Nach diversen Schlagzeilen, die oft genug nichts mit seinem musikalischen Schaffen zu tun hatten, macht MARILYN MANSON am kommenden Freitag mit dem an diesem Tag erscheinenden neuen Album “The High End Of Low” darauf aufmerksam, dass er neben Yellow Press Held auch noch ein dirty, dirty Rockstar ist. Zumindest möchte er uns das glauben lassen. Ob es gelungen ist? Schaun mer mal.
Schon der Blick auf das Cover lässt erahnen, dass beim inzwischen siebten Studio-Album des Meisters etwas anders ist. Ohne großartiges Make-Up, ohne schockierendes Artwork kommt es daher. Fast so, als hätte Manson mit diesem Werk ein paar alte Zöpfe abschneiden wollen. Und richtig, the Reverend himself kommentiert das jüngste Kind aus seinem Hause so: “Ich denke schon, dass mein Leben damit ein Ende und einen neuen Anfang gefunden hat.” Führt man sich diesbezüglich noch einmal das Vorgängeralbum “Eat Me, Drink Me” zu Gemüte, macht das durchaus Sinn. Denn seinerzeit haben wir dem Album attestiert, dass es ein wunderbarer Abschied gewesen wäre. Nun, scheinbar war es das auch.
“The High End Of Low” sprüht jedenfalls geradezu über vor Abwechslung und Elan. Ob das am wiedergekehrten Twiggy Ramirez liegt oder daran, dass sich Herr Manson von so manchem Ballast befreit hat, sei mal so dahingestellt. Fakt ist aber, dass hier das volle Brett geboten wird. Sei es nun das blues-angehauchte, trotzdem treibende “Leave A Scar” oder so akustische, schwerfällige Kanthölzer wie “I Want To Kill You Like They Do In The Movies” – in Sachen Arrangements und Instrumentierung und der daraus resultierenden Abwechslung ist einfach mehr für Sie drin. Großartig ist in diesem Zusammenhang auch das Stück “Four Rusted Horses”, das zunächst nur mit Akustikgitarre und einem stampfenden Beat daherkommt, um später noch diverse Samples zur Liedgestaltung einstreut. Dazu Mansons unverwechselbare Stimme und eine wunderbar dystopische Stimmung – und bidde, fertig ist eines der Highlights dieses Albums. Und ganz nebenbei erreicht er dabei songbastlerische Qualitäten, die auch einem späten Johnny Cash gefallen hätten.
Dass Manson bei “The High End Of Low” weitgehend auf die sonst gern genommenen Schockeinlagen verzichtet hat, steht dem Album gut. Möglicherweise möchte man damit einer Gewöhnung oder gar Überreizung vorbeugen, vielleicht ist Herr Manson aber auch inzwischen zu alt für solcherlei Albernheiten. “The High End Of Low” ist ein überzeugendes, qualitativ hochwertiges Rockalbum geworden, das Manson als gereiften Künstler portraitiert und dankenswerterweise ohne alberne Schreckgespenstallüren auskommt. Und möglicherweise schlägt dieses Album auch ein neues Kapitel auf in Sachen Marilyn Manson. Es dürfte spannend sein zu erfahren, in welche Richtung die Reise zukünftig geht. Dieser Zwischenstopp jedoch gefällt.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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