Asp - Wer sonst?Wunderschön, man möchte sagen „wie gewohnt“ kommt diese Limited Edition aus dem Hause ASP als Doublefeature im Sonderformat (170×250) daher. Enthalten sind gut ausgestattete CD und das Comic „Im Märchenland“. Letzteres ist die Premiere von Privatdetektiv Johann Salamander, den eingefleischte ASP-Fans ja bereits aus einer Kurzgeschichte im Variete Obscur „Bilderbuch“ kennen.
Gleich vorweg: Dieses Comic ist (neben dem Format) der einzige Unterschied zur „Standardversion“ der Single. Wer sich also lediglich für Gesang und Klang interessiert, muss hier keinerlei Abstriche machen. Eine Methode, die mit Blick auf die Sondereditionen anderer Bands, durchaus löblich zu erwähnen ist.
Das Comic soll hier dabei gar nicht groß erwähnt werden. Wer sich generell für derartiges Bildwerk begeistern kann, wird’s mögen: Illustration sehr gut, Story klasse. ASP verwöhnen die Fans mal wieder auf dem nicht musikalischen Sektor.

Die Single selbst empfängt den Hörer mit einer besonderen Version des Titelsongs „Wer Sonst“. Wie öfter mal bei den Frankfurtern, hat man sich nämlich „prominente“ Unterstützung mit in’s Boot geholt: Den Micha von In Extremo. Hätten ASP in Vergangenheit bei der Wahl ihrer Gastsänger (und Sängerinnen, natürlich) nicht stets ein gutes Händchen bewiesen, könnte hier durchaus Grund zur Sorge bestehen. Doch der gute Micha fügt sich wunderbar, man möchte (sollte aber nicht ) sagen: „perfekt“, in seine Rolle und den Song ein. Kompliment. Da ist es auch absolut berechtigt, diese „Einhorn Radio Version“ an die Nummer eins der Trackliste zu stellen. Diese Schlägt das Original in Puncto Reissercharakter, was ja bei einer Single wohl gewollt ist, um Längen.
Mit dem Stück selbst setzen ASP wie bei Ihrer letzten (offiziellen) Single „Ich bin ein wahrer Satan“ voll auf den Gassenhauer- / Mitgrölfaktor. Dank der stimmlichen Unterstützung vom Micha klappt das auch ziemlich gut. -Das Lied macht eindeutig Stimmung; hat aber inhaltlich mindestens ebenso viel zu bieten. Der Text ist klar sinnbehaftet und transportiert eine durchaus relevante Botschaft, die hier natürlich nicht verraten wird.
Führt man sich im Anschluss daran die Originalversion zu Gemüte, kann man sich nur wundern. Mag im ersten Augenblick das Fehlen des Schreihalses von In Extremo noch am ehesten Auffallen, hört sich dieser Track doch komplett anders. Die Gitarrenriffs wirken wesentlich präsenter, der Text viel eindringlicher. Klingt einfach mehr nach ASP, wie man ihn noch aus den Zeiten des Albums „Aus der Tiefe“ kennt. So kommt auch der eher konservative Fan auf seine Kosten. Schön.

Als kleinen, großen Bonus gibt’s noch ein Livevideo des Songs. Prinzipiell mal eine super Sache, wenn ein Video auch niemals die Stimmung eines ASP-Konzerts einfangen kann. Dennoch ein tolles „Bonusleckerlie“ an dieser Stelle. Auch schön.
Ähnlich verhält es sich beim zweiten neuen Song „Märchenland“. ASP beweist sich wie schon so oft als Experte auf dem Gebiet des Metapherntums und lenkt mit geschicktem Text durch einen musikalisch abwechslungsreichen Track. Wobei die fordernden Textpassagen stets vom melodischeren Refrain stimmlich und musikalisch nett voneinander getrennt werden. Handwerklich sauber und schön zu hören. Sogar mit kleinem „Kuschelfaktor“. Echt schön.
Im weiteren Verlauf der CD haben sich ASP dann an 2 Covern versucht, beginnend mit „Rain“ der Band ‘The Cult’. Aus Sicht der Leute, die schon ein bisschen länger in der schwarzen Szene unterwegs sind, sicherlich ein etwas höherer Berg zum Besteigen, den sich die Jungs da ausgesucht haben. Der Song wurde auch in der Tat wunderschön „verASPt“, doch der besondere Flair des Originals bleibt dabei leider auf der Strecke. Sehr schade. Ähnliches gilt für den zweiten Song: „Kummer“ von Trio: Das übertrieben charakteristisch-trashige der Originalversion geht nahezu komplett unter, was dem Song zwar durchaus nett zu hören macht, ihm aber auch einen großen Teil seines Charmes nimmt. Die Langschnittversion, ebenfalls auf der CD zu finden, vermittelt da in einer schwer zu fassenden Weise ein ganz anderes und vor allem viel besseres, weil intensiveres, Hörerlebnis. So muss man im Vergleich zur „Coverfolter“ manch anderer Band keineswegs in Tränen ausbrechen. Im Gegenteil: Im Prizip erhält man hier 2 tolle ASP-Tracks, die nett anzuhören sind, doch eins klar machen: Da geht mehr! Vor allem mit Blick auf vergangene Remixe.

Womit das letzte Kapitel der Single in’s Rampenlicht gezerrt werden kann.. Remixe externer Kräfte. Die Single wartet hier mit 2 Stücken auf. Zu Beginn quält uns sogleich der Clan of Xymox mit seiner Version von „Im Märchenland“. Dabei mutet die ganze Bearbeitung komplett lieblos dahin-gewurstet an. Eine kratzige Würgestimme versucht sich in einem (eingemischten) Duett mit ASP.. wem soll sowas gefallen..? Dann doch lieber wie das gute Project Pitchfork es in ihrer Version von “Wer Sonst?” realisiert haben: Lied komplett übernehmen, Instrumente durch schön fluffigen Weichspüler-Electro ersetzten. Arbeit getan. Wer sich bei Kenntnis des Originals das Stück noch anhören soll, bleibt aber auch hier unbeantwortet. Wahrlich unschön.

Also liebe Leute, ran an den Rechner, bestellen, supporten und hören. Denn diese Single ist gut und nicht nur für ASP-Fanatiker und Sammler eine lohnende Anschaffung!

silentmessiahAch schön.. wenn das Album schon verschoben wird, dann wenigstens ne tolle Single. Da hat der gute ASP den Stein, denn er bei mir ja eh im Brett hat, nochmals gefühlte 2cm tiefer reingedroschen. Das Comic gefällt mir, die Songs gefallen mir. Die Single ist’n super Zwischenhappen, wobei ich doch wieder sagen muss: Ich vermisse den schwarzen Schmetterling und hoffe, das (spätere) Album wird mich darüber hinwegtrösten.


Wertung

Inhalt Gesang
Klang Fan-Faktor Artwork Gesamt

Trackliste

  1. Wer sonst? (feat. Micha Rhein)
  2. Im Märchenland (Single Edit)
  3. Rain
  4. Kummer
  5. Wer sonst? (Originalversion)
  6. Im Märchenland (Clan Of Xymox Remix)
  7. Wer sonst? (Project Pitchfork Remix)
  8. Kummer (Katzenjammer Langschnitt)
  9. Wer sonst? (Bonusvideo recordet at Blackfield Festival 2009)

Anspieltipps

  1. Wer sonst? (feat. Micha Rhein)
  2. Im Märchenland (Single Edit)
  3. Kummer (Katzenjammer Langschnitt)

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