“Born Villain” – geborener Bösewicht. Wer, wenn nicht MARILYN MANSON dürfte und wollte sich mit diesem Titel schmücken? Nicht gänzlich ohne eine dezente Portion Ironie, versteht sich? In seiner Mission als schockrockender Musiker, der in seiner Karriere so einige Grenzen überschritten hat, ist Manson schon manches Mal als born villain betitelt worden. Vor allem und ganz besonders gerne von konservativen Moralaposteln, die ganz empfindlich darauf reagierten, wenn Manson ihnen die ungeschminkte Wahrheit entgegenspiegelte. “Born Villain” ist allerdings auch der Name des neuen Albums des Zeremonienmeisters der provokativen Rockmusik und es stellt sich vor allem eine Frage: ist es besser als sein letztes Machwerk? Oder bewegt sich Manson weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit, ausruhend auf dem Glanz vergangener Tage?
Unter uns, Freunde: das vorab veröffentlichte Video zu “Born Villain”, bei welchem übrigens “Transformers”-Sternchen Shia LaBeouf Regie führte, war aufgrund seiner durchaus krassen Bilder nichts anderes als pure Provokation. Manson-Beführworter sahen in dem Video eine Anknüpfung an die Tradition ach so schockierender Videos vergangener Tage (wie etwa die von Mansons ehemaligem Mentoren Trent Reznor), Skeptiker hingegen unterstellten hier Gemache, das von einem reichlich schwachen Song ablenken sollte. Vielleicht auch von einem reichlich schwachen Album?
Dabei fängt es eigentlich ganz vielversprechend an: “Hey, Cruel World” ist eine anständig gepfefferte Rocknummer gehobenen Tempos, bei dem sich zeigt: Marilyn Manson hat die Lust am Krawall noch nicht verloren. In einigen Momenten wirkt das Stück so, als hätte es auch ganz bequem auf dem Überalbum “Holy Wood” Platz gefunden. Dann allerdings kommt erst einmal eine ganze Weile nichts wirklich brauchbares mehr als eine Reihe von Selbstzitaten aus vergangenen Alben. Und wenn Manson dann mal laut wird, wirkt es oft eher wie Gejammer anstatt wütendes Geschrei. Das haben wir schon besser erlebt. Spannend wirkt es wieder ab “The Flowers Of Evil”. Zwar im musikalischen Kosmos eines Marilyn Manson ungewohnt poppig und eingängig, bietet sich als Mitgröhlhymne auf Konzerten o.ä. aber durchaus an. Sehr schön auch das schwerfällige, düstere “Children Of Cain”, das Erinnerungen an “Man That You Fear” von “Antichrist Superstar” wecken kann. Na bidde, geht doch! Oder nicht? Nun ja. Es folgt wieder diverses Füllmaterial, das nicht so richtig im Ohr hängen bleiben will. Gegen Ende hin wird es jedoch noch mal spannend. Da erwartet den Hörer die extradüstere Ballade “Breaking The Same Old Ground”, das vor allem durch den Einsatz einer Spieluhr deutlich an Stimmung gewinnt. Und natürlich findet sich auch auf “Born Villain” eine Coverversion. Wenn Manson in der Vergangenheit eines gezeigt hat, dann ist es, dass er es versteht, bekannte Songs gekonnt in ein neues Gewand zu stecken. So auch hier. Für das vorliegende Album nahm er sich den Carly Simon Klassiker “You’re So Vein” aus dem Jahre 1973 vor. Besonderes Highlight dabei: die Gitarrenparts stammen von niemand geringerem als Johnny Depp!
Auch wenn Marilyn Manson gegenüber dem US-Magazin “Revolver” sage, “Born Villain” spiegele seine Motivation und Beweggründe um überhaupt Musik zu machen wider und es sei wie sein erstes Album überhaupt und klinge daher überhaupt nicht nach seinen früheren Alben – ein Widerspruch sei dennoch gestattet. Es ist durchaus positiv anzumerken, dass “Born Villain” einen erdigen, kernigen Sound ohne überproduziertes Gemache aufzuweisen hat. Dennoch steckt “Born Villain” voller Selbstzitate, wirkt manchmal etwas lustlos und Mansons Krawallanwandlungen waren schon mal kraftvoller, weniger nach Katzenjammer klingend. Außerdem: mag ja sein, dass dieses Album angefüllt ist mit Ausflügen in die biografischen Details von Herrn Manson – den durchschnittlichen Konsumenten interessiert das vermutlich aber nur bedingt. Vor allem rocken muss es. Wäre “Born Villain” allerdings Mansons erstes Album – eine Karriere, wie sie stattgefunden hat wäre sehr fraglich gewesen.
Ist das neue Manson Album nun also schlecht? Nein. Es hat seine Momente, welche die Anschaffung durchaus rechtfertigen. “Flowers Of Evil”, “Children Of Cain”, Breaking The Same Old Ground” oder eben “You’re So Vain” seien hier als Beispiele genannt. Und dennoch bin ich nach wie vor der Meinung, dass Mr. Manson nach “Eat Me, Drink Me” seine musikalische Karriere an den Nagel hätte hängen sollen. Den Moment für einen würdigen Abgang hat er jedenfalls verpasst. Oder arbeitet er noch auf den Big Bang hin? “Born Villain” ist dann jedenfalls nicht die stärkste Zwischenetappe in seiner Discografie.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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Infos
- Audio CD (27. April 2012)
- Anzahl Tonträger: 1
- Label: Vertigo Berlin (Universal)
Marilyn Manson – No Reflection
Marilyn Manson — No Reflection – MyVideo








