Hübsche Ladys in knappen Outfits mit ziemlich gruftigem Touch, die durch die Lande ziehen und Untote in handliche kleine Stücke zersäbeln – kein schlechter Ausgangspunkt für einen Comic. Der Cross Cult Verlag, der schon Serien wie The Walking Dead oder den The Hills Have Eyes Comic an den deutschen Leser brachten, präsentieren nun HACK / SLASH – und damit eine kleine, gleichermaßen blutige und sexy Sensation. Ladys & Gentlemen, vorhang auf für Cassie Hack!
Cassie Hack hat es aber auch nicht leicht: Schon als Kind war sie immer Aussenseiter. Irgendwie seltsam, irgendwie immer abgegrenzt und irgendwie immer Spotobjekt ihrer Mitschüler. Kein sooo ungewöhnliches Schicksal, für wahr. Aber nicht jedes Teenie-Mädel hat auch eine Mutter, die die verhassten Mitschüler zu “falschen Hasen” verarbeitet und in der Schulkantine serviert. Und die ihren Kopf, nachdem das Morden aufgefallen ist, in kochender Suppe versenkt und sich so dem Zugriff der Justiz entzieht, nur um dann als Slasher aufzuerstehen und diesmal ausschließlich Mädels zu einem mehrgängigen Menü zu verarbeiten. Letztlich ist es Cassie selbst, die der Lunch Lady die Lichter auspustet. Woraufhin Cassie beschließt, ihr sowieso verkorkstes Leben an den Nagel zu hängen und stattdessen quer durch die Lande zu ziehen, um Slasher auzuspüren und entgültig ins Jenseits zu befördern. Slasher sind Personen, die aufgrund ihres unbändigen, abgrundtiefen Hasses einer Sache oder Person gegenüber einfach nicht sterben. Slasher müssen bisweilen öfter getötet werden, ehe sie irgendwann tatsächlich final sind.
Im vorliegenden Band “Der erste Schnitt” macht unsere Antiheldin Cassie nebst ihrem nicht ganz so formschönen, dafür aber ziemlich schlagkräftigen Sidekick Vlad Jagd auf eben solche Slasher in mehreren in sich geschlossenen Kapiteln:
Im ersten Kapitel “Eingeschläfert” ist der Slasher, um den es geht, ein geistig reichlich minderbemittelter Hilfswilliger einer Tierklinik, der es irgendwie geschafft hat, das Herz der Ärztin zu erobern – was der restlichen, männlichen Belegschaft reichlich gegen den Strich geht. Kurzerhand wurde aus einem makabren Scherz tödlicher Ernst und Bobby, so der Name des Hi-Wis, liegt vergast in der Landschaft rum. Anstatt nun aber permanent Radieschen von unten zu begucken, kommt er zurück (begleitet von allerhand Zombiegetier) und macht sich daran, seine Peiniger einen nach dem anderen auszuradieren. Nicht dass es Cassie sonderlich jucken würde, wenn jemand gerechte Strafe erhält, aber da Bobby auch eventuell im Weg stehende Unschuldige umledert, müssen sie und ihr Begleiter Vlad doch schon mal die Machete schärfen.
“Gestorbene Mädchen”, im Orginal “Girls Gone Dead”, spielt zu Zeiten des Spring Break; einem Event, bei dem amerikanische Jugendliche gerne sämtliche, eventuell vorhandene Hemmungen fallen lassen und sich ganz Alkohol und Sex hingeben. Nicht ganz fromm also. Das ruft eine durchgeknallte, von ihrem Freund betrogene Studentin auf den Plan, die in ihrer Verzweiflung über ein Buch stolpert, mit dem sie unter anderem Tote auferstehen lassen kann. In ihrem eifersuchts- und hassbedingten Wahn holt sie einen Priester zurück, der zu lebzeiten die Bibel gepredigt, zuhause aber Frauenklamotten und kleine Jungs ganz doll dufte fand. Und Spring Break, so finden sie, ist ein guter Anlass, diverse Jugendliche auszuradieren… Ab diesem Kapitel schwingt statt Stefano Casselli, der das erste Kapitel zeichnete, Federica Manfredi den Stift. Zwar wirken ihre Zeichnungen im direkten Vergleich wesentlich einfacher (was eventuell aber auch dem Tuscher zuzuschreiben ist), aber ihr Talent, Mimiken und Gestiken zeichnerisch darzustellen, ist unglaublich und nahezu nicht mit Gold zu bezahlen. Dank ihres Zeichenstils bekommt Cassie deutlich(!) mehr Persönlichkeit.
“Das Comic-Messen-Massaker” ist quasi augenzwinkerndes Highlight dieses Buches; werden hier von einem durchgeknallten Comicfan, der überdies auch geburtstechnisch angesichts seines “Zwillings” zweimal in den Hundehaufen gegriffen hat, Verlagskollegen wie Robert Kirkman (“The Walking Dead”) massakriert. Wer da wieder eingreifen muss, ist klar, denke ich.
Abgerundet wird das Buch durch Skizzen,Infos über das Theaterstück, Notizen über die gemeuchelten Slasher und so weiter. Mit Hack/Slash präsentiert Cross Cult ganz geschmeidig mal eben DAS Comichighlight des Jahres. Seit Sara Pezzini (“Witchblade”) hat es keine so faszinierende Comic-Lady mehr gegeben. Cassie Hack ist aufgrund ihres schwer gotischen Einschlags Symathieträger und Idenfikationsfigur gleichermaßen, zumal hier ein interessanter Charakter geschaffen wurde, dem – im Gegensatz zu manch anderen Comicheldinnen – nach einer Kampfhandlung nicht gleich die Oberweite aus der Bluse hüpft.
Sex und Gewalt funktioniert ja bekanntlich immmer gut; oft genug mangelt es aber an einem gewissen Charme. Hack / Slash allerdings steckt so voll teilweise derbem, teilweise augenzwinkerndem Humor, dazu eine sympathische Antiheldin nebst coolem Sidekick und so grenzgenialer Slasherstorys, dass man nach dem Zuklappen des Buches selbiges beiseite legt und sich fragt: wie geil ist das denn?! Unbedingte Kaufempfehlung für Comic- und Horror(film)fans!
Wertung
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