Miss Construction
- Intro
- Slaughterhouse
- Fuck you BITCH
- Totes Fleisch
- Hass und Liebe
- Lunatic
- Electro Beast
- Kunstprodukt
Setlist Blutengel
- Behind the Mirror
- Dreh dich nicht um
- Beauty and Delight
- Kind der Nacht
- The Dream
- Die with you
- The Only One
- Lucifer
- Dancing in the Light
- Winter of my Life
- My Nightmare
- Nightfall
- Soul of Ice
- Bloody Pleasures
Zugabe 1:
- Love Killer
- Schneekönigin
- Children of the Night
- Engelsblut
Zugabe 2:
- Seelenschmerz
- Vampire Romance Part I
Links
Diskussion im Forum: / Fotos in der Galerie:
- http://www.madgoth.de/forum/partys-konzerte-events-usw/2719-blutengel-live-meier-music-hall-braunschweig-19-04-2009-a.html
- http://www.madgoth.de/photopost/showgallery.php?cat=787




