ROTERSAND - Random Is ResistanceNach der “War On Error” EP ist meine persönliche Erwartungshaltung im Bezug auf das neue ROTERSAND Album “Random Is Resistance” durchaus etwas in Richtung Kelleretage gesunken. Zwar machte die EP klar, dass Rotersand nach wie vor eine großartige Electro-Formation sind, aber scheinbar auch ein Tief in Form (wenigstens partieller) Ideenlosigkeit durchleben. Leider stellte sich heraus, dass “Random Is Resistance” diesen Trend fortsetzt. Warum aber das Album trotzdem in die CD Sammlung gehört – der Frage gehen wir hier nach.

Es gab mal Zeiten, da war Rotersand ein extrem hell strahlender Stern am Firmament der Electro-Bands. Nicht zuletzt mit dem grandiosen Überalbum “Welcome To Goodbye” schossen sich die drei Herren aus Gelsenkirchen direkt an die Spitze der Electro-Szene und begeisterten Genrefreunde mit jede Menge ausgefeilter Raffinesse. Und Stil. Nun, Stil haben die Herren immer noch, aber von richtungsweisenden, überbordenden Ideen ist auf dem aktuellen Release leider nicht mehr viel geblieben.

Klar, ein Electro-Album mit einem Song einzuleiten, das primär von einer Akustikgitarre getragen wird und in dem ansonsten eine reichlich ruhige Kugel geschoben wird, ist schon überraschend. Damit hätte wohl niemand gerechnet und der Ball landet, nicht zuletzt aufgrund der zynischen Anklage gegen Datensammelwut von (beispielsweise) Väterchen Staat, auf der Seite von Rotersand. Leider müssen sie ihn schon direkt im Anschluß daran schon wieder abgeben, denn es folgt die höchst nervige Up-Tempo-Nummer “Bastards Screaming”, das zumindest ich mir nur einmal in Gänze anhören konnte und fortan immer wegskippe. Auch wenn es aufgrund der Zutaten eigentlich Rotersand in Reinform ist.

Es folgt ein erstes kleines Highlight dieses Albums, “Waiting To Be Born”, dem im Mad-Goth Forum schon epischer Charakter zugeschrieben wurde. So weit würde ich bei diesem sehr mit Trance-Elementen spielenden FuturePop Song nicht gehen. Hymnisch? Ja. Episch? Nein. Dafür ist es in meinen Ohren zu sehr an “Merging Oceans” angelehnt.

Überhaupt fällt nach diversen intensiven Hördurchgängen auf, dass Rotersand an trancigen Spielereien gefallen gefunden zu haben scheinen. Heraus kamen dabei durchaus hörbare Songs, die vor allem auch von Rascs nach wie vor sehr angenehmer Stimme leben, ansonsten aber auch von irgendwem stammen könnten.

Spannend wird es noch mal bei “We Will Kill Them All”, das auf der EP noch eine pure Ballade gewesen ist, für das Album aber in eine extrem lässige Lounge-Nummer verwandelt wurde. Mit Abstand der stärkste Song dieses Albums. Ebenfalls cool: “A Number And A Name”, das, anders instrumentiert, auch ein reinrassiger Rock’n'Roll Song geworden wäre. Letztes Highlight dieses Albums: “Gothic Paradise”, das wohl nicht zuletzt aufgrund des augenzwinkernden Textes zu einer Clubhymne mutieren dürfte.

Alles in allem nichts schlechtes, was die Herren Rotersand hier abliefern – aber auch beileibe nichts, was ausreicht, das ich nun die Arme hochreissen müsste und Hurra schreien. Kann man, bis auf vereinzelte Ausnahmen hören, tut niemandem weh. Aber mal so ganz nebenbei: hat eigentlich noch jemand das Gefühl, den “Marsch” der da so fröhlich in “War On Error” hineingesamplet wurde, bereits aus “…No” von Zentriert Ins Antlitz zu kennen?

JermaineBelgardioWäre “Random Is Resistance” ein Album, mit dem irgendwelche gesichtslosen Newcomer versuchen, die Musikwelt für sich zu erobern, wäre ich voll des Lobes. Über die Produktion, über den Gesang, über den Inhalt. Leider aber sind Rotersand keine Newcomer mehr, sondern eine feste und (eigentlich) zu recht etablierte Größe im Electro-Bereich. Und für eine Band, die ein Album wie “Welcome To Goodbye” abgeliefert hat, ist “Resistance Is Random” ganz klar zu wenig. Zu gleichförmig sind zu viele Songs, zu viel Nervpotential bieten einige wenige. Und von mutigen Exkursen wie seinerzeit mit “Almost Wasted” oder “Storm” fehlt jede Spur. Warum man die Scheibe aber trotzdem kaufen sollte? Nun, weil Rotersand immer noch cool sind. Weil durchaus einige brauchbare Songs enthalten sind. Weil das Artwork und die Verpackung sehr schick ist. Und um Rotersand zu zeigen: Jopp, wir setzen immer noch Hoffnungen in Euch!


Wertung

Inhalt Gesang Klang Fan-Faktor Artwork Gesamt

Trackliste

  1. Yes We Care
  2. Bastards Screaming
  3. Waiting To Be Born
  4. Speak To Me
  5. We Will Kill Them All
  6. First Time
  7. Beneath The Stars
  8. If You Don’t Stop It?
  9. War On Error
  10. A Number And A Name
  11. Gothic Paradise
  12. A Million Worlds To Lose

Anspieltipps

  1. Waiting To Be Born
  2. We Will Kill Them All
  3. Gothic Paradise

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