SNOVONNE – It’s Sno, Baby – Not Sugar
Ich war misstrauisch, als ich die CD erstmals in den Händen hielt. Nein, ich hatte sogar Angst. Der Name Snovonne klang verdächtig nach Frauenzimmer und der Albumtitel verhieß – Gott steh uns bei! – R & B, was die Presseinfo nebst Foto noch verstärkte. Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen, flehte ich im Geiste. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Ein Schwächegefühl überkam mich. Jetzt war es also passiert, die Charts hatten endlich das letzte Territorium erobert, unsere Bastion gestürmt… aber halt! Meine Wahnvorstellungen werden jäh unterbrochen, als die Musik loslegt. Ja, Snovonne ist eine Band mit gleichnamiger Sängerin, was für mich an sich meist schon ein Makel ist (nicht, dass die Band so heisst wie ihre Sängerin, sondern dass sie eine Sängerin haben). Ich gebe freimütig zu: ich stehe grundsätzlich nicht auf nichtklassischen weiblichen Gesang. Aber das hier, damit kann ich gut leben. Die Geröllsteinmasse, die mir in diesem Moment vom Herzen rutscht, übertönt kurz den Opener When I’m Not Me Then Who Is. Wieso machen die einem mit ihren Bildern und Musiktiteln unnötig Angst? Durch so was bekomme ich vorzeitig graue Haare, ehrlich. Dass es sich bei It’s Sno, Baby – Not Sugar um das Debut-Album der Band handelt entschuldigt nur teilweise diese Irreführung meinerseits. Möglich auch, dass sich die slowakischen und englischen Bandmitglieder noch auf einen einheitlichen Erscheinungsstil einigen müssen und sich das Ganze noch einspielt. Zumindest macht mir das Cover nur halb soviel Angst wie das Pressefoto, genaugenommen ist es sogar recht hübsch schwarzromantisch, wie man das so schön nennt. Aber auch diese Assoziation passt nicht ganz auf die Musik, wie mir klar wird.
Das allerschönste jedoch ist, dass die Musik und der Gesang nichts mit Rhythm & Blues zu tun haben, sondern eher an Inkubus Sukkubus, Emilie Autumn, Siouxie & The Banshees und Gitane Demone erinnern. Vielleicht gibt es noch passendere Vergleiche, aber ich darf daran erinnern: ich bin üblicherweise kein Fan weiblichen Gesangs, daher fehlt mir gewissermaßen das Vergleichsmaterial. Sei es wie es will, trotzdem erkenne ich eine kräftige, charismatische Stimme, wenn ich sie vor mir habe. Da braucht man keine Angst zu haben, dass der Dame die Luft weg bleibt, wenn es drauf ankommt. Genau diese Stimme macht sich nicht nur sehr gut mit den satten Gitarren, sondern ebenso mit den Streichern und klassischen Elementen. Daher ist es auch schade, dass die Stimme manchmal durch überbordende Riffs etwas in den Hintergrund gedrängt wird, aber irgendwas ist ja immer. If I’m Not Me Then Who Is ist eben solch ein rockiges Stück mit abwechslungsreichem Gesang wovon ich die ganze Zeit gelabert habe. 2 Damn Years hingegen ist minimalistischer und langsamer und erinnert mich mehr an Emilie Autumn. Insgesamt sind die Songs alle eher schnell, mit Drive und Elan, aber vielleicht auch zu kompliziert und zu wenig griffig, um sofort mitsingen zu können. Könnte aber auch an mir liegen. Der Titeltrack It’s Sno, Baby – Not Sugar klingt wieder ganz stark nach der band, die mir einfach nicht einfällt, aber überall gespielt wird, wo Batcave den Plattenteller berührt. Wo wir auch schon bei der Kernaussage wären: Snovonne ist mal was Anständiges für Batcaver, Horrorpunks und Death Rock-Liebhaber. Wer auf Gitarre mit Orchester steht, ohne dabei unbedingt gleich auf Gothic Metal oder Neofolk abzufahren, ist hier bestens bedient. Trotz abschreckender optischer Gegensätze ist It’s Sno, Baby – Not Sugar wirklich was für Ringelstrümpfe, Stretchjeans und Irokesen. Das ist schön und kommt mittlerweile selten vor. Snovonne müssen sich jetzt nur noch optisch anpassen, dann klappt es auch mit dem WGT. Bleibt nur noch die Frage, wieso dieser Hinweis mit Parental Advisory – Honest Content. Ehrlichkeit ist doch eine anständige Sache!
Fazit: Ein richtiges Schmankerl für alle Batcaver und Urgruftis unter uns. Dabei klingen Snovonne weder verstaubt noch einfallslos. Trotzdem hat man das Gefühl, man kennt schon das ganze Album, so vertraut ist die Musik. Obwohl einem auf Anhieb mindestens 10 andere Bands dazu einfallen, die auch so klingen, ist das Album keineswegs überflüssig. Es macht sich außerdem prima neben der alten Garde im CD-Regal.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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