Mad-Goth bei FacebookMad-Goth bei Twitter  Mad-Goth bei Myspace Mad-Goth bei last.fm Mad-Goth bei Feedburner

AVATAR

James Cameron hat es tatsächlich schon wieder geschafft! Der Kanadier, der vor 12 Jahren seinen letzten Film drehte und dabei im Handumdrehen den erfolgreichsten Film der Geschichte erschuf, beerbt sich im Jahr 2010 selbst. Während die „Titanic“ unterging (das war kein Spoiler…), ging der Streifen im Kino ab wie eine Rakete, was natürlich nicht einzig und allein an den Effekten und dem Detailreichtum des historischen Schiffdramas von 1912 lag, sondern auch an der Schmonzette zwischen Leo und Kate. Sei es drum, seit über einer Dekade also hat es kein Regisseur und kein Film geschafft, Cameron diesen Titel zu entreißen, selbst „Der Herr der Ringe“ hat es nicht so weit gebracht. Kein Spielberg, kein Jackson, kein Lucas und erst recht kein Bay. Wer sollte es also vollbringen, wenn nicht James Cameron selbst? Und tatsächlich: In der vorletzten Januarwoche dieses noch jungen Jahres 2010 hat „Avatar“ die magische Grenze von 1.842,9 Mio US $ geknackt und gilt seitdem als der erfolgreichste Film aller Zeiten! Es ist also keineswegs übertrieben, einen Cameron als Genie zu bezeichnen, den Mann, der uns die ersten beiden „Terminator“-Filme bescherte, den zeitlos endgeilen „Aliens – Die Rückkehr“ oder das „Unterwasser-Alien-Moralepos“ „The Abyss“. Und ganz nebenbei zimmert Cameron mit „Titanic“ und „Avatar“ als direkt hintereinander (wenn man davon bei einem Zeitabstand von 12 Jahren denn überhaupt sprechen kann) gedrehte Produktionen jeweils den erfolgreichsten Film der Welt zusammen. Hut ab, Herr Cameron! Doch was erwartet den Zuschauer denn nun wirklich auf Pandora, ist der Erfolg gerechtfertigt oder teilweise doch nur gefaked durch eine zu dick aufgetragene Liebesgeschichte, die die 12-17 Jahre alten Mädels teilweise 5 x das Kinoeintrittsgeld bezahlen läßt?

Die Grundidee zu „Avatar“ hatte Cameron schon vor vielen Jahren gehabt, doch damals war die Technik einfach noch nicht in der Form ausgereft, daß Cameron überzeugt genug wäre, seine Vision perfekt genug auf Zelluloid bannen zu können. Also widmete er sich geduldig anderen Werken zu (u.a. die TV-Serie „Dark Angel“) und wartete bis die Zeit reif war. Im Jahr 2007 begannen dann doch endlich die Dreharbeiten für den überlangen Fantasy-Actionfilm. Hauptbbesetzt wurde der Streifen mit einem damals eher unbekannten Namen: Sam Worthington, der eigentlich erst so richtig seit dem verhunzten „T4“ in Erscheinung trat und dort sogar Christian Bale die Show stahl. Worthington spielt in „Avatar“ den invaliden und im Rollstuhl sitzenden Soldaten Jake Skully, der zusammen mit einer Schar von Marines auf dem Weg nach dem Planeten Pandora ist, wo sich große Mengen eines wichtigen Rohstoffes befinden. Dummerweise ist die Atmosphäre auf Pandora für den Menschen nicht erträglich und so begleitet eine Gruppe Wissenschaftler unter der Führung von – na klar – Sigourney Weaver die Marines. Der Wissenschaft ist es gelungen, eine DNA zu erzeugen, die zur Hälfte menschlicher Abstammung ist und zur anderen Hälfte denen der Ureinwohner Pandoras gleicht: den sogenannten Na´vi.

Wem diese DNA zugeführt wird, der „erwacht“ draußen auf Pandora als Avatar, als ein übergroßes Wesen also, das physisch den Na´vi angepaßt ist. Jake kann als Avatar also seine kaputten Beine endlich wieder benutzen und bewegt sich flink und elegant in bester Tarzan-Manier durch den Dschungel. Er wird ausgesandt, um Kontakt mit den Na´vi aufzunehmen, um deren Gewohnheiten und Lebenssituationen zu studieren. Er soll den Marines alles Wesentliche über deren Kultur und Geheimnisse nahebringen, damit diese sich auf einen möglichen Angriff dieser angeblich so böswilligen außerirdischen Rasse entsprechend vorbereiten können.

Als Jake jedoch die Stammestochter der Na´vi Neytiri (Newcomerin Zoe Saldana) kennen- und schließlich lieben lernt, mehr und mehr von den Na´vi akzeptiert und nach einigen Aufnahmeprüfungen sogar respektiert wird, beginnt er zu begreifen, wer hier wirklich die Bösen sind. Die berühmte Abweichung der Norm stellt hierbei die megacoole Michelle Rodriguez dar, die als Kampfpilotin sofort Gewissensbisse bei ihrer Arbeit verspürt und mit Jake gemeinsame Sache macht. Jake muß sich irgendwann entscheiden, ob er seine Mission zu Ende bringen will (als Belohnung wurde ihm ein neues Paar Beine versprochen…) oder sich als Verräter zu erkennen gibt und sich auf die Seite der Na´vi schlägt. Ein Leben als gebrochener Mensch oder als künstlicher Held in einer fremden Welt? Jake bleibt nur noch wenig Zeit, denn die Ausrottung Pandoras steht unmittelbar bevor…

Tja, das ist im Prinzip auch schon alles was der erfolgreichste Film aller Zeiten inhaltlich zu bieten hat. Etwas mager? Alles schon mal irgendwo gesehen? Richtig… Die rührige „Pocahontas trifft Der mit dem Wolf tanzt“-Geschichte bringt wahrlich nicht viel Innovation im Bereich der Geschichtenerzählung mit sich. Hier und da werden immer mal wieder einige (zugegeben coole!) Eigenzitate z.B. aus „Aliens“ gebracht, seien es jetzt die Verladeroboter, die finale Verabschiedung des System-Logbuchs von Ripley oder im Allgemeinen das skrupellose Verhalten des Arschlochcharakters im Film, das den Menschen über alle anderen Lebewesen stellt und mit aller Macht den Tod einer fremden  Spezies in Kauf nimmt, wenn es sein muß.  

„Avatar“ punktet also nicht mit Inhalten, sondern durch liebevolle Charaktere (allen voran natürlich die bezaubernde Neytri) und einer bombastischen Bildersprache, die das Kino so noch nicht gesehen hat. Wieder einmal hat James Cameron mit der 3D-Technik das Kino revolutioniert. Natürlich waren „Jurassic Park“ und „Matrix“ optische Leckerbissen, aber „Avatar“ zeigt allen bis dato dagewesenen 3D-Filmen der jüngeren Vergangenheit was tatsächlich möglich ist. Der 3D-Effekt kommt in dieser wunderschönen Welt wirklich gnadenlos gut zur Geltung, daß es schwer ist, diesen Filmgenuss in Worten zu beschreiben. Alleine eine der ersten Szenen, in denen die Kamera eine Reihe von Betten zeigt, die fortlaufend in den Bildhintergrund ragen, macht deutlich, wie gestochen scharf 3D wirken kann. Ein toller Einstieg in dieses Sehvergnügen, das natürlich in den  actionreichen Parts seine Höhepunkte hat. Daß Cameron Trends setzt und keinen hinterherläuft, beweist er, indem er auf nervige Wackelkameras so gut wie verzichtet. Einige wenige zu hektische Bilder gibt es zwar dennoch, aber es bleibt alles im Rahmen des Erträglichen. Andere Regisseure hätten hier ganz vieles ganz falsch gemacht, nicht jedoch ein James Cameron.

Nicht unerwähnt bleiben soll der Score von James Horner, der sich zwar niemals gewaltig in den Vordergrund drängt und eher die Bilder für sich sprechen läßt, der aber sehr ins Gesamtbild paßt, stimmig wirkt und die visuelle Stärke des Filmes atmosphärisch unterstützt. Die teilweise eingesetzten Chöre verleihen dem Film fast schon epochale Züge. James Cameron und James Horner… die beiden passen halt einfach gut zusammen!

Keine Frage, „Avatar“ ist in „Must-see“ in 3D! Wer hier klagt, daß ihm das neue Format zu teuer ist und stattdessen lieber in die 2D Version geht, sollte sich das grundlegend überlegen, da der Filmgenuß niemals der gleiche sein kann. Ja, 3D ist – v.a. in den Multiplexen – ein arschteures Vergnügen. Im Fall von Camerons neuem Streich jedoch lohnt sich diese Investition allemal!

Inwiefern das über 160 Minuten lange Abenteuer tatsächlich der beste Film 2009 ist, muß wie so oft jeder selbst entscheiden. Böse Zungen werden dem Film die altbackende und schon x mal gehörte Story vorwerfen, Befürworter werden dem entgegnen, daß ein guter Inhalt, egal wie alt er ist, keine neuen Elemente braucht, wenn er so überzeugend umgesetzt wird wie hier. Macht euch also am besten selbst ein Bild, sofern ihr das noch nicht getan habt! So oder so lohnt sich der Besuch im Kino in jedem Fall, da die Heimkinoanlage noch nicht in der Lage ist, das 3D-Filmvergnügen nur ansatzweise so wiederzugeben, wie es das Kino schafft.

Ob der Streifen auch bei den OSCARS absahnen wird, wird sich zeigen. Den Golden Globe konnte „Avatar“ jedenfalls schon einmal in den Kategorien „Bestes Drama“ sowie „Bester Regisseur“ für sich gewinnen.

Ich kann zwar nicht beurteilen, ob „Avatar“ in 2D genauso viel Spaß macht wie in 3D, aber es dürfte mit Sicherheit nicht das gleiche sein. Da ich lediglich die 3D-Fassung gesehen habe, beziehe ich mich bei diesem Review auch nur auf diese. Keine Frage: was ich da gesehen habe, gehörte mit zu den beeindruckensten Bildern, die ich jemals im Kino erleben durfte. Der Zuschauer fühlt sich sofort wohl auf Pandora, der „Mittendrin statt nur dabei“-Effekt erfüllt sehr schnell seinen Zweck. Pandora wird für 2 ½ Stunden die Heimat des Kinobesuchers.

Ob der Film nun inhaltlich eher mau daherkommt oder nicht: er ist DAS Filmereignis 2009 gewesen – das bedeutet jedoch nicht zwangsweise auch, daß er der beste Film war. Diesen Titel würde ich persönlich eher an Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ verleihen anstatt an Cameron, da Quentins Film dann doch storymäßig die Nase vorn hat und von daher das rundere Gesamtbild ergibt. Dennoch hätte Cameron den Regie-OSCAR absolut verdient und ich würde diesem einzigartigen Mann, der uns so viele zeitlose Filmklassiker geschenkt hat, diesen Preis von Herzen gönnen. Also: Geht rein und laßt euch von den Bildern berauschen, bevor ihr es nicht mehr schafft. Es lohnt sich!


Wertung

Darsteller Special Effects Ausstattung Soundtrack Kultfaktor Gesamt

Trailer


Diskussion im Forum


Bookmarken:
  • del.icio.us
  • Digg
  • Technorati
  • Webnews.de
  • MisterWong.DE
  • Facebook
  • Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • Twitter

Verwandte Artikel:

  • Keine verwandten Artikel vorhanden.

View Comments
Kommentar abgeben »

  1. [...] This post was Twitted by MadGoth [...]

Kommentar abgeben

blog comments powered by Disqus