Z-EFFEKTOR – Zwischen XII Uhr
In der über Musik berichtenden Branche ist wohl das tollste, wenn man von den Plattenfirmen die Promo-CD eines demnächst erscheinenden Debütalbums einer vielversprechenden Band serviert bekommt. In einer Welt, wo sich der eine beim anderen bedient und wirklich neues Klangmaterial, das selbst den gestandensten Musikjournalist noch überrascht selten ist, bleibt genug Spielraum für die Debütanten, mal so richtig auf den Putz zu hauen und dieser unserer Szene ihren Stempel aufzudrücken. Leider wird dieses Potential oft genug genauso schnell verschenkt, wie es aufgetan wurde. Beim vorliegenden “Zwischen XII Uhr” der Stuttgarter Z-EFFEKTOR könnte es aber sein, dass sie ihre Chance für einen guten ersten Eindruck genutzt haben.
Die erste Assoziation, die mir beim Bandnamen Z-Effektor kam, war: “Z-Effektor? Hat das was mit dem Flux Kompensator zu tun?”. Und richtig: Denken wir zurück an die grandiose Filmreihe Back To The Future, dann erinnern wir uns, dass der im schnuckeligen De Lorean verbaute Apparat für Zeitreisen zuständig war. Und ähnlich wie jenes besagte Dingelchen ist auch die Musik, welche die Stuttgarter auf ihrem Debüt abliefern, eine Reise durch diverse musikalische Epochen, permanent verpackt in ein elektronisches Gewand (das manchmal richtig stampfend daher kommt), angereichert mit einem bunten Allerlei an (oftmals sakral anmutenden) Details wie Kirchenglocken, Orgelklänge, greogorianisch wirkenden Choreffekten, Streichern und so weiter. Dazu gibt es die im elektronischen Bereich scheinbar obligatorischen Samples) sowie in diesem Fall manchmal fragilen, engelsgleichen Gesang, manchmal wütendes Geschrei des gleichen Stimmchens. Um Abwechslung war das Quartett jedenfalls ohrenscheinlich definitiv bemüht.
Der Opener des Albums mit dem seltsamen Titel ist ganz klar eines der Glanzstücke dieses Debüts, stellen sich Z-Effektor mit ihrem sphärischen, an New Age Heroen wie Vangelis oder Jean Michel Jarre erinnerndem Kleinod mal eben so auf eine Stufe. Leider bildet dieses traumhaft schöne Stück die Ausnahme. Sehr schade, denn neben dieser Art Song, die übrigens auch jedem heavenly voices Fan ein kurzes Hochgefühl bescheren dürfte, sind lediglich die mit mehr wütendem Sprech- als Gesang vorgetragenen Songs genau DIE Lücke, die Z-Effektor füllen könnten.
Andere Songs wie das “Spinnlein”, das auf mich wie Minnesang im elektronischen Kleid wirkt, sind zwar nett, hörbar und in diesem Fall durchaus auch clubtauglich, insgesamt aber (noch?) zu wenig herausragend, um dauerhafte Spuren in der Musiklandschaft der Schwarzen Szene hinterlassen zu können.
Was bleibt ist ein gut hörbares Album mit einigen tollen Momenten, das vor allem durch die vielen Details im Klangbild lebt, die sich bisweilen eben nicht beim Nebenbei-Hören erschließen. Trotz kleinerer Schwächen, die vor allem bei einem Erstlingswerk verzeihbar sind, präsentieren sich Z-Effektor als eine aufstrebende junge Band, die verdient um Eure Aufmerksamkeit buhlt.
“Zwischen XII Uhr ist von einem perfekten Album zwar noch ein ganzes Stück entfernt, dennoch kann ich nicht leugnen, dass es die Stuttgarter bestens verstanden haben, mich über die ganze Spieldauer des Albums bei Laune gehalten haben – auch wenn ich bei manchem Song dachte, dass man dieses oder jenes möglicherweise anders hätte machen können. Für mich persönlich schließen Z-Effektor momentan die Lücke, die Tristesse De La Lune hinterlassen haben, aber ich bin mir sicher: Da geht noch mehr! Und jepp: Der erste Eindruck war demnach gut.
Wertung
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