Star TrekNach 9 Kinofilmen und diversen Serien wurde das Star Trek Franchise mit dem 10., nahezu bitterlich enttäuschenden Teil “Nemesis” quasi fast schon zu Grabe getragen. Zumal auch der letzte Aufguss in Serienform, “Enterprise” irgendwie finanziell nicht so wirklich befriedigend ausfiel für die Lizenz- und vor allem Geldgeber. Eine letzte Chance wurde der Science Fiction Legende dann aber doch noch gewährt und man betreute “Lost”-Schöpfer J.J. Abrams damit, dem totgeglaubten Kult neues Leben einzuhauchen. Der dann prompt eine Frischzellenkur verordnete. Inwiefern das beim schlicht “STAR TREK” betitelten 11. Teil gelungen ist, davon habe ich mir gestern im Braunschweiger Cinemaxx selbst ein Bild gemacht.

Dass sich der neue Star Trek Film einmal mehr den klassischsten aller Besatzungen, nämlich der um Kirk, Spock, “Pille” McCoy, Uhura und Scotty widmet, dürfte inzwischen hoffentlich hinlänglich bekannt sein. Dass wir es hier aber nicht mit den alten Haudegen zu tun haben, sondern stattdessen Zeuge werden, wie die Jungens und Mädels, die noch reichlich grün hinter den Ohren sind, versuchen, ihren Platz in der intergalaktischen Hackordnung zu finden, wohl ebenfalls. Dennoch will ich kurz ein paar Worte zur Handlung verlieren:

Während einer Mission wird die U.S.S. Kelvin von einem reichlich großen, reichlich für Wumms sorgendem romulanischen Raumschiff angegriffen. Der Captain des romulanischen Schiffes, Nero, kommt offensichtlich weder draussen vom Walde noch in Frieden. Tatsächlich ist es so, dass Nero aus mehr als 100 Jahren in der Zukunft zurückgereist ist, um sich für die Zerstörung seiner Heimatwelt Romulus zu rächen. An Bord der Kelvin befindet sich auch ein gewisser George Kirk nebst Gattin, die jüngst im Moment der Zerstörung des Sternenflottenschiffes einen Knaben zur Welt.. oder von mir aus auch zum Shuttle bringt, von dem man fürderhin noch so einiges hören wird: James Tiberius Kirk. 25 Jahre später ist der junge Kirk vollends damit zufrieden, sich mit unbedeutenden Aufgaben über Wasser zu halten, den Frauen nachzustellen, sich um die Getränkeentsorgung zu kümmern und sich ansonsten von Sternenflottenkadetten und- offizieren das Konterfei verbeulen zu lassen. Lediglich Captain Christopher Pike, der spätere erste Captain der sich bis dato im Bau befindlichen U.S.S. Enterprise, erkennt das Potential, das in dem ungestühmen jungen Mann schlummert. Und so kommt es, wie es kommen muss und Kirk schließt sich der Sternenflottenakademie an, wo er sich mit McCoy anfreundet, den Kobayashi Maru Test manipuliert, Uhura für DIE Lichtgestalt in Gottes schönem Weltenall hält und diverse Male mit Spitzohr Spock aneinander gerät. Doch bereits beim Jungfernflug des neuen Flagschiffs der Sternenflotte, bei der nun auch die Nachkömmlinge sich mit Nero und seinen finsteren Plänen konfrontiert sehen, müssen Kirk, Spock und der Rest der Jungoffiziere auf die harte Tour erwachsen werden.

Soweit so gut. Zunächst mal: Viel Gutes ist bereits über den neuen Star Trek Streifen berichtet worden und, ganz ehrlich, ich weiß noch nicht, an welchem Punkt ich in die Lob-Huddelei mit einstimme. Die Entscheidung, sich den ersten galaktischen Abenteuern der klassischen Enterprise-Crew zu widmen, kann ich nur begrüßen. An dem Punkt, an dem die Serie aus den 60er Jahren einsetzt, sind Kirk, Spock und der ganze Rest gestandene Förderationsoffiziere, die so schnell nichts mehr erschüttern kann. Das nun aber gerade die besondere Beziehung zwischen Kirk und seinem vulkanischen Freund anfangs alles andere als herzlich war, erfahren wir durch diesen Film. Allerdings: Den handlungstechnischen Umstand, dem wir es zu verdanken haben, Kirk und Spocks erstes großes Abenteuer mitzuerleben und den Konsequenzen der alternativen Zeitlinie, die daraus möglicherweise für das gesamte Star Trek Univerum resultieren werden, kann und wird wohl für reichlich Diskussionen innerhalb der Trekker-Gemeinde sorgen. Mehr dazu, wie es Nero in die Zeit des jungen Kirk verschlägt, erfährt man übrigens in dem lesenswerten Comic “Star Trek: Countdown”, welcher die offizielle Vorgeschichte erzählt. Diverse logische Probleme, die sich auftun, schiebe ich einfach mal beiseite. Hey, wir haben es hier mit einem fiktionalen Unterhaltungsfilm zu tun, nicht mit der optischen Umsetzung von Hawkings “kurzer Geschichte der Zeit”.

Ob man nun diesen Weg einschlagen musste, um quasi alte Zöpfe abzuschneiden oder ob es vielleicht auch sozialverträglichere Varianten der Storygestaltung gegeben hätte, um das Franchise neu aufzurollen, wird sich zeigen. Vielleicht sind es Abrams unverkrampfte, aber dennoch nicht respektlose Herangehensweisen, die den neuen Streifen zu so einem sehenswerten Kinovergnügen machen. Abrams schafft nämlich das Kunststück, dass unbedarfte Kinogänger einen effekt-, spannungs- und gleichwohl humorgeladenes Sci-Fi-Märchen zu sehen bekommen, während sich Kenner der Materie über viele liebevolle Details freuen. Ob das nun der (star trek-)historisch korrekte Auftritt von Captain Pike als erstem Kommandeur der neuen Enterprise ist, zu sehen wie Kirk in aller Genüsslichkeit beim eigentlich nicht zu schaffenden Kobayashi Maru-Test den Computer und somit Spock überlistet oder der Auftritt von Mr. Spock Leonard Nimoy himself – Kenner der Serie(n) freuen sich über viele, viele liebevolle Details, mit denen Abrams seinen Respekt dem Star Trek zollt.

Ein goldenes Händchen bewies der “Lost”-Guru auch mit der Besetzung. Die komplette Crew wurde mit jungen, im Prinzip unbekannten und somit unverbrauchten und vor allem unvorbelasteten Schauspielern besetzt. Und egal ob es nun Chris Pine als Kirk, der aus “Heroes” bekannte Zachary Quinto als Spock oder Karl Urban als Leonard McCoy – die Darsteller sehen den großen Vorbildern nicht nur ähnlich, sie ähneln ihnen auch in Mimik und Gestik auf faszinierende Art und Weise. Man sieht förmlich, dass alle Beteiligten mit großer Lust und gleichzeitig mit großem Respekt dem Original gegenüber an die Arbeit gegangen sind. Ich denke, jeder Trekker kann sich mit der Besetzung mehr als glücklich schätzen. Und ganz unter uns: Der heimliche Star ist eh die Enterprise höchstselbst und die Lady sah noch nie so gut aus.

JermaineBelgardioUnterm Strich bleibt ein wunderbar unterhaltsamer Neustart der größten Science-Fiction Serie aller Zeiten, die für Unbedarfte 127 Minuten spaciges und spassiges Entertainment bietet und für Fans und Kenner so ziemlich den besten Streifen der Filmserie bisher überhaupt – neben dem übermächtigen “Zorn des Khan” natürlich. Es dürfte spannend sein zu beobachten, wie sich die im Film etablierte alternative Zeitlinie auf das Star Trek Franchise auswirkt. Wenn dabei allerdings weiterhin Filme wie dieser dabei herauskommen – bidde! Ich kenne alle Filme und alle Folgen aller Serien und habe so rein gar nichts an diesem Film auszusetzen und für den aktuellen Film gilt: Gute Unterhaltung und gudde Laune in einer Galaxi.. ähem, in einem Kino in Eurer Nähe!


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Inhalt Darsteller Special Effects Ausstattung Soundtrack Kultfaktor Gesamt

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