Nun ist er also da, der im Vorfeld so viel umworbene Terminator 4, der uns thematisch endlich in die Zukunft bringt, in der die Maschinen die Macht übernommen haben. John Connor und Co leben im Jahre 2018 im Untergrund und führen einen erbitterten Überlebenskampf gegen das schier unüberwindbare Maschinensystem Skynet. Da ist natürlich eine ordentliche Portion Action vorprogrammiert.
Doch wie sieht es mit dem Drehbuch aus? Wird die Endzeitgeschichte konsequent weitererzählt, kommen neue Impulse hinzu und v.a.: bekommt man einen unterhaltsamen Film zu sehen, der sich nahtlos in die Reihe der drei ersten Filme einreiht? Die Antwort erfahrt ihr in unserem Review zu „Terminator – Die Erlösung“, welcher gestern offiziellen Deutschlandstart feiern durfte.
Beginnen wir mit den positiven Eindrücken:
Die Actionszenen sind großartig und rocken tierisch! Hier wackelt der Kinosaal, wenn die Maschinen zum Angriff blasen. Perfektes Actionkino – was jedoch bei einem Budget von 200 Mio Dollar auch nicht wirklich erstaunlich ist. Daß es also auch ohne den im letzten Jahr verstorbenen Effekte-Guru Stan Winston geht, beweist T4 auf eindrucksvolle Art. Die Cyborgs gehen und kriechen absolut glaubwürdig.
Erfreulicherweise haben die Macher auf die „allseits beliebte“ Wackelkamera verzichtet, sodaß das Gezeigte auch beim Zuschauer ankommt und er die Action auch „spüren“ kann. Im Allgemeinen sind die Kamerafahrten sehr gelungen eingesetzt, was v.a. zu Beginn und beim ersten Angriff deutlich wird.
T4 kommt mit einer ganzen Reihe an verschiedenen Terminatoren daher, die eben allesamt auch überzeugend dargestellt sind. Inwiefern jetzt der gigantische Harvester zu sehr an die Transformers erinnert und die Moto-Terminatoren (schwerbewaffnete Motorräder ohne Fahrer quasi) sowie die schlangenartigen Hydrobots (die für unter Wasser-Angriffe konzipiert sind) nun Sinn machen oder albern sind, muß jeder für sich entscheiden. Für meinen Geschmack waren zumindest die Moto-Terminatoren doch die Spur zu weit hergeholt und paßt meiner Meinung nach nicht so richtig ins Terminator-Universum. Die Bedrohung war hier irgendwie gleich Null.
Die stärkste Szene hat T4 wenn John Connor bei Skynet eindringt und die vom Band laufenden T-600er Modelle (Arnies Vorgänger) bestaunen darf, kurz bevor er auf besagten CGI-Körper trifft. Da kam schon echtes Terminator-Feeling auf mit einem Schuß Nostalgiegefühl!
Darstellerisch ist das im Großen und Ganzen auch i.O.. Eines vorweg: Christian Bale ist hier noch nicht der große Hauptdarsteller – im Prinzip dreht sich der Streifen viel mehr um Kollegen Sam Worthington (spielt Marcus Wright), der – wie man bereits im Trailer erahnen kann und was in der Filmmitte, wenn er durch ein Minenfeld für Terminatoren läuft, bestätigt wird – dem Kollegen Bale quasi den Rang als Rudelführer abläuft. Fairerweise muß man sagen, daß man sich zeitlich auch noch nicht an dem Punkt befindet, als John Connor Kyle Reese ins Jahr 1984 zurücksendet, um Sarah Connor zu schwängern.
Anton Yelchin aus dem „Star Trek“-Remake macht eine gute Figur als naiver junger Kyle Reese. Optisch paßt das schon ganz gut zum Bild von Michael Biehn. Lediglich das stumme Mädchen Star wirkt hier irgendwie nervend.
Nett waren einige Szenen, die an frühere Ereignisse erinnern und sich perfekt in die Reihe eingliedern. So spricht z.B. auf einem Tonband tatsächlich Linda Hamilton zu Christian Bale! Erfreulicherweise hat man für die deutsche Synchro auch Hamiltons Synchronstimme aus den ersten beiden Teilen (Joseline Gassen) bekommen können. Toll und fettes Lob für die Mühe an dieser Stelle!
Ebenso das bekannte Foto von Sarah Connor, das Kyle Reese mit in die Vergangenheit von Teil 1 nehmen durfte, um Sarah zu erkennen, ist auch wieder mit von der Partie.
OK, wir stellen also fest: die Optik paßt soweit, was jedoch ist nun mit der Handlung?
Tja… und genau das ist das Problem! Es gibt nicht selten Drehbuchlücken, es gibt nichts Neues zu entdecken, vieles ist vorhersehbar oder wirkt einfach nur albern und – und das ist wohl das Schlimmste – kitschig (siehe das Finale – Stichwort: Hand in Hand…).
Die Charaktere bleiben sehr eindimensional, kaum einer Figur wird genügend Zeit eingeräumt, um näher beleuchtet zu werden. Das ist bei der Anzahl der Figuren wie z.B. Blair Williams und den Darstellern (u.a. Helena Bonham Carter und Michael Ironside) wirklich sehr schade.
„Terminator“ war immer mehr als ein plumper Proll-Actionstreifen. V.a. James Cameron verstand es, den Figuren „ein Gesicht“ zu geben und dem Zuschauer nahezubringen – sowohl bei T1 und T2 als auch bei „Aliens – Die Rückkehr“ (Newt, Vasquez, Hicks und sogar Android Bishop waren allesamt große Sympathieträger) konnte man das deutlich beobachten. Nicht nur deshalb sind besagte Filme auch beim Publikum so beliebt. Man fiebert mit den Figuren mit und möchte, daß alle unbeschadet davonkommen. Solch ein Phänomen stellt sich bei T4 nicht ein. Wir wissen vorher, daß John und Kyle den Film überdauern werden – der Rest spielt eher eine… untergeordnete Rolle.
Nicht zuletzt dadurch setzt trotz der fetten Action nicht unbedingt die erhoffte Spannung ein.
Viele Leute warfen T3 zu viel Humor vor… gut, den gibt es (zu recht) im ernsteren T4 nicht mehr, aber insg. war T3 einfach weitaus unterhaltsamer und besser gestrickt als das nunmehr dritte Sequel.
Zur Atmosphäre ist zu sagen, daß ich mich sehr darauf gefreut habe endlich den düsteren Film zu sehen, der mir die Traumsequenzen von Kyle Reese immer vorgegaukelt haben. Leider jedoch ist T4 insgesamt sehr hell und spielt größtenteils in wüstenähnlichen Gefilden.
Möglich, daß in den kommenden beiden Teilen hier die Stimmung noch finsterer wird, damit die Atmosphäre auch zu den Bildern, die man aus den Vorgängerfilmen her kennt, letzten Endes ins Bild paßt. Das hier Gezeigte war mir aber irgendwie noch viel zu „einladend und freundlich“.
Apropos Atmosphäre: seit T1 gehört die musikalische Untermalung ebenso zum Film wie der T-800. Ohne Brad Fiedels Endzeitklänge hätte Arnies Muskelspiel niemals so intensiv gewirkt. Leider mußte T3 gänzlich ohne Fiedels Themen auskommen, was dem Film viele Fans nicht verzeihten. In T4 ist zumindest zweimal (allerdings nur sehr kurz!) der Main Title zu hören – einmal am Ende der Anfangscredits und einmal beim Auftauchen des CGI-Arnies. Hier hätte man gut und gerne auch noch einmal öfters auf Brad Fiedels Werk zurückgreifen können. Verantwortlich für den Soundtrack von „Terminator: Salvation“ ist Danny Elfman, der v.a. als Haus- und Hofkomponist von Tim Burton bekannt ist. Zu Burtons märchenhaften Phantasiewelten passen Elfmans v.a. durch Streicher betonte Scores auch perfekt, für einen apokalyptischen Endzeitthriller wirkt die Musik jedoch zu dünn und zu wenig „nach vorne gerichtet“ – wenn sie denn überhaupt wirklich auffällt. Danny Elfman ist zweifellos ein begnadeter Fachmann, aber für einen Terminator-Film schlichtweg ein Fehleinkauf.
Der Film, auf den wir so lange haben warten mußten, der Terminator-Film, der endlich in der Zukunft spielt, in der die Maschinen Menschen gefangen nehmen (wofür wurde übrigens verschwiegen…), ist ein herausragender Actionkracher, allerdings fehlt ihm so ein bißchen die Seele. Irgendwie wirkt das Ganze wie eine Symbiose aus „Mad Max II“ und „Matrix – Reloaded“. V.a. zuletzt genannter Film fiel bei den Kritikern weltweit gnadenlos durch, weil die Macher sich fast gänzlich auf die Action konzentriert haben und die Geschichte dabei vernachlässtigt worde. Ähnliches Gefühl stellt sich auch bei T4 ein. Das sieht alles ganz nett aus, es gibt hier und da Höhepunkte, aber im Großen und Ganzen war das einfach zu wenig. Manchmal ist eben weniger (Action) doch mehr! Zumal man im Vergleich zu „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ die Werbetrommel weitaus intensiver drehte.
Natürlich kommen jetzt wieder „Star Wars“ erfahrene Leute um die Ecke und werden sagen: es war der Beginn einer weiteren Trilogie, Episode 1 war auch Mist, Episode III die Wucht in Tüten, das wird beim Terminator genauso werden.
Mag sein… allerdings sehe ich nicht ein, daß bei einem 200 Mio Dollarfilm, der mit zig Trailern, Featurettes im I-Net und dem genialen Terminator Salvation Poster einem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, sich dann mit so einem lieblos zusammengeschusterten Ergebnis präsentieren muß und ich weitere Jahre zu warten habe (ihr wißt ja: Time is like a Bullet from behind), um endlich das zu sehen, was ich mir aus den Intros und Träumen der alten Filme vorstelle: ein Endzeitszenario mit Ratten fressenden, verwahrlosten Menschen, die in einen brennenden Fernseher schauen und auf ihren Tod – oder eben „Die Erlösung“ warten. Denn selbige ist Terminator #4 leider nicht geworden! Selbst der bei vielen Fans umstrittene 3. Teil ist um ein vielfaches unterhaltsamer als die Kinoversion von Teil 4. Daß einige Szenen aus Trailern nicht im Endschnitt vorkamen läßt die Vermutung nahe, einen Extended Cut auf DVD zu erleben. Ob das jedoch den enttäuschenden Gesamteindruck mildert, ist sehr fraglich.
Mit dem Preis „Bester Film 2009“ wird es jedenfalls nicht reichen, McG. Schade!
Wertung
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