SAMSTAG, 18.07.2009:
Es muss wohl gegen 10 gewesen sein, als JB die Augen aufschlug - gut und gerne 2 Stunden, nachdem Kayila und Jeanny schon zum Festivalgelände aufgebrochen waren. Eine belebende Dusche und ein reichhaltiges Frühstück (bestehend aus Schokoladenkuchen und Energy-Getränk) später machte sich auch JB auf, um das bis dahin noch unbekannte Terrain zu erkunden. Erfreulicherweise konnte man direkt durch das angrenzende Messegelände wandern, so dass der Fußmarsch zwischen Hotel und Festivalgelände allenfalls soziale 5 bis 7 Minuten betrug. In unmittelbarer Nähe des Eingangs versuchten dann auch Mitglieder/Anhänger der Piratenpartei, Unterschriften für ihre Bewegung zu bekommen. Selbst hier hat man also keine Ruhe vor der Politik.
Am Eingang angekommen suchte JB zunächst den Presseschalter auf, hinter dem Fotomeister Ritti Platz genommen hatte und der JB auch gleich erkannte. Gästeliste, Pressebändchen - das funktionierte hier alles tadellos und wie am Schnürchen. Einen knappen Monat zuvor hatte JB ja auf einem anderen Festival da zunächst mal einen Schrecken wegen fehlender Gästeliste hinnehmen müssen. Nachdem das also geklärt war und Kayila und Jeanny begrüßt waren machte sich JB auf, einen ersten Erkundungsrundgang über das Gelände am Tanzbrunnen zu wagen. Erster Eindruck: Och, das ja hübsch hier! Vor allem die pilzartigen Pavillons, die sich unmittelbar vor der Hauptbühne verteilten, machten atmosphäretechnisch einiges her. Auch das Theater, das dieses Jahr eigentlich nur als Chillout-Zone gedacht war sowie die Rheinparkhalle (mit ihrem SED Plattenbaucharme im inneren) wussten zu gefallen. Da für das anstehende Wochenende eher Mistwetter angesagt wurde, war man natürlich recht dankbar dafür, dass der komplette Festivalberreich quasi betoniert war, was im Zweifelsfalle eine Schlammschlacht verhindern würde. Ebenfalls sehr positiv anzumerken ist, dass das Amphi - im Gegensatz zu nahezu jedem anderen Festival - mit stationären Sanitäranlagen arbeitet, bei denen auch permanent eine Servicekraft zugegen war, um die Reinlichkeit aufrecht zu erhalten. Das hat während all unserer Besuche auf den örtlichen Schüsseln auch wunderbar geklappt!
Nach diesem ausführlichen Rundgang, bei dem die erste Portion Zaubertrank des Tages konsumiert wurde, hieß es dann für JB: Auf zum ersten Act des Tages und des Festivals:
COPPELIUS:
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Das ich das noch erleben darf: Gleich beim Auftaktkonzert eines Festivals dabei sein, ganz entspannt, ohne Hektik und bereits mit Zaubertrank versorgt! Da macht der Start ins Festival doch gleich noch mal so viel Spaß. Von der Kapelle, die nun aufspielen sollte, hatte ich bisher nichts gehört. Klar, der Name sagte mir was da bereits diverse Male auf irgendwelche Plakaten gelesen, aber sonst? Keinen blassen Schimmer. Die Moderation auf der Hauptbühne wurde -ähnlich wie auf dem Zita Rock in Berlin- von Honey (Welle:Erdball) übernommen. Bei seiner Auftaktmoderation wirkte er jedoch sehr unvorbereitet, da ihm nicht mal der Bandname geläufig war. Nun ja, sei es wie es sei. Nachdem das also erledigt war, betraten die sechs Berliner von Coppelius die Bühne, die Honey nach nicht nur 200 Jahre alt waren, sondern überdies auch noch "spezialnervös". Dafür legten sie aber einen sehr souveränen und höchst gefälligen Auftritt vor bereits erstaunlich zahlreichem Publikum hin. Mit ihrer Bühnenshow und -präsenz hatten die Berliner, die ihre Vorstellung von Metal als eine Mischung aus Schlagzeug, Kontrabass, Cello und Klarinette präsentierten, die Menge vor der Bühne schnell im Griff. Für mich ganz klar DIE Überraschung dieses Festivals und ein höchst gelungener Auftakt. Da nun aber wie so oft Time like a bullet war, konnte ich Coppelius nicht bis zum Schluss gucken, denn parallel spielten in der Rheinparkhalle:
AUTO-AUTO:
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Zuletzt gesehen vor ein paar Monaten in der Meier Music Hall im Vorprogramm von Combichrist, konnten uns die drei Jungs aus Schweden damals schon begeistern. Und wie eigentlich jeder wissen sollte, hatten die Schweden an sich immer schon ein Händchen dafür, Bands zu exportieren, die ein Gespür für großartige Pop-Songs haben. So auch bei dem Trio, das in unseren Breitengraden von Out Of Line vertrieben wird. In der viel zu dunklen, schlecht belüfteten und deshalb viel zu warmen Rheinparkhalle, in der Auto-Auto im Prinzip ihr aktuelles Album "Celeste" präsentierten, wirkten die drei Jungs mangels auffälliger Bühnenshow etwas verloren. Nicht dass das Gebotene nicht gut gewesen wäre oder so, aber wenn man halt nur schlicht seine Songs präsentieren möchte ohne großartigen Schnickschnack drumherum, dann reicht dafür eigentlich auch ein Club. Dennoch: Kayila und mir haben Auto-Auto auch diesmal wieder gut gefallen. Sympathische, talentierte Truppe, die Fans elektropoppiger Musik im Auge behalten sollten. Für Kayila ging es nach diesem Ausflug zurück zum Eingang, ich hingegen wackelte zurück vor die Hauptbühne wegen:
MANTUS:
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Hatte ich noch nie live gesehen, was vor allem daran liegt, dass ich mit der Musik aus dem Hause Mantus ehrlich gesagt nur bedingt etwas anfangen kann. Deren elektronisches Seitenprojekt Black Heaven sagt mir da eindeutig mehr zu. Egal, das ist gerade nicht das Thema. Als ich vor der Bühne ankam, waren Mantus schon mittendrim in dem, was sie Performance nannten. Leider Gottes wirkten alle Beteiligten auf der Bühne auf mich so, als hätten sie maximal keinen Bock auf das, was sie da gerade ablieferten. Auch die Reaktionen im Publikum schwankten zwischen verhalten und höflicher Begeisterung. Mitreissende Performance sieht jedenfalls anders aus. Und so spulten Mantus einen Mix aus alt und neu auf der Bühne ab, dessen Darbietung Mantus leider zu einem der Negativhighlights qualifizierte. Für mich jedenfalls stand nach diesem Trauerspiel fest, dass dies mein erstes und gleichzeitig letztes Mantus-Konzert war. Nach Mantus ging es dann für mich weiter mit:
SOLAR FAKE:
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Das Electro-Projekt von Herrn Sven Friedrich (Zeraphine, Dreadful Shadows) hatte ich bereits im letzten Jahr auf dem Blackfield Festival gesehen und bereits damals hatte mir das Gebotene gut gefallen. Genügend Grund also, auch in diesem Jahr in anderer Location dem Auftritt der Berliner beizuwohnen. Und auch wenn die Show an sich wenig spektakulär ist und somit wenig Überraschungen bietet, so gefiel mir die Performance auch dieses Mal wieder ausgesprochen gut. Zumal Herr Friedrich dieses Mal wieder deutlich selbstsicherer wirkte als noch vor kurzem mit Zeraphine auf dem Blackfield Festival. Definitv eine Band, die ich gerne auch ein weiteres Mal gucke - dann aber bitte mit neuem Material, gelle? Nach dem Auftritt von Solar Fake gab es dann auch keine Verschnaufpause, denn die Bühne wurde frei gemacht für:
THE BIRTHDAY MASSACRE:
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Was soll ich dazu noch groß schreiben? Kaum eine andere Band versprüht so viel Energie auf der Bühne wie Kanadier um Frontfrau Chibi. Und Chibi, die dieses Mal einen Minirock trug, der manch anderem auch als Gürtel gereicht hätte, ging in ihrer Rolle als Rampensau auch ab wie Schmidts Katze. Gespielt wurde ein Querschnitt aus allem, was die aus Toronto stammende Band bisher fabriziert hatte: "Red Stars" war da genauso dabei wie die Tiffany-Coverversion von "I Think We're Alone Now". Für mich war es das dritte TBM Konzert, dem ich beiwohnen durfte, aber es war garantiert nicht das letzte! Man kann sich an der energischen Band, die ihr Publikum auf gekonnte Art und Weise mitzureissen versteht, einfach nicht satt sehen. The Birthday Massacre, als eine DER Partygranaten überhaupt, waren dann für Kayila und mich auch eines der zwei absoluten Konzerthighlights auf diesem Festival! Ganz großartiges Tennis! Nach TBM machten wir eine längere Mittagspause, ehe wir uns wieder auf den Weg zum Gelände machten, da ja mit Feindflug und Agonoize noch zwei Top-Acts in der Rheinparkhalle auf uns warteten.
MARSHEAUX:
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Die beiden schnuckeligen Griechinnen von Marsheaux habe ich eigentlich nur deshalb noch gesehen, da ich pünktlich zum Anpfiff von Agonoize mit Kayila in einigermaßen anständiger Position vor der Bühne sein wollte. Angesichts der weitläufigkeit der Rheinparkhalle auch eine durchaus vernünftige Idee. Marsheaux jedenfalls waren nett anzuschauen, das Gedudel, dass sich irgendwo zwischen Client und Tristesse De La Lune bewegte, war auch nett anzuhören. Leider waren die beiden Frontmiezen zu sehr hinter ihren Pulten verhaftet, so dass die Show ingesamt recht unspektakulär ausfiel und sich irgendwann bei Kayila und mir das Gefühl breit machte, den aktuellen Song irgendwie gerade eben schon einmal gehört zu haben. Wenn man Weiberelectro (im wahrsten Sinne des Wortes) mag und keine zu hohen Erwartungen hat, kann man mit dem Live-Programm von Marsheaux durchaus Spaß haben. Hier ist ja auch das Auge mit. Fazit: nett, aber belanglos.




