ASP - ZaubererbruderIm Augenblick begeistert Krabat, basierend auf dem Jugendbuch von Ottfried Preußler, die Kinogänger dieses Landes. Aber auch die Gothic-Novel-Rocker rund um Maestro ASP haben sich der sorbischen Sagengestalt angenommen und ihre Interpretation in Form des “Zaubererbruder”s versilber(-ling-)t. Ich denke, es überrascht niemanden wenn wir vorab schon mal feststellen, dass die Frankfurter hier einmal mehr ganz und gar Großartiges geleistet haben.

Bevor wir uns dem eigentlichen Album zuwenden, sollten wir an dieser Stelle eventuell mal kurz das Augenmerk auf die zugrunde liegende Sage richten. Denn nicht jeder war im Kino, nicht jeder hat sich vorab mit der Sage befasst – und so ganz ohne Vorwissen sollte man den Versuch, den “Zaubererbruder” zu genießen, nicht unternehmen. Zwar erschließt sich vieles aus der ASP’schen Lyrik, trotzdem kann es nicht schaden, vor Hörgenuß wenigstens schon mal von Krabat gelesen zu haben. Ergo: Bemühen wir mal Wikipedia, bei der man sich wie folgt über die Krabat-Sage informieren kann:

In der bekanntesten Fassung, die um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert spielt, verirrt sich Krabat, ein sorbischer Betteljunge, im Wald und stößt dabei auf die Schwarze Mühle bei Schwarzkollm. Er wird dort vom Meister der Mühle als Lehrling aufgenommen, muss jedoch erkennen, dass sein Meister ein Zauberer ist, der im Bund mit dem Teufel steht. Indem er heimlich im Buch des Meisters liest, wird er dem Meister überlegen. Jedoch verraten ihn die anderen Lehrlinge. Vor der Rache des Meisters kann ihn nur die Liebe der Mutter zu Krabat retten, indem sie ihn unter den in Raben verwandelten Lehrlingen erkennt. Deshalb flüchtet er nach Hause und vereinbart mit ihr ein Zeichen, an dem sie ihn erkennen kann. Durch diese List wird Krabat befreit. Als der Meister von dem Betrug erfährt, stellt er Krabat in einem Duell, das Krabat gewinnt.

Später nutzt Krabat seine Zauberkraft, als er beispielsweise Kurfürst Friedrich August I. (August den Starken) vor den Türken rettet, indem er einen Giftmord an ihm verhindert. Der Landbevölkerung half er, indem er mit Hilfe seiner magischen Kräfte karge Böden fruchtbar machte und Sumpflandschaften trocken legte. Nach seinem Tod verwandelte sich Krabat in einen weißen Schwan und erhob sich in den Himmel. Noch heute gilt Krabat in der Lausitz als Schutzpatron der Landbevölkerung.

Soweit Wikipedia. Ähnlich wie seinerzeit Herr Preußler haben sich die Jungens von Asp diverse künstlerische Freiheiten in der Vertonung des Materials erlaubt. Auf die (namentliche) Unterstützung August des Starken durch Krabat wartet Ihr in diesem Hörerlebnis ziemlich vergebens. Vielmehr ist es nämlich so, dass Krabat die Mühle entdeckt, sich dem Meister anschließt, das düstere Treiben durchschaut, sich abwendet und schlußendlich dem Meister nach einer verlustreichen Lehrzeit den Garaus macht.

Abgesehen von der konsequenten inhaltlichen Umsetzung der Krabat-Sage (Stichwort: Konzeptalbum) wissen Asp mit der musikalischen Ausgestaltung zu begeistern. Natürlich haben wir es hier mit typisch asp’schen rockigen Tracks wie “Krabat”, oder “Denn ich bin Der Meister”, die auch ganz wunderbar live funktionieren (wie das M’era Luna und die dortige Darbietung des “Meisters” bewiesen hat), zu tun. Aber auch dass sich die Frankfurter im dezent mittelalterlich angehauchten Folk zuhause fühlen lässt sich beim “Zaubererbruder” erkennen – nicht zuletzt beim gleichnamigen Duett mit Eric Fish.

JermaineBelgardioAsp entführen ihre Hörerschaft in eines der atmosphärisch stimmigsten schwarzen Alben ever. Es sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass der “Zaubererbruder” beileibe kein Album ist, das mal eben locker flauschig nebenbei hören lässt. Auch für Autofahrten eignet es sich nur bedingt. Asp erzählen hier eine auf 15 Songs verteilte Geschichte, die es erwartet und verdient, dass man sich ihr mit ganzer Aufmerksamkeit hingibt. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Wer den “Zaubererbruder” verpasst… tja nun ja… selbst schuld!

Wertung

Inhalt Gesang
Klang Fan-Faktor Artwork Gesamt

Trackliste

CD1:

  1. Intro: Betteljunge
  2. Krabat
  3. Die Teufelsmühle
  4. Denn ich bin der Meister
  5. Fluchtversuch
  6. Elf und Einer
  7. Mein Herz erkennt Dich immer
  8. Verwandlungen I – III

CD2:

  1. Abschied
  2. Der Schnitter Tod
  3. Spottlied auf die harten Wanderjahre
  4. Zaubererbruder
  5. Der geheimnisvolle Fremde (Ja, ja, drei Mal Hurra!)
  6. Am Ende
  7. Zwei Schwäne

Anspieltipps

  1. Denn ich bin der Meister
  2. Elf und Einer
  3. Verwandlungen I – III
  4. Abschied

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