Das Glück ist eine fette Sau, die durch die Straßen gejagt wird und von der sich jeder ein Stück abschneiden möchte. So jedenfalls sieht es Andreas Kurz in seiner Sammlung skuriler Kurzgeschichten, versammelt in dem Band “Das verdammte Glück”, in der das eben geschilderte stattfindet. Genau so. Wortwörtlich quasi.
Große und kleine Chancen hingegen werden via Internet bestellt und per Kurier geliefert, Träume werden von wie Wild von Jägern geschossen (wobei anzumerken ist, das ja früher viel mehr und viel bessere Träume zu jagen gewesen sind). Geiselnehmer leisten nach erfolgtem und bis dahin geglücktem Raubüberfall aktive und willkommene, wenn auch unfreiwillige Sterbehilfe, Bürohengste stehlen unliebsamen Kollegen die Zeit und bunkern sie in der eigenen Garage in der Absicht, sie irgendwann irgendwo irgendwie zu verticken und der namenlose Bodenleger macht sich Sorgen, ob die Innung irgendwas davon mitbekommt, wenn er quasi als Schwarzarbeiter bei Hänsel und Gretel das Pfefferkuchenhaus neu verlegt.
“Das verdammte Glück” ist ein Sammelsurium durch und durch skurilier Kurzgeschichten, die tatsächlich so kurz sind, dass der Begriff “Episode” für die jeweilige Erzählung durchaus passend wäre. Reicht gerade mal für eine Kippenpause, so eine Story. Zumal sie seltenst über zwei Seiten hinausgehen. Daran sollte man sich allerdings nicht stören, denn wie das Sprichwort sagt: In der Kürze liegt die Würze. Gilt gerade und besonders hier.
Man möchte zunächst lachen, dann den Kopf schütteln und anschließend betreten das Buch beiseite legen, so geschickt schießt der Autor mit seinen Worten direkt ins Empfindungszentrum des Lesers. Zwischen beissendem Sarkasmus, ätzendem Zynismus und leiser, manchmal wehmütiger Ironie rangieren die Texte; geschickt jongliert der Autor mit beinahe alltäglichen Situationen, Empfindungen und Gedankengängen.
Von der Vorstellung, ein Happy End am Ende einer Story präsentiert zu bekommen kann man sich getrost verabschieden. Das Glück ist eine fette Sau, das Schicksal auch nur ein dummes Schwein – und beide haben ja bekanntlich für ein Gewinnerlächeln bei kleinen Leuten nicht so sonderlich viel übrig. Ein großartiges, wenn auch viel zu kurzes Lesevergnügen, wobei es somit allerdings durchaus Titel und Inhalt gerecht wird, denn auch das Vergnügen ansich ist nur selten von Dauer und mehr als flüchtig.
Wertung
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