Wie romantisch stellt man sich das doch vor, wenn man zum Vampir wird. Ein wahnsinnig gut aussehender Untoter taucht auf und nimmt sich das Blut seines Opfers und gibt ihm das seine. Man verwandelt sich ohne großes TamTam in einen von „Ihnen“ und streift blutsaugend und wunderschön durch die Welt der Lebenden… oder?
Wir schreiben das Jahr 1894 und befinden uns in Paris. Joaquin Ferrier, Arzt und Okkultist, wird zu einem medizinischen Notfall in das Haus eines befreundeten Bankiers gerufen dessen Tochter an einer seltsamen Krankheit zu leiden scheint. Doch jede Hilfe kommt zu spät und das Mädchen stirbt. Kurz vor ihrem qualvollen Tod gibt sie noch einen Namen preis. Den gleichen den auch schon andere Opfer dieser Epidemie mit letzter Kraft aussprachen. Ferrier steht vor einem Rätsel und macht sich auf dieses zu lösen. Eine atemlose Jagd beginnt deren Ende nur schwer abzuschätzen ist. Ein Spiel, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ein Spiel um Leben und Tod.
Eindrucksvoll wird hier beschrieben wie es wirklich ablaufen könnte wenn man die Verwandlung von Mensch zu Vampir durchlebt. Kein leises Dahinscheiden während man aussieht wie eine erblühende Rose. Nein. Denn was passiert wohl mit dem Körper wenn man keinen Tropfen Blut mehr in sich hat? Ob die Wangen dann noch rosig sind? Die Haut noch glatt und seidig ist? Wohl kaum.
Lilienblut. So romantisch der Name dieses Romans auch klingen mag, die Geschichte ist es nicht.
Eine schwere Melancholie begleitet den Leser auf seiner Reise durch die Nächte des früheren Paris und alles wirkt düster und auf eine schwer zu beschreibende Weise schwer, schon fast wehmütig.
Aber nein, nicht romantisch. Ich würde eher sagen, man hat es hier mit düster-obszönen Horror zu tun. An der ein oder andere Stelle mag der Leser erröten. Bei anderen Szenen kann es auch passieren, dass sich der Magen zu Wort meldet, und sich über diverse Gedankenbilder beschwert. Im großen und ganzen, ist die Mischung jedoch sehr gut gelungen. Die Mischung zwischen Erotik und dem was man unter gutem Horror versteht.
Horror – wenn man daran denkt, wünscht man sich Gänsehaut. Wünscht man sich, das Verlangen zu haben, zu überprüfen ob die Tür verschlossen und man sicher in den eigenen vier Wänden ist. Dieses ungute Gefühl in der Magengegend wenn das Licht aus ist und man mit offenen Augen und Ohren im Bett liegt, lauscht und in die Dunkelheit starrt. Genau dieses Gefühl vermittelt diese Horrorgeschichte. Es ist fast unmöglich, Lilienblut aus der Hand zu legen, denn die Spannung die einfach nicht abreißen will, hält einen schon fast gefangen und zwingt zum Weiterlesen, zum Weitergruseln. Diesen Roman sollte man nicht lesen, wenn man unterwegs ist wie etwa in der U-Bahn oder im Bus. Hier ist die volle Aufmerksamkeit gefragt. Schließt die Tür, verriegelt die Fenster und setzt euch mit einem Glas Rotwein und vielen Kerzen in euren gemütlichsten Sessel. Fangt an zu lesen, lasst euch fallen und genießt die Angst.
Wertung
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