PORTION CONTROL – Crop

PortionControl_CropErschreckend unbekannt sind die Jungs von der Insel, deren Bandgründung im Jahre 1980 liegt. Und das, obwohl sie zweifelsohne zu den Wegbereitern kommerziell erfolgreicher, elektronsicher Bands wie zum Beispiel Frontline Assembly zählen. Dabei wären Portion Control sicher auch einen ähnlich erfolgreichen Weg gegangen: ihre Musik fand zahlreiche Anhänger, sie tourten mit Depeche Mode und doch begingen sie einen folgenschweren Fehler: Ihm Jahr 1987 lösten sie sich auf.

Glücklicherweise hatten John Whybrew und die anderen Bandmitglieder (inzwischen nur noch eins) 2002 ein Einsehen und reformierten sich. Fleißig haben sie seitdem 4 Alben veröffentlicht, wovon wir uns nun mal kurz das aktuellste, „Purge“ anschauen und hören.
Durch den oben beschriebenen Umstand baut sich durchaus eine gewisse Erwartungshaltung auf. Vielleicht schafft es eine Band wie Portion Control ja, nach einem eher einfallslosem aber anständig produzierten Vorgängeralbum, mal einen gewissen Inspirations- und Innovationspegel aufzugießen, ohne dabei die schönen Wurzeln des alt-elektronischen zu vergessen.
Das Album startet diesbezüglich auch durchaus vielversprechend: Der Eröffnungstrack „Hardman“ könnte als Intro besser nicht sein. Ruhig, spannungsaufbauend.. irgendwie anders. Eine Mischung aus (gutem) Synthiepop und eindringlichen EBM-Klängen.
Leider, leider kann man diesen Track auch schon zu den wenigen Highlights des Albums zählen. Zwar gibt es hier und da durchaus hellere Lichtblicke, wie die experimentellen „Onion Jack“ Songs, die nicht nur durch Ihre Länge von durchschnittlich 16.00 Minuten auffallen, sondern auch durch den Mut, es mal mit vielschichtigeren Klangmustern zu probieren. So entsteht ein guter Mix aus „alt und neu“, wie man es sich für den Rest des Albums gewünscht hätte. Zu einfallslos, du routiniert wird hier sonst Old-School-Elektro runter geleiert, was inzwischen einfach kaum noch wen interessiert.
Wäre da nicht die dem Album beigelegte EP, müsste das dieses Werk trauriger weise als schnöden EBM-Sammelcontainer bezeichnen, der sich mindestens so alt anhört, wie die vermeintliche Zielgruppe ist. Doch was das Duo hier mit 4 Tracks zeigt, ist überraschenderweise ein riesiger Schritt nach vorn. Sämtlichen Songs haftet etwas Stimmiges, Neues an, dass man hier tatsächlich mal das Bedürfnis hat, sich zu den gebotenen Klängen auch zu bewegen! Die Songs sind vielschichtiger aufgebaut, driften zwischen minimalistischen, ruhigen, schnellen und brachial-elektronischen Klängen. Hier wollte man sich ausnahmsweise mal nicht auf die todbringende und verrostete EBM-Schiene(ngleis) legen und traut sich was. Dieser vermeintliche „Bonus“ zum Album ist somit nicht nur ein Highlight, sonder erschient als der Retter eines Werks, dem etwas mehr Mut und vor allem etwas mehr Blick auf’s Publikum nicht geschadet hätte. Die Möglichkeit, mal den jüngeren „Elektros“ ein Signal in die frühere Richtung, jedoch mit Blick nach Vorn zu geben, wurde jedoch leider vertan.

avatarTOPIch fand Portion Control eigentlich immer nur Live wirklich gut; trotzdem hör ich’s gelegentlich auch nebenbei von CD.. große Selektion musste man dabei in der Regel nicht betreiben.. aber bei dem Album, werd ich mir wohl die Rosinen rauspicken müssen.. ein großer Gähner ist alles, was ich zu sagen habe…


Wertung

inhaltg gesang gesangg fanfaktorg artworkg gesamtg

Trackliste

Disc1:

  1. Hardman
  2. Global
  3. Pure Menace
  4. Blood Rushes To Head
  5. Blind Eyes>
  6. Too Much Damage
  7. Onion Jack II Segue
  8. Chew You To Bits Rebuild
  9. Sickman
  10. Onion Jack IV Segue

Disc2:

  1. Brain Scraper Death Dive Rebuild
  2. Defend NTRSN Version
  3. Witness/Transmission Intro
  4. Amnesia09

Anspieltipps

  1. Hardman
  2. Onion Jack IV Segue
  3. Brain Scraper Death Dive Rebuild
  4. Amnesia09

Links

www.portion-control.net


Diskussion im Forum:

http://www.madgoth.de/forum/musik-reviews/5651-portion-control-crop.html#post76622

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