Mirjam Dreer IVEs ist noch keine Woche her, da stellten wir euch den Debütroman einer jungen, Münchner Autorin vor: “Kleinstadtschlampe” von Mirjam Dreer. Und nach anfänglich Skepsis bezüglich des Titels wurden wir mehr als positiv überrascht. Nun haben wir das Vergnügen euch ein wenig mehr über diese Dame und ihr Werk zu erzählen, oder anders ausgedrückt: Mirjam Dreer erzählt es uns. An dieser Stelle möchten wir uns auch bedanken das Frau Dreer uns ein wenig ihrer Zeit geopfert hat um ein paar Fragen zu beantworten und den Lesern wünschen wir viel Spaß mit diesem ehrlichen und liebenswerten Interview.

MG: Du hast gerade deinen Debütroman „Kleinstadtschlampe“ veröffentlicht. Was für ein Gefühl ist es für dich nun das fertige Exemplar in den Händen zu halten?

Mirjam Dreer: Anfangs bin ich noch bei allen Neuheiten kreischend durchs Haus gelaufen. Z. B. als ich das Ubooks Magazin gesehen hab, in dem mein Interview drin war. Oder solche Sachen wie, mein Buch hat eine ISBN! Mein Buch kostet 9,95 €! Das war total aufregend. Und als ich es zum 1. Mal selbst in den Händen hielt, war das so unwirklich. Erst, als ich es dann im Hugendubel, wo ich arbeite, auf den Pyramiden liegen sah, wurde mir so richtig bewusst, dass jetzt wirklich jeder das lesen kann, was mir so durch den Kopf geht.

MG: Wie kam es, dass gerade dieses Thema zum Inhalt wurde?

Mirjam Dreer: Oje, das weiß ich nicht mehr. Ich wollte einfach über ein selbstbewusstes Mädchen schreiben, dass sich von niemandem was sagen lässt und einfach ihr Ding durchzieht. Und es sollte zu meiner Generation passen. Und dazu gehören nun einmal auch Sex und Drogen.

MG: Kann man diesen Roman auch als autobiographisch betrachten oder ist er frei erdacht?

Mirjam Dreer: Manche Dinge muss man selbst erlebt haben, um darüber schreiben zu können und der Rest ist erdacht. Was mir allerdings selbst passiert ist, werde ich nicht verraten, da kann sich der Leser schön selbst seine Gedanken machen.

MG: Eine tolle Sache sind die Kapitelüberschriften in deinem Roman. Wie kamst du auf die Idee Songtitel für die Überschriften zu verwenden?

Mirjam Dreer: Zuerst waren die Kapitel nur nummeriert. Aber der Verlag wollte Überschriften. Allerdings fand ich es zu langweilig einfach nur irgendwas aus dem Kapitel zu greifen, das dann irgendwie als Überschrift passt. Außerdem sind manche Kapitel so kurz, dass eine Überschrift gar keinen Sinn ergäbe. Also hab ich mir für jedes Kapitel einen Song ausgesucht. Entweder weil er inhaltlich oder emotional gut zum Kapitel passt.

MG: Spiegeln die Songs auch deinen eigenen Musikgeschmack wieder?

Mirjam Dreer: Ja klar! So ziemlich jedes Lied im Buch ist auch auf meinem ipod. Außer „Runaway“ von Gentleman, da hab ich nur irgendwas Reggae-mäßiges gebraucht. Aber sonst trifft das so ziemlich genau auf meinen Musikgeschmack zu.

MG: In „Kleinstadtschlampe“ kommt die Sprache sehr oft auf das Thema Sex, Drogen und Alkohol. Wie stehst du selber zu diesen Dingen?

Mirjam Dreer: Seit ich alleine wohne ertappe ich mich des öfteren dabei, noch ein Feierabendbierchen zu kippen (lacht), aber die Zeiten, wo ich wirklich jedes Wochenende besoffen war, sind vorbei. Vor allem, weil ich seit einiger Zeit immer einen Mörderkater am nächsten Tag hab. Das war mit 15 noch nicht so. Was die Drogen betrifft ist es bei mir nie übers ausprobieren hinausgegangen. Die durchfeierten Nächte im Buch sind mir durchaus bekannt, aber es geht auch ganz gut ohne Chemie. Und Sex… ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich darauf verzichten könnte. Wenn ich genervt oder zickig bin, dann wissen meine Freundinnen immer schon, dass ich die letzten Nächte wohl immer allein schlafen musste. Aber es gibt auch wichtigeres im Leben. Glaub ich. (lacht)

MG: Dient dein Roman eher der Unterhaltung oder möchtest du den Lesern etwas bestimmtes vermitteln?

Mirjam Dreer: Ich möchte auf keinen Fall wie ein Moralapostel rüberkommen, so nach dem Motto „Das Leben, das Mia führt, kann zwar zeitweise recht lustig sein, aber im Grunde ist sie ein ganz einsames Mädchen, dass sich auch nur nach Liebe sehnt.“ Sie will einfach ihren Spaß haben, ohne große Message. Wenn die Mädels, die das Buch gelesen haben, sich von Mia inspiriert fühlen, dann sind die hoffentlich so aufgeklärt, dass sie keinen Mist bauen. Und sie müssen damit umgehen können, als „Schlampe“ bezeichnet zu werden, das lässt sich einfach nicht vermeiden. Ein Mädchen, dass viel Sex mit ständig wechselnden Partnern hat, nur zum Vergnügen, hat es nach wie vor schwer in unserer Gesellschaft. Aber ansonsten möchte ich hauptsächlich unterhalten. Vielleicht kann ich jemandem einen verregneten Sonntag ein bisschen versüßen. Schließlich ist es ja kein Buch, an dem man wochenlang rumliest.

MG: Wie man weiß sind Bücher deine Leidenschaft, welches Genre liest du denn am liebsten?

Mirjam Dreer: Momentan komm ich einfach nicht los von den ganzen Pop-Literaten wie Schamoni, Kracht, Kuttner, Strunk, Lottmann. Aber im Grunde lese ich alles. Außer Fantasy. Das ist so gar nicht mein Ding.

MG: Gibt es Vorbilder die dich zum Schreiben animiert haben oder einfach Schriftsteller die deine Bewunderung haben?

Mirjam Dreer: Sebastian Lühn wird wohl immer meine Nummer 1 bleiben. Sein erstes Werk „Ra(s)tlos“ ist wohl das beste Buch, dass ich jemals gelesen habe. Dann gibt es noch Zoran Drvenkar, der die besten Jugendbücher schreibt und sein Gedichtband „Was geht wenn du bleibst“ lese ich mindestens einmal täglich um mir ein passendes Gedicht für meine Stimmung auszusuchen. T. C. Boyle ist auch noch ein ganz Großer. Von dem hab ich so gut wie alles gelesen. Meine größte Inspiration für mein 2. Buch ist wohl Dirk Bernemann. Vor ein paar Jahren hab ich mal eine Kurzgeschichte zu „Fickmensch“ aus „Ich hab die Unschuld kotzen sehen 2“ gelesen. Diese Geschichte war wie ein Blick in den Spiegel, so traurig das auch klingt. Ich wolle so was auch machen, nur aus weiblicher Sicht.

MG: Dürfen wir denn auch weiteres in Buchform von dir erwarten?

Mirjam Dreer: Natürlich, ich bin schon fleißig am schreiben. Allerdings ganz anders als die „Kleinstadtschlampe“. Ohne Sex und Drogen wird zwar auch das 2. nicht auskommen, aber es wird trotzdem nicht vergleichbar sein.


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