Big Boy - PonygirlBereits mit seiner ersten Veröffentlichung, “Hail The Big Boy”, konnte besagter BIG BOY keinen sonderlich großen Eindruck bei uns schinden. Zu rüpelhaft waren uns seinerzeit die Live-Auftritte, zu  dünn das gelieferte Songmaterial. Entgegen unserer damaligen Vermutung haben es die Kollegen, die scheinbar gerne in der gleichen Liga spielen möchte wie die Großen, eben die Big Boys, doch zu einem zweiten Album gebracht. “Ponygirl” nennt sich das Werk, das ab dem 30.10. mit innovativem Vertriebsweg glänzt. Ob Big Boy allerdings noch weitere Pluspunkte auf der Habenseite verbuchen kann oder einmal mehr über ein hochgepushtes Ego stolpern haben wir zu ergründen versucht.

Fangen wir zunächst mal mit den postiven Dingen an: In Anlehnung an große und wichtige Bands wie Nine Inch Nails wird auch “Ponygirl” für Fans des großen Jungen kostenlos zu haben sein. Aber nicht einfach nur als schmuckloser Download in unterschiedlichen Qualitätsstufen und einem Cover-Artwork zum selbst ausdrucken. Nein, Big Boy geht noch einen Schritt weiter und glänzt – immerhin ein einziges Mal im Zusammenhang mit “Ponygirl” – durch Innovationen, denn Fans können eine komplette, physische Variante des Albums (inklusive Hülle, Inlay, bedruckter CD und was sonst noch dazu gehört) kostenlos und versandkostenfrei im Netz bestellen. Dass sich so eine Aktion irgendwie finanzieren muss, versteht sich von selbst. Werbung sei hier mal als Stichwort in den Raum gestellt.

So viel also dazu, wie man an das Album kommen könnte, ohne dafür löhnen zu müssen. Und was bekommt man dafür? Nun, Kenner des Vorgängers werden feststellen, dass Big Boy die “dirty, dirty Rockstar”-Attitüde etwas zurückgeschraubt haben, ebenso wie der Glam-Faktor drastisch nach unten gefahren wurde. Album-Artwork, Titel und die inhaltliche wie akustische Ausgestaltung geben sich bewusst etwas gereifter, härter und düsterer als noch vor zwei Jahren. Das ist auch alles ganz hübsch, hat nur einen Haken: Noch immer fehlt Big Boy ein eigenes Gesicht. Noch immer orientieren sie sich an wirklichen Größen des Rock-Business wie etwa Herrn Marilyn Manson. Ansich nichts schlimmes, nur ist es ein Unterschied, ob man sich an etwas orientiert oder ob man es abkupfert. Bei Big Boys aktueller Scheibe hatte ich jedenfalls permanent das Gefühl, alles irgendwann schon einmal irgendwo gehört zu haben. Nur besser. Und ironischerweise sind es ausgerechnet die Ausflüge in Richtung Glam, die Big Boys Album aufwerten. “Love Is Almost Perfect” sei hier genannt, das einen einigermaßen veritablen Ohrwurm abgibt. Allerdings dürfte nicht schwer sein zu erraten, welche Publikumsschicht zu diesem Song am meisten abfeiern wird. Hat hier gerade jemand Emo-Weibchen gerufen?

Wie dem auch sei: Es reicht einfach nicht, von München nach Los Angeles zu ziehen, den (von mir aus auch abgefuckten) High Society Lifestyle zu leben, den großen, offensichtlichen Idolen nachzueifern und trotzdem musikalisch zwei Jahre dem hinterher zu hinken, was aktuell aus dem vielschichtigen Genre der Rockmusik herauszuholen wäre. Big Boy? Na fast.

JermaineBelgardioNach dem ersten Hördurchgang war das spontane Fazit zu “Ponygirl”: Geschenkt ist noch zu teuer! Belangloses, irgendwie dumpf klingendes Rock-Geschrammel mit einer vergleichsweise düsteren Grundstimmung, dazu krächzender Gesang. Das ganze Konglomerat gespickt mit Zitaten anderer, wichtigerer Acts. Nach ein paar weiteren Hördurchgängen verbesserte sich der Gesamteindruck zwar etwas, von wirklicher Begeisterung bin ich aber auch bei Big Boys zweiten Album meilenweit entfernt. Im Pressetext zum Album heisst es schlussendlich: liebt ihn, oder hasst ihn. Schön dass ich hier genauso die Wahl habe wie der unbedarfte Konsument, der dank der gewählten Vertriebsvariante vor einem möglichen Fehlkauf verschont bleibt. Irgendwie beschleicht mich aber dennoch das Gefühl, dass die selbstbewussten Herren auch mit dem zweiten Werk eine gewisse Fanschar um sich versammeln werden…


Wertung

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Trackliste

  1. Intro
  2. Terror Era
  3. Ponygirl
  4. My Own Rules
  5. Love Is Almost Perfect
  6. Heroin Heroine
  7. Mermaid
  8. Ships
  9. I Hate Myself
  10. You Said
  11. Diese Welt
  12. Love Is Almost Perfect

Anspieltipps

  1. Terror Era
  2. Ponygirl
  3. Love Is Almost Perfect

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