Nun mag man ja von BLUTENGEL halten, was man möchte, aber eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Blutengel Fangemeinde muss kein gefühltes halbes Jahrhundert warten, bis Chris Pohl und seine Damen neues Tonmaterial aus dem Ärmel zaubern. Die Euphorie nach der letzten Blutengel Single “Lucifer” ist noch nicht ganz verklungen, da legen die Berliner nun “Labyrinth” nach.
Die Erwartungshaltung an ein neues Album ist wohl nur selten so vorgefertigt wie bei einem neuen von Blutengel. Oft genug ist die potentielle Hörerschaft der Meinung, man wüsste schon vorher, wie das neue Schaffenskind klingt. Da ist es doch um so erfreulicher, wenn man einer Band musikalische Weiterentwicklung attestieren kann. Natürlich, es tönen nach wie vor die bisweilen etwas kitschigen, schwarz-romantischen Texten aus dem Lautsprechern. Aber: die klangliche Verpackung überrascht. Und begeistert.
Eingeleitet wird das Album vom instrumentalen Intro “Into The Labyrinth”. Wenn sich die Instrumentalstücke des “Seelenschmerz” Albums mit der Carmina Burana gepaart hätten, wäre dies wohl ihr Kind gewesen. Freunde instrumentaler Kost haben hier jedenfalls Grund zum Frohlocken. So weit, so aber nichts neues. Instrumentals konnten Blutengel ja schon immer ganz gut. Das nachfolgende Stück “Singing Dead Man” sorgt da allerdings das erste Mal für einen postivien Aha-Effekt. Es beginnt wie ein typischer Blutengel Song, mit abwechselndem Gesang von Chris und Constance, nur um den Hörer mit einer überraschenden, unerwarteten aber fesselnden Hookline völlig aus der eingangs erwähnten Erwartungshaltung zu werfen. Man möchte diesen Stück beinahe hymnenartigen Charakter unterstellen.
Ebenso extrem gefällig: Das verspielt-verträumte “Beauty And Delight”, bei dem sich einmal mehr zeigt, dass Ulli nicht nur eine sehr hübsche Frau, sondern gesanglich für Blutengel ein absoluter Hauptgewinn ist! Was sie, im gesanglichen Kontext mit Constance, auch bei der Ballade “Shame” unter Beweis stellt.
Anhänger der “guten, alten Zeit” der Band, sprich, so irgendwann zur “Child Of Glass” Phase herum, werden mit dem Track “Body Move” bestens bedient. Hierbei handelt es sich um eine minimalistische Tanznummer, bei der Chris wieder mit verzerrten Vocals arbeitet. Hat durchaus Clubpotenzial das Stück. Oh und bleiben wir doch noch etwas bei den Überraschungseffekten des Albums: “When The Rain Is Falling” gefällt durch eine abgedrehte, für Blutengel sehr untypische Songgestaltung. Man fragt sich unweigerlich: Ist das noch Blutengel hier? Gefällt aber!
Als man Chris Pohl letztes Jahr fragte, was er sich für 2007 vorgenommen hätte, sagte er einem Magazin gegenüber, dass einer seiner Pläne die Schaffung des besten Blutengel Albums ever sei. “Labyrinth” ist typisch Blutengel – und doch etwas für die Band völlig neues. Klar gibt es Bands, die inhaltlich gewichtigere Themen besingen. Und klar gibt es auch Bands, die ihre Gedanken in anspruchsvollere Lyrics verpacken. Trotzdem ist “Labyrinth” ein gefälliges Electropop-Album geworden, das einfach nur Spaß macht. Mission erfüllt, Herr Pohl!
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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