Nach Diorama machten Kayila und ich erst einmal Mittagspause. Wir schlenderten über das Gelände, aßen und tranken und setzten uns dann in den VIP Bereich, um mal eine kleine Pause einzulegen. Hier trafen wir auf den Nightcrawler und dessen Kumpel. Zusammen zogen wir zu viert an den Strand, um uns dort in eine der zur Verfügung gestellten Liegesitze direkt an den Rhein zu setzen und mal einen Moment lang die Seele baumeln zu lassen. Eigentlich wollten wir Hocico gucken, hatten dann aber keine Lust, uns in das Gedränge zu stürzen und so begnügten wir uns damit, Hocico stattdessen nur zu Hören und uns dafür lieber die lustigen Ausdruckstänzer mit ihrer Kampfsportakrobatik zu beobachten. Anschließend spatzierten Kayila und ich noch einmal über das Gelände, tranken das erste (und letzte) Kölsch dieses Festivals und begaben uns dann gemächlich zum Theater, wollten wir doch eines auf keinen Fall verpassen:

HENKE:
(Galerie)

Bereits das dritte Mal Oswald Henke in dieser Festivalsaison für uns. Zweimal Fetisch:Mensch auf dem WGT und dem Blackfield, hatten wir nun endlich die Gelegenheit, auch sein selbstbetiteltes Projekt zu bewundern, nachdem das auf dem WGT ja leider nicht geklappt hatte. Während des Soundchecks machten wir es uns auf dem Boden des Theater gemütlich und warteten auf den Anpfiff. Mit einiger Verzögerung fiel dann auch der Startschuss für Henke. Oswald selbst wirkt ja gerne mal so, als hätte er tierisch schlechte Laune, wenn er eine Bühne betritt. So auch dieses Mal. Mit dem Goethes Erben Klassiker "Kopfstimme" wurde das Konzert eingeleitet und was folgte war ein hochgradig unterhaltsames Konzert, bei der Henke einmal mehr als Qualitätssiegel betrachtet werden konnte. In dem Set, das weitestgehend aus Erben-Songs bestand, gab es auch den ein oder anderen Artwork Track und Oswald war gar nicht so schlecht drauf, wie zunächst vermutet. Ganz im Gegenteil, Herr Henke war durchaus zu Scherzen aufgelegt. Als er beispielsweise einen Kerzenleuchter auf die Bühne schleppte, den er als Requisite für das Stück "Das Schwarze Wesen" brauchte, erklärte er dem Publikum mit gespielter, fast schon kindlicher Empörung, dass er aufgrund brandschutztechnischer Bestimmung die Kerzen nicht anzünden dürfe, weil sonst nämlich die Feuerwehr käme und ihn von Bühne holen würde. Deshalb könne er das Stück nicht spielen, auch wenn der Wille durchaus vorhanden gewesen sein. Das Publikum machte lautstark klar, dass es mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war und so lenkte Oswald ein, dass er "Das Schwarze Wesen" doch spielen würde, wenn dass Publikum sein T-Shirt (auf dem ein Watchmen-ähnlicher Smilie gerade abgeschlachtet wurde) gut fände. Und sein Piratenpflaster. Und natürlich wurde darauf hin der gewünschte Song dann auch gespielt. Unterm Strich ein großartiges Konzerterlebnis, nach dessen Finale zumindest ich mir vorgenommen habe, Henke künftig nicht noch einmal zu verpassen, wenn es nicht absolut unabwendbar ist.

KMFDM:
(Galerie)

Unser letztes Konzert auf dem diesjährigen Amphi Festival. Da Henke schon Verzögerung hatte, fingen natürlich auch KMFDM später an. Inzwischen waren Kayila und ich wieder ganz vorne angekommen und wir blickten dauernd panisch auf die Uhr, da wir als Abreisezeitpunkt 21 Uhr mit Jeanny ausgemacht hatten, die wir mit zurück in heimische Gefilde nehmen würden. Mit einer knappen halben Stunde Verzögerung, die wohl auch dadurch bedingt wurde, dass die Technik einfach nicht mitspielte wie sie sollte, enterten KMFDM die Bühne und verwandelten bereits beim gleichnamigen Eröffnungstrack das Theater in einen bebenden Hexenkessel. Uns hätte das durchaus coole Konzert sicherlich noch mehr gefallen, wenn wir aufgrund Termindrucks nicht bereits nach 3 oder 4 Songs das Theater hätten verlassen müssen. Und wenn der Sound nicht so katatrophal ausgefallen wäre: Herr Konietzko und Lichtgestalt Lucia Cifarelli waren nämlich nur sehr schlecht zu hören - dafür übertönten die kreischenden Gitarren nahezu alles andere. Das Publikum um uns herum schien es aber nicht weiter zu stören, wurden die Industrial Rock Helden doch gefeiert wie keine zweite Band, die wir auf diesem Festival gesehen hatten. Wie gesagt: nach nur einer knappen handvoll Songs war für uns Feierabend und wir machten uns auf den Weg zum Mad-Goth Mobil, um anschließend die Heimreise anzutreten.

FAZIT:

Dass das Amphi in diesem Jahr sein inzwischen fünften Geburtstag gefeiert hat, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben, denke ich. Und ganz ehrlich: Ich frage mich, warum es so lange gedauert hat, bis unsereins selbst mal an dem Spektakel am Tanzbrunnen teilgenommen hat. Dabei gibt es doch so viele Pluspunkte, die das Amphi auf der Habenseite verbucht:

* fettes (wenn auch in diesem Jahr recht spezielles) Line-Up
* schicke Location
* Chill-Out Bereich mit Liegestühlen direkt am Rheinufer
* vorzügliche Organisation
* angemessene Preise für Speis und Trank
* befestigte und stets saubere Toiletten!
* nettes Personal, freundliche Security

Und selbst die Panne in der Rheinparkhalle konnte das Festival quasi nicht aus Bahn werfen oder es irgendwie weniger toll machen. Und nach inzwischen fünf Jahren kann man dem Amphi wohl attestieren, in der Festival-Liga inzwischen oben mitzuspielen. Zu recht, wie ich finde. So manche Konkurrenz (zum Beispiel jene, die sich auf ominösen Flughäfen verschanzt) hat es jedenfalls inzwischen ganz locker in die Tasche gesteckt. Davon ab war es auch schön, alte Bekannte wiederzusehen, die man seit Jahren nicht gesehen hat. Bleibt mir nur noch zu sagen: Das war Rock'n'Roll und ganz sicher nicht das Ende aller Tage - ich komme wieder, gar keine Frage!

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