SUICIDE COMMANDO – Implements Of Hell

Obwohl SUICIDE COMMANDO bereits mehr als 20 Jahre federführend im Musikgeschäft mitmischt, sind die Erwartungen an ein neues Album des belgischen Selbstmordkommandos nach wie vor jedes Mal anständig hoch. Das liegt vermutlich daran, dass Johan van Roy auf große Experimente verzichtet, seinen Stil nur behutsam weiterentwickelt und ansonsten dem Elektrovolk das bietet, was sie von Suicide Commando erwarten: akustisch ordentlich was auf die 12! Das aktuelle Werk “Implements Of Hell” macht da keine Ausnahme.

Bei Suicide Commando ist ja gängige Praxis, ein Album thematisch an den Schattenseiten der Gesellschaft auszurichten. Gern genommene Anschauungsexemplare dafür, was bei uns schief läuft, sind Serienmörder. Bereits das Vorgängerwerk “Bind, Torture, Kill” befasste sich mit dem so genannten “BTK-Mörder” Dennis Rader, der zwischen 1974 und 1991 eine blutige Spur durch die Vereinigten Staaten zog und dabei Polizei und FBI zum Narren hielt. “Implements Of Hell” widmet sich thematisch einem nicht weniger unangenehmen Zeitgenossen. Im Mittelpunkt steht diesmal Albert Fish, der zwischen 1910 und 1934 mordend durch die Lande zog und dessen “Karriere” im Jahre 1934 auf dem elektrischen Stuhl endete. Fishs durchgeknallter Psyche entsprechend für ihn quasi das letzte verbliebene Highlight.

Soviel also zum Inhalt. Allerdings macht sich bei mir manchmal der Eindruck breit, die Entscheidung, sich mit möglichst abartigen Gestalten der Menschheitsgeschichte zu beschäftigen und sie zum Leitmotiv eines Albums zu machen, ist nicht viel mehr als eine Entschuldigung dafür, möglichst evil-ische Texte in möglichst aggressive Musik zu packen. Ein richtiges Konzeptalbum sieht dann doch noch anders aus als das,was Herr van Roy hier auf die Beine gestellt hat. Was der Scheibe aber im Prinzip keinen Abbruch tut, denn sie punktet auf anderen Gebieten.

Dem Sound zum Beispiel. Wie eingangs erwähnt nimmt man bei Suicide Commando immer nur behutsam Modifikationen am Klangbild vor, so dass man Suicide Commando völlig ohne Kenntnis über neues Material vorgesetzt bekommen kann und es dennoch immer zweifelsfrei als Suicide Commando identifiziert. Johann hat halt eine sehr deutliche Handschrift. “Implements Of Hell” ist in technischer Sicht Suicide Commando in Bestform: fette Bässe, schnuckelige (wenn auch manchmal zu repetetitive) Synthie-Spielereien, das Gesamtbild aufwertende “Artefakte”, eingängige und tanzbare Melodien. Johans neues Lieblingsspielzeug scheint zu sein, Synthie-Geklimper ein wenig so klingen zu lassen wie indische Pungi (die eigenwillig geformte Flöte der Schlangenbeschwörer) oder sehr verfremdetes Dudelsackgedudel. Das scheint ihm so gut gefallen zu haben, dass diese Elemente sich immer wieder in den Songs wiederfinden lassen. Was – angesichts der Tatsache, dass Melodien im Hause Suicide Commando eh eher einfach gestrickt sind – natürlich etwas auf Kosten der Abwechslung geht.

Dennoch: Songs “Death Cures All Pain”, “God Is In The Rain”, “Come Down With Me” oder das auch als Winter Edit gefällige “Until We Die” sind heftig wummernde, sehr gefällige Songs, von denen sich so mancher sicher ziemlich bald in den Clubs wiederfinden dürfte.

Was soll ich noch groß sagen? Im Bereich des bösen, bösen Hellectro macht Alt-Meister Johan van Roy so schnell keiner was vor. Er kann’s halt nach wie vor am besten. Aber auch wenn “Implements Of Hell” voller gefälliger Songs steckt, die gleichzeitig die Gehörgänge frei blasen und in einem den Wunsch erwecken, dem Bewegungsdran der körpereigenen Extremitäten nachzugeben – die Wachablösung für “Bind, Torture, Kill” findet in meinen Ohren nicht statt. Dafür wurde der Pungi-soundalike zu oft bemüht, dafür hat das Album fühlbar irgendwie noch weniger Bezug zum Thema als der Vorgänger und auch die Abwechslung kommt eine Spur zu kurz. Aber das ist alles nur Erbsenzählerei. “Implements Of Hell” regelt dennoch und das gewaltig!


Wertung

Klang Fan-Faktor artworkg Gesamt

Trackliste

  1. Intro
  2. The Pleasures Of Sin
  3. The Dying Breed
  4. Die Motherfucker Die
  5. Death Cures All Pain
  6. God Is In The Rain
  7. Hate Me (Retaliate V.1)
  8. Come Down With Me
  9. Severed Head
  10. The Perils Of Indifference
  11. Until We Die (Album Edit)

Anspieltipps

  1. Death Cures All Pain
  2. God Is In The Rain
  3. Come Down With Me
  4. Until We Die

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