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SENSORY GATE – Ianus

Das Jahr 2010 ist noch jung und hatte demnach noch nicht fürchterlich viele Möglichkeiten, musikalische Überraschungen zu präsentieren. Ende Januar ändert sich das aber, denn dann betreten SENSORY GATE mit ihrem Debütalbum “Ianus” endlich richtig die Musikbühne. Wem in dieser fürchterlich kalten Jahreszeit der Sinn danach steht, das Herz wenigstens durch Musik gewärmt zu bekommen, sollte an dieser Stelle weiterlesen, denn “Ianus” ist Musik mit Gefühl. Viel mehr Gefühl.

Bei Sensory Gate handelt es sich um eine deutsch-italienische Band, die  im schönen Jahre 2004 zunächst als Soloprojekt von Andrea Pozzi gegründet wurde. Zunächst beschäftigte sich man mit Remixen für Bands wie Collide, Nine Inch Nails oder Kirlian Camera. Für die Nachbearbeitung von “Tora Firome” von Dark Territory schloß sich zunächst Daniele “Manguss” Cagnotto dem Projekt für die ein oder andere Handarbeit an der Gitarre an. Ein paar Wochen später folgte Max Iannuzzelli und -schwupps- schon war Sensory Gate eine richtige Band.  2008 folgten ein paar Gemeinschaftsarbeiten mit anderen Bands, so unter anderem Klangstabil. 2009 beschloss Daniele Cagnotto, die Band zu verlassen. Wegen anderer musikalischer Interessen, wie es heisst. Die ein oder andere Spur hat er dennoch in einigen Songs des Debüts hinterlassen. Das nur als kurzer Abriss zur Vita der Band.

Woher sie kamen und was sie in ihrem Leben vor Sensory Gate machten, interessiert so manchen Musikfreund aber oftmals leider eh nur peripher. Entscheidend ist das hier und jetzt. Und dem wollen wir uns nun auch endlich mal widmen. Um es vorab in einem prägnanten Satz zusammen zu fassen: “Ianus” ist zeitlos schöner Elektro-Alternative-Pop, angefüllt mit schwebenden, sofort ins Ohr gehenden Melodien und einer wunderbar melancholischen (nicht wehleidigen!) Grundstimmung.

12 Songs hat das von Ein-Mann-Projekt zum Trio gewachsene und zurück zum Duo geschrumpfte Projekt auf dem vorliegenden Silberling versammelt. 12 Songs, die so arrangiert wurden, dass keines der einzelnen Bestandteile – seien es nun die angenehm vielfältige Instrumentierung (von obligatorischen Drums, Gitarren und Piano bis hin zu gefälligen, weil unaufdringlichen Synthie-Spielerein ist hier alles mögliche dabei) oder der charmante, weil ohrschmeichelnde Gesang – sich besonders in den Vordergrund drängt. Das verschafft den hübsch komponierten Songs die nötige Luft, den nötigen Freiraum die sie brauchen, damit die sehr luftigen Songs ihre volle Wirkung beim Hörer erzielen können. Und die reicht von himmelhochjauchenzd bis zu Tode betrübt. Und das, obwohl die Songs akustisch weder in das eine Extrem noch ins andere abdriften.

Bereits das Eröffnungsstück “Crowd” zeigt sehr deutlich auf, in welche Richtung der Rest des Albums gehen wird: ein Höchstmaß an eingängigem “easy listening”, das bitte nicht, unter keinen Umständen, mit Kaufhausmusik gleichzusetzen ist! Damit würde man diesem zauberhaften Debüt sehr Unrecht tun. “Ianus” erscheint in einer Zeit, in der unser Land teilweise mit heftigen Schneemassen zu kämpfen hat und die Temperaturen ausreichen, um so manches Gesäß um diverse Frostbeulen zu bereichern. Diese Winterwunderwelt kann durchaus sehr schön sein, melancholisch veranlagte Menschen haben in dieser Zeit aber sicherlich so manches Kreuz zu tragen. Wer nun also sinnsuchend und stumm den Tag verfluchend durch die Schneemassen stiefelt, sollte sich mal “Ianus” über Kopfhörer zu Gemüte führen. Ganz still und heimlich wärmen die hier versammelten Songs das Herz, ohne das der Hörer dabei mit Heile-Welt-Kitsch eingelullt wird. Viel mehr ist es so, dass Sensory Gate, ähnlich den stilistisch ähnlichen Escape With Romeo, es schaffen, dass man sich in der guten Stunde Laufzeit des Albums einfach gut fühlt. Geborgen. Angekommen in einer Klangwelt, die eine Art musikalisches Zuhause bietet.

Mit “New Dawn” zum Beispiel haben Sensory Gate gleich auf dem Debüt, gleich zum Jahresbeginn, einen der Songs geschaffen, von dem man am Ende von 2010 sagen wird, es sei einer der schönsten gewesen, den dieses Jahr hervorgebracht hat. Das italienisch-englische “Again” wird manchen Musikliebhaber unweigerlich an “Gridami” der klangstabilen Labelkollegen denken lassen. Kein Wunder, denn “Gridami” stammt aus der Feder von Sensory Gate. Großartig ist übrigens auch das Stück “Purgatory”, das passenderweise mit gregorianischen Gesängen aufgepeppt wurde, um dem Inhalt die nötige Dramatik zu verleihen.

Man könnte sich wohl noch seitenlang über “Ianus” auslassen, belassen wir es an dieser Stelle jedoch mit folgender Erkenntnis: Nicht dem Zeitgeist verhaftet, jenseits aktueller Trends und doch angereichert mit einer spannenden Mixtur aus Electro, Pop, Rock, Ambient und Weltmusik ist “Ianus” ein Album geworden, das man auch in Jahren gerade in besinnlicheren Abendstunden immer wieder gerne hervorkramen wird, um sich für eine Stunde aus der kalten, bösen Wirklichkeit entführen zu lassen. Einfach weil es gut ist. Einfach weil es gekommen ist, um zu bleiben.

Sensory Gate ist eine Band, die ich bis zum Erhalt dieses Albums so rein gar nicht auf dem Schirm hatte. Wie auch? Jemand, der bislang nur mit Remixen in Erscheinung getreten ist, löst bei mir höchst selten “oh ja, doch…!” Reflexe aus. Vor dem ersten Hördurchgang war ich dennoch gespannt, was mich erwarten würde. Immerhin erscheint “Ianus” beim Label Megahertz, wo auch die Electrokappellgroßmeister Klangstabil zuhause sind. Und auch wenn “Ianus” nicht den Assoziationen entsprach, die die Begriffe Megahertz und Klangstabil bei mir auslösen, so war “Ianus” große Überraschung und großes Hörvergnügen gleichermaßen. Das Jahr 2010 hat mit “Ianus” ein erstes musikalisches Highlight bekommen und ich würde mich nicht wundern, wenn wir “Ianus” in der Jahresendauswertung wiederfinden. Bevor ich hier nun aber weitere Superlative verbrate, lassen Sie mich es bitte so sagen, Ladys & Gentlemen: Fantastisches Debüt!


Wertung

Gesang Klang Fan-Faktor artworkg Gesamt

Trackliste

  1. Crowd
  2. Laying Hopes
  3. Senseless
  4. Hallowed
  5. In The Distance (The Black Monolith)
  6. Murder 23
  7. Purgatory
  8. Again
  9. Stay Here
  10. Streets
  11. New Dawn (Album Version)
  12. Ianus

Anspieltipps

  1. Laying Hopes
  2. Purgatory
  3. New Dawn

Links

www.myspace.com/sensorygate


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