Aeternitas - Rappacinis TochterWie Ihr unserem WGT Bericht entnehmen könnt, hatten wir vor noch gar nicht so langer Zeit das Vergnügen, im Schauspielhaus zu Leipzig im Rahmen des WGT dem ersten (uns bekannten) Gothic-Musical beizuwohnen: RAPPACINIS TOCHTER aus dem Hause der Hamburger Band Aeternitas (die Braunschweiger bitte nicht mit dem schnuckeligen Gothic Fashion Store in der Löwenstadt verwechseln). Ganz und gar angetan von dem gebotenen Lustspiel beschlossen wir kurzerhand, uns näher mit dem Musical und der Band zu beschäftigen – inzwischen lieferbare CDs und DVDs vereinfachten dies um einiges. Lange Rede, gar kein Sinn – here we go.

Der Bandbiografie auf der jüngst re-designten Bandwebsite kann man entnehmen, dass es Aeternitas bereits seit inzwischen 10 Jahren gibt. Ihr Debüt feierte die Truppe, damals noch bestehend aus Anja und Alexander Hunzinger, im August des schönen Jahres 2000, als sie ihr vielgelobtes Konzeptalbum “Requiem” veröffentlichten, bei dem vor allem Metaller auf ihre Kosten kamen. Schließlich kombinierte die Band hier Klassik mit Metall und setzte auf lateinische Texte. Angespornt von der positiven Resonanz, das sie für dieses Album erhielten, beschlossen sie, eine Band zu formen, damit das Material auch live präsentiert werden konnte. Schlichtes “auf die Bühne stellen und die Lieder vorträllern” reichte der Band schon damals nicht, so dass bereits schon damals die Stücke mittels spezieller Shows auf der Bühne umgesetzt wurden.

2004 folgte dann “La Danse Macabre”, bei welchem sich der Sound von Aeternitas vom handelsüblichen Gothic-Metal mit klassischen Einflüssen weg bewegte. Hinzu kamen theatralische Einflüsse, hier und da ein bischen elektronisches Getüdel und wer will, kann heute in diesem Album schon den Weg heraushören, den Aeternitas in den folgenden Jahren gehen sollten. Auch die Zuschauer damaliger Shows bekamen einen Eindruck davon, was später folgen sollte. Immerhin bekamen sie damals schon eine theatralische Show zu sehen, bei welcher selbige durch den Einsatz von Kostümen, Bühnenbildern und Requisiten aufgepeppt wurden.

Man möchte fast sagen, dass der Weg zu Rappacinis Tochter durch die Veröffentlichung der ersten beiden Alben quasi vorbestimmt war. Mit den Arbeiten zu dem auf einer Kurzgeschichte von Nathaniel Hawthorne basierenden Stück wurde irgendwann 2005 begonnen; zunächst galt es, Musik, Texte und Dialoge zu schreiben. 2007 ging es dann weiter damit, die Bühnenumsetzung des Stücks auszuarbeiten, ehe dann endlich im Januar 2008 die erfolgreiche Premiere in Hamburg gefeiert wurde. Tja und inzwischen wurde das Musical über 30x gespielt (darunter 4x auf dem WGT) und das zugehörige Album “Rapaccinis Tochter – Die Highlights” ist als “Bestes Musicalalbum” beim Deutschen Rock und Pop Preis Album 2008 ausgezeichnet worden.

Soviel zur Historie. Und worum geht es bei dem Musical eigentlich? Uffpasse: Erzählt wird hier die Geschichte des Studenten Giovanni, der nach Padua kommt, um dort bei Professor Baglioni Medizin zu studieren – auch wenn Schöngeist Giovanni sich lieber mit Kunst und Literatur befassen möchte. Das Zimmer, welches er bezieht, hat einen Balkon mit Blick auf den verschlossenen und geheimnisvollen Garten des Forschers Rappacini. Von dort erblickt er auch zum ersten Mal Rappacinis Tochter, Beatrice, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Und damit es auch nicht zu einfach wird, rankt sich um Vater und Tochter Rappacini ein dunkles Geheimnis. Und damit dieses Musical auch möglichst dramatisch ausfällt, kann nicht sein, was nicht sein darf und dunkle Wolken ziehen am Horizont der jungen Leute auf…

Soviel soweit. Alles weitere könnt Ihr erhören, angucken und auch live erleben. Und folgende Bemerkung sei an dieser Stelle gestattet: Als Geschmacksmenschen solltet Ihr bittebitte unbedingt eine sich bietende Gelegenheit wahrnehmen und dem Musical wenigstens einmal live beiwohnen! Was Aeternitas mit “Rappacinis Tochter” hier auf die Beine gestellt haben, ist mehr als nur beachtlich! Die beiden Live-CDs (einmal die Highlights und einmal ein Komplettmitschnitt), die beide durch überzeugende Qualität beeindrucken sowie die DVD, die das Schauspiel immerhin in bewegten Bildern für die Ewigkeit fest hält, vermitteln einen ersten Eindruck davon.

Ich meine: Hey, wann ist es zuletzt in unserer Szene passiert, dass eine Band – (relative) Newcomer noch dazu – einen derartigen Aufwand betrieben hat, um aus der Masse hervorzustechen? Eben. Tut Euch und Aeternitas den Gefallen und schaut Euch das Stück an. Sei es nun der abwechslungsreiche, im Vergleich zu früher sehr gereifte (wenn auch natürlich dezent metallische) Sound, die ambitionierte Performance oder einfach der Sympathie-Bonus, den die Truppe spätestens nach den erten drei Songs auf der Haben-Seite verbuchen kann – Gründe ließen sich genügend finden, die für “Rappacinis Tochter” sprechen.

JermaineBelgardioSelten lag es mir so am Herzen, dass Ihr Euch mit dem beschäftigt worüber wir hier schreiben wie in diesem Fall. Aber innerhalb einer Szene, wo sich so vieles wiederholt, so viele Trittbrettfaher verehrt werden, freue ich mich um so mehr über diese beachtliche Leistung und den Weg, den Aeternitas gegangen sind und weiterhin beschreiten. Ich werde “Rappacinis Tochter” auf dem WGT sicherlich nicht das letzte Mal live gesehen haben. Bis zum nächsten Mal sind CDs und DVD eine wunderbare, weil qualitativ hochwertige Überbrückung, die immer wieder gerne gehört wird. Und ich bin mir sicher, ich bin nicht der einzige Zuschauer, dem es so geht. Applaus, Applaus.


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