Black Mirror 2Die Geschichte von “Black Mirror 2″ spielt 12 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils, der 2004 erschienen ist und als eines der besten Adventures – wenn nicht sogar das beste – dieses Jahrgangs zählt. Darren, ein junger Physikstudent Anfang 20, ist der Hauptcharakter in „Black Mirror 2“ und arbeitet in dem schnuckeligen Küstenstädtchen Biddeford im US-Bundesstaat Maine (Stephen King, anyone?) in einem Fotoladen als Aushilfe. Die Arbeit an sich macht Darren sehr viel Spaß, das Fotographieren ist seine große Leidenschaft. Stets trägt er seine Spiegelreflexkamera bei sich. Ohne diese geht er „nie aus dem Haus“, wie er selbst betont. Lediglich sein Chef, der sowohl undankbare als auch stets unfreundliche Fuller, ist Darren ein Dorn im Auge. Für Fuller ist seine Aushilfe nicht mehr als eine billige Kraft, die gerade gut genug ist für Botengänge oder andere minderwertige Tätigkeiten – für die Drecksarbeit eben, für die sich der Chef selbst zu schade ist.

Plötzlich jedoch schaut eine junge und v.a. attraktive Engländerin namens Angelina in den Laden vorbei, um Fotos von sich anfertigen zu lassen. Darren verguckt sich ohne mit der Wimper zu zucken in die brünette Schönheit und möchte liebend gerne den Job höchstpersönlich erledigen. Fuller jedoch schickt ihn stattdessen lieber zu einem weiteren Botengang in die Stadt. Als Darren von dort zurückkommt, bemerkt er, daß die Fotos von Fuller nicht wirklich als gelungen zu bezeichnen sind. Prompt verabredet er sich mit Angelina in ihrem Hotel zu einem Fotoshooting. Als Angelina den Fotoladen verläßt kann Darren einen fremden Mann erkennen, der Angelina ganz offensichtlich heimlich verfolgt.

Darren vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Fremden und seinem schmierigen Chef, weiß aber noch nicht genau, wo er anzusetzen hat. Spätestens als kurze Zeit darauf etwas Fürchterliches passiert, ist sich Darren sicher: sein Chef hat gehörig Dreck am Stecken und soll für seine Schandtaten büßen. Darren kann nicht mehr ruhig schlafen, Apträume quälen ihn und er erfährt von einem Ort namens Willow Creek in England. Dorthin macht er sich schließlich auf den Weg, der ihn direkt zum Black Mirror Castle führt, dem Anwesen der Familie Gordon, welches der Ort des Geschehens im ersten Teil gewesen ist…

Endlich mal wieder ein richtig schickes Point & Click-Adventure mit einer spannenden Geschichte! Veröffentlicht wurde „Black Mirror 2“ von dtp entertainment, die Entwicklung übernahm Cranberry Production. Graphisch bietet das 2D-Adventure genau das, was man von einem Game dieses Genres erwartet. Weichgezeichnete Farben, erkennbare Konturen der Gegenstände (wie oft gab es früher Beispiele, in denen man Items nicht wahrgenommen hatte, da man sie gar nicht erkennen konnte?), realistische Animationen der Charakere (hier sei v.a. das Posing von Lichtgestalt Angelina auf ihrem Hotelbett beim Shooting erwähnt!) und aufregende Effekte bzw. anregende Zwischensequenzen.

Beim Sound sieht es nicht wesentlich schlechter aus: der Soundtrack ist durchaus gelungen und vermittelt von Beginn an eine düstere Grundstimmung. Der orchestrale Score drängt sich dabei nie in den Vordergrund, sondern sorgt stets hintergründig für die passende Atmosphäre. Die Sprachausgabe ist hervorragend! Die Auswahl der Sprecher für die einzelnen Figuren ist absolut stimmig. Bessere Sprecher als für „Hauptdarsteller“ Darren oder seine Angebetete Angelina hätten die Macher des Spiels kaum finden können. Die Stimmen sind klar verständlich, klingen dabei sehr warm und vertraulich und kommen einfach sympathisch beim Spieler rüber. Die Betonung ist ebenfalls erstklassig. Lustig und v.a. „ehrlich“ ist die Art und Weise wie die Figuren miteinander sprechen. Nicht selten kommt es vor, daß drastische Wörter aus den Mündern der Charaktere entweichen. Kleines Beispiel gefällig? „Du stinkst nach einem Puff in Lille, in dem ich mal gewesen bin!“, „In deinem Gehirn ist nur Scheiße!“, „Ach, fick dich!“. Durchaus nicht alltägliche Ausdrücke für ein Computerspiel, die passend ergänzt werden durch „Schlampe“, „Arschloch“, „Fuck!“, „Dämliches Stück Scheiße“ oder „Verpiß dich!“. Das mag vielleicht dem einen oder anderen als zu vulgärer Sprachgebrauch erscheinen, für viele Spieler jedoch ist das sicher eher eine realistische Form der Konversation, v.a. wenn man es mit solch typen wie Fuller zu tun hat. Kurzum: genau so darf ein Adventure heutzutage klingen!

Die Steuerung ist kinderleicht und für erprobte Adventure-Spieler, die in der goldenen Lucas Arts-Ära groß geworden sind, absolut vertraulich. Die seit mehreren Jahren etablierten Hotspots (interaktive Elemente im Spiel) werden farblich markiert und mit einem „Mausklick“-Sample hörbar deutlich gemacht. So sollte es eigentlich nicht vorkommen, daß der Spieler ein wichtiges Element im jeweiligen Bildschirm übersieht. Es empfiehlt sich daher grundsätzlich alles mit dem Cursor zu durchforschen, was der jeweilige Screen gerade so hergibt, sich alles anzuschauen, bis die Hotspotanzeige erloschen ist – aber das ist eigentlich keine wirkliche Weisheit für Kenner des Genres. Die Inventarleiste befindet sich im unteren Teil des Bildschirmes und wird eingeblendet, wenn man mit dem Mauszeiger dort hinfährt.

Nerviges Umherrennen kann der Spieler umgehen, indem er mit dem rechten Mauszeiger auf eine Ansichtskarte des Ortes klickt, wo er bestimmte Orte direkt anwählen kann. Das spart im Laufe des Spiels einiges an Zeit. Vielen Dank dafür!

Interessant ist das Tagebuch, welches sich automatisch während der Geschichte mit Leben füllt. Immer dann, wenn Darren interessante und wichtige Infos aufschnappt, macht er sich selbst ein paar Notizen. Diese sind es wert studiert zu werden, da sie oft nützliche Hinweise und Tips mit sich bringen, die den Spielverlauf und das Lösen einiger Rätsel bzw. Minigames erleichtern können. Außerdem erfährt der Spieler dort stets was die nächsten Aufgaben sind, die es zu lösen gilt. Das macht v.a. dann Sinn, wenn man seinen zuletzt gesicherten Spielstand lädt, nachdem man eine längere Zeit sich nicht mit dem Spiel beschäftigt hat. Der Spieler ist also schnell wieder mittendrin und weiß was er als nächstes zu tun hat.

Apropos Minigames: davon gibt es natürlich auch reichlich in „Black Mirror 2“. Die meisten sind jedoch glücklicherweise relativ simpel zu lösen, für einige jedoch benötigt man etwas mehr Zeit und Denkvermögen. Wem diese Puzzleelemente zu sehr Lückenfüller sind und wer sich so schnell wie möglich wieder der Story widmen will, der hat im Optionsmenü die Möglichkeit, während des Spiels den Schwierigkeitsgrad auf „leicht“ zu ändern. Dadurch erscheint für den Spieler bei einem Minigame nach mehreren gescheiterten Versuchen der sogenannte „Panik-Hebel“, durch den man das Minigame mit positivem Ausgang überspringen kann. Das Rätsel ist dann von alleine gelöst und der gejagte Gegenstand kann problemlos ins Inventar wandern. Der Spieler kann mit dem Adventure fortfahren, ohne sich noch stundenlang den Kopf zu zerbrechen – eine sehr gute Sache, denn für viele Spieler sind diese Rätsel auf Dauer einfach lästig und stören den Spielfluß der Geschichte.

„Black Mirror 2“ beginnt verhältnismäßig ruhig, die Atmosphäre in Maine wird langsam aufgebaut – auch etwas, das ans King´sche Universum erinnert. Langsam und bedächtig  schleicht sich irgendwann ein unwohliges Gefühl beim Spieler ein. Die Atmosphäre in den ersten drei der insgesamt sechs Kapitel erinnert mehr an eine Kriminalgeschichte, an eine sleazige Sex & Crime-Story, denn an reinrassigen Horror. Gruselig wird es eigentlich erst, wenn der Spieler Black Mirror Castle näherkommt und seine Nase tiefer in die Geheimnisse des mysteriösen Ordens steckt. Dabei kann es durchaus vorkommen, daß Darren zu tief gräbt und zu unvorsichtig agiert – und so etwas wird natürlich prompt bestraft! Ja, liebe Kinder: Darren kann sehr wohl das Zeitliche in diesem Spiel segnen! Die kurzen Todesanimationen sind jedoch nicht allzu detailliert in Szene gesetzt (Freigabe: ab 16 Jahren). Ein Vergleich mit „Phantasmagoria“ hält diesbezüglich „Black Mirror 2“ also nicht Stand – muß es aber auch nicht. Sollte dieser Fall einmal eingetreten sein, so ist es nicht schlimm wenn der Spieler es versäumt hat, kurz vor seinem Ableben zu speichen. „Black Mirror 2“ verfügt nämlich über eine automatische Spielstandsicherung, die stets vor kritischen Spielsituationen aktiv geschaltet wird. Lästiges „Nochmalspielen“ bis zum Todespunkt entfällt also. Auch hierfür sei ein großes Lob ausgesprochen.

Fünf Jahre nach dem ersten Teil ist am 25. September also der zweite Teil der „Black Mirror“-Reihe erschienen. Den Test hat das Spiel mit Bravour bestanden. Bleibt zu hoffen, daß es nicht das Letzte sein wird, was man aus den alten Mauern des Black Mirror Castle zu hören bekam.

AshNatürlich erfindet „Black Mirror 2“ das Grafik-Adventure im Point & Click-Genre nicht neu, aber das ist auch nicht sein Anspruch. Vielmehr ist es sowohl für Neueinsteiger als auch für Fortgeschrittene aufgrund der komfortablen Bedienbarkeit und der durchweg logisch konstruierten Rätsel bestens geeignet. Mit den Sympathieträgern der Geschichte kann man sich sofort identifizieren. Darren hat eine ganz spezielle Art von Humor, er ist zwar wortkarg, aber nicht auf den Mund gefallen, wenn es drauf ankommt. Und er hat einen guten Filmgeschmack, wie sein Kommentar auf das an der Wand hängende Hirschgeweih beweist „In Evil Dead fand ich das ja noch komisch“.

Grafik und Sound sind zwar tadellos, aber die Zwischensequenzen, die ein abgeschlossenens Kapitel mit dem folgenden miteinander verbinden, hätten gerne etwas intensiver ausfallen können als nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen des absolvierten Kapitels in Form von kurzen Flashbacks. Hier hätte vielleicht die eine oder andere stimmungsvolle Videosequenz dem Spannungsaufbau nicht geschadet.

Mir jedenfalls hat das kurzweilige Spiel viel Spaß gemacht und ich würde mich über eine Fortsetzung der Reihe freuen.


Wertung

Grafik Sound Gameplay Spielidee Multiplayern Gesamt

Trailer


Screenshots

Black Mirror 2 Screenshot Black Mirror 2 Screenshot Black Mirror 2 Screenshot Black Mirror 2 Screenshot Black Mirror 2 Screenshot

Links


Diskussion im Forum:

Verwandte Artikel:

  • Keine verwandten Artikel vorhanden.