Akte X - Jenseits der Wahrheit6 Jahre nach dem die X-Akten für die heimische Mattscheibe für immer geschlossen werden sollten und immerhin 10 Jahre nach dem ersten großen Leinwandauftritt kehrt eines der kultigsten Duos der Filmgeschichte in die Lichtspielhäuser zurück: Fox Mulder und Dana Scully dürfen in AKTE X: JENSEITS DER WAHRHEIT noch einmal ihren untrüglichen Spürsinn unter Beweis stellen. In wie weit das Sinn macht, Mulder und Scully aus dem Ruhestand zu holen, hab ich mir heute mal angeschaut.

Dem Akte X Kenner (oder gar Fan) sollte folgender Zahn vorab schon mal gezogen werden, bevor er oder sie mit erhöhten Erwartungshaltungen auf dem Kinosessel Platz nimmt: “Jenseits der Wahrheit” hat mit dem, was Akte X über 9 Staffeln in erster Line ausmachte, kaum noch etwas zu tun. Als da wären: Neben dem konsequent durch die ganze Laufzeit der Serie gezogenen roten Faden, in dem uns Serienschöpfer Chris Carter von einer großangelegten Regierungsverschwörung erzählte, bei der hochrangige Geheimdienstler (etc…) mit Aliens kooperierten, um die Menschheit letztlich für die Machtübernahme der Ausserirdischen vorzubereiten lebte Akte X vor allem von dem ungleichen, aber sympathischen Duo Mulder und Scully. Er, der bei allem und jedem übernatürliches Geplänkel vermutete, während sie mit ihrem rationellem Verstand und kühler Logik seinen gewagten Thesen oft genug den Wind aus den Segeln nahm. Das und das knisternde Verhältnis der beiden Protagonisten, bei dem immer klar war, dass sie sich zueinander hingezogen fühlten – das aber dem Zuschauer allenfalls Kopfkino gewährte.

Von all dem ist in “Jenseits der Wahrheit” nicht viel geblieben. Es gibt keine großartige Regierungsverschwörung. Überhaupt: Mulders Kampf gegen Lügen, Vertuschung, Aliens und Krebskandidaten sind allenfalls Randnotizen an Zeiten, die längst zu den (X-)Akten gelegt wurden. Viel mehr haben es Mulder (der sich in der Zwischenzeit in seinem Keller mehr oder weniger von der Aussenwelt abgeschottet hat) und Scully (die wieder Ärztin wurde und nun in einem streng katholischem Krankenhaus arbeitet) mit sehr realen, erschreckend denkbaren Problemen zu tun. Sie werden vom FBI reaktiviert, um das Verschwinden einer jungen FBI Agentin zu untersuchen. Da die einzige Spur, die zu der Vermissten führen könnte, ein pädophiler Priester ist, der behauptet, Visionen vom Tathergang zu empfangen, war der einzig logische Schluss für die ermittelnden Beamten, jenes besagte Duo darauf anzusetzen.

So weit, so konstruiert. Aber irgendwie musste man Mulder und Scully ja aus der Versenkung holen. Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich ein gefälliger Thriller, der trotz des im Prinzip sehr gemäßigten Tempos ordentlich Spannung erzeugt. Der Film leidet allenfalls unter einer Schwäche: Das typische Akte X Gefühl will sich nicht einstellen. Dafür fehlen zu viele Figuren aus Serie, dafür fehlt der bereits erwähnte rote Faden. Und Mulder und Scully sind sich eindeutig zu nahe, um die knisternde, aber nie gezeigte Erotik zwischen beiden aufrecht erhalten zu können. Viel mehr wirkt der Film wie eine dieser “Monster of the week” Episoden, bei denen Mulder und Scully seinerzeit all möglichen Übernatürlichem auf die Spur kamen, ohne sich der Wahrheit zu nähern. Und so richtig Mystery ist das Gebotene auch nicht.

JermaineBelgardioEs macht Spaß, Mulder und Scully noch einmal bei der Arbeit zu beobachten. Akte X – Feeling hin oder her. Chris Carter kann seine beiden Helden nun aber wirklich in den verdienten Ruhestand schicken und die X-Akten für immer schließen. “Jenseits der Wahrheit” stellt unterschwellig die Frage nach dem Glauben. Ich glaube, dass es gut war und ist. Ich glaube dass es schön wahr, so lange es dauerte. Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein.


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