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MESH – A Perfect Solution

Mesh - A Perfect SolutionDas hat aber auch lange gedauert. Drei Jahre nach dem großen Erfolg des 2006er Albums “We collide” brachten die mittlerweile nur noch als Duett bestehenden Briten von Mesh am 23. Oktober pünktlich zur Europatournee endlich ihr lang ersehntes Album “A Perfect Solution” heraus. Ob die neue Scheibe tatsächlich die perfekte Lösung für euren CD-Player zur Herbst- bzw. Winterzeit ist, wollen wir versuchen zu klären.
Vorweg: wer schon mit dem Gitarrenzuwachs auf “We collide” nichts anfangen konnte, der wird jetzt hier vielleicht keine Luftsprünge bis zur Decke machen, aber eines sei versichert: das Geschrammel klingt niemals so aufdringlich wie bei der Apoptygma-Gurke “Rocket Science”. Die Synthie-Klänge stehen bei Mesh ganz klar auch in 2009 im Hintergrund – und daß die Jungs tolle Synthie-Melodien aus dem Effeff beherrschen, ist keine Neuigkeit.

Schon der Opener trifft voll ins Schwarze: ein druckvoller Midtempo-Song, der 100% Mesh ist, 100% in die Beine geht und 100% stimmig ist. Tolle Melodien, ein noch tollerer Gesang und ein gefühlvoller Text. Alles nichts Besonderes bei Mesh? Nö… aber so lange sie das, was sie am besten können, so gut machen wie hier, gibt´s eigentlich keinen Grund böse zu sein – ein ganz starker Auftakt, meine Herren!
Und kaum ist der Hörer sofort mittendrin statt nur dabei in der Synthpopwelt von Mesh, folgt auch schon die Vorabsingle “Only Better”, die sich bereits im Club etablieren konnte, die zwar vielleicht ein klein wenig nach der ungemütlichen “Nummer Sicher” klingt hinsichtlich einer MCD-VÖ, aber im Rahmen des Fulltime-Albums alles andere als überflüssig aussieht.
Track Nummer drei führt den eingeschlagenen Midtempo-Weg eindrucksvoll fort: “Everything I made” war bereits als Remix auf der “Only Better”-Maxi vertreten, kommt hier aber nicht ganz so bassdominant daher. Die Album-Version ist weitaus poppiger und wesentlich stimmiger als der o.g. Remix von Kloq. Auch dieser Song gehört ganz klar zu den stärksten auf “A Perfect Solution”.
Apropos Stärken: die erste Synthie-Ballade des Albums (“Is it so Hard?”) läßt wieder keine Zweifel aufkommen: Mesh sind die absoluten Melodie-Könige. Dieser Titel lädt fast schon zum Schunkeln ein, rutscht trotzdem niemals in naiven Kitsch ab und ist mindestens genauso klasse wie die zweite Ballade mit dem einfachen Namen “It´s gone”. Wer solche in Lieder verpackte Gefühle nicht als gelungene Popmusik akzeptieren kann, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

Insgesamt und in der chronologischen Reihenfolge betrachtet läßt sicht feststellen, daß die zweite Hälfte des ca. einstündigen Werkes nicht mehr ganz so stark daherkommt wie die erste. Vielleicht hätten die Jungs die Hits hier etwas besser verteilen können. Sei´s drum, denn auch Track #8 gehört zu den Highlights des Albums: “Who says?” trällert Mark Hockings mit der zur Zeit sehr häufig vertretenen Gastsängerin Julia Beyer (Chandeen). Es läßt sich zwar attestieren, daß der Song nicht der weltweit abwechslungsreichste ist, aber dennoch – so wie er produziert wurde -  funktioniert. Julia Beyer pfeift hier eher auf Distanz und überläßt Mark gerne den Vorzug in den Vordergrund.

Neben dem Duettstück überrascht “A Perfect Solution” mit überdurschnittlich langen Liedern. Von den insgesamt 11 Stücken laufen nur deren drei unter fünf Minuten! Das ist wahrlich ungewöhnlich für Mesh sowie das Genre, in dem sie sich bewegen. Die Erklärung ist dabei sehr simpel, es handelt sich nicht etwa um speziell fürs Album angelegte Extended-Fassungen, sondern die Songs wurden “künstlich” aufgepimpt durch (völlig überflüssige!) Instrumentals am Ende der jeweiligen Titel. Diese haben von der Soundstruktur im Prinzip nichts mit dem eigentlichen Song zu tun, sind aber dennoch Teil von selbigem. “Hö? Das´ ja Blödsinn!” denkt ihr euch jetzt? Zu recht! Wenn schon Instrumentals als Übergangsstücke, dann bitte separat als Titel mit auf die CD brennen, wie es z.B. Project Pitchfork gerne zelebrieren. So jedoch bekommt der Hörer uninspiriertes Geplänkel an ein an sich sehr schönes Stück Musik geklatscht, daß dort im Grunde nichts zu suchen hat. Ein ärgerliches und mißglücktes Experiment! Dann lieber 15 x 3:45 Min Songs anstatt Fade outs mitten im Song mit anschließenden Instrumentals, die niemand braucht.

Von dem Album gibt es neben der Basisversion auch eine Limited Edition in einer Box mit einem A1 Tourplakat, einem 48 seitigen Songbook sowie einer 7″ Vinyl (“Only Better Ollie´s Mix” & “Hold and Restrain”).

AshEine durchaus runde Sache, die Mesh da abgeliefert haben. Mit “A Perfect Solution” kann im Prinzip niemand etwas falsch machen, der mit Mesh und melodiöser synthetischer Popmusik etwas anzufangen weiß. Wer allerdings auf der Suche nach einem Album ist, das das Rad neu erfinden zu versucht, der greift lieber zu einer anderen Scheibe. Ob es nun die titelgebene “perfekte” Lösung ist, kann aufgrund der o.g. albernen Instrumentals nicht ganz eindeutig mit “Ja” beantwortet werden, aber wenn wir uns auf “A Good Solution” einigen könnten, dann würde ich das ohne mit der Wimper zu zucken sofort unterschreiben.


Wertung

Inhalt Gesang Klang Fanfaktor Artwork Gesamt

Trackliste

  1. If we stay here
  2. Only Better
  3. Everything I made
  4. Is it so Hard?
  5. Hold it Together
  6. It´s gone
  7. How long?
  8. Who says? [Duett mit Julia Beyer]
  9. Hopes. Dreams
  10. Want you
  11. The Bitter End

Anspieltipps

  1. If we stay here
  2. Everything I made
  3. Is it so Hard?
  4. Who says?

Tourdaten

  • 25.11.09 | Alphen aan den Rijn, NL | Het Kasteel
  • 26.11.09 | Köln | Live Music Hall
  • 27.11.09 | Antwerpen, B | Hof ter Lo
  • 28.11.09 | London, UK | O2 Academy Islington
  • 29.11.09 | Wolverhampton, UK | Robin 2
  • 05.02.10 | Madrid, E | Caracol
  • 06.02.10 | Barcelona, E | Sala Bikini
  • 20.02.10 | Moskau, RU | Tochska

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