Bei der Band aus dem fränkisch-nordbayrischen Raum Ignis Fatuu (was soviel wie “Feuer des Schicksals” bedeutet) gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten in meiner Erwartungshaltung: entweder ist es Folk Metal oder einfach nur Folk ohne Metal, aber in jedem Fall Mittelalter. Ich hatte schon ganz gut gezielt, denn in diesem Fall ist Nomen tatsächlich Omen. Meine Damen und Herren Zuhörer, hier haben wir es mit einem ganz typischen – und gar nicht schlechten – Vertreter der rockigen Mittelaltermusik zu tun.
Wohl an, das ist so richtig was für Genre-Fans, habe ich mir sofort gedacht. Da kommt gleich dieses Bedürfnis auf, den Harnisch zu gürten und sich ein Trinkhorn zu schnappen. Dabei sind Ignis Fatuu keinesfalls altertümlich Wandermusikanten mit Leier und Blockflöte, sondern greifen gerne auf das Teufelswerk unseres modernen, elektronisch verstärkten Zeitalters zurück. Wer da jetzt an Subway To Sally oder InExtremo denkt, der denkt in die richtige Richtung. Musikalisch haben Ignis Fatuu alles im Gepäck, wovon ein armer Bänkelsänger nur träumen konnte. Geige, Dudelsack und Drehleier vereinen sich gar lieblich mit Gitarre, Gesang und der Schalmeien. In den ausnahmslos deutschen Texten werden Geschichten aus Zeiten erzählt, in denen der Dorfschmied auch gleichzeitig dein Zahnarzt war und man sich unter Strom nur einen reißenden Fluss vorstellen konnte. Eine Zeit, in der man den Satz „Ich hab kein Netz!“ nur von armen Fischern kannte. Romantisch verklärt erfährt man viel über die Reisen eines Wanderers und Kleinganoven (Auf der Flucht), eines Seefahrers fern der Heimat (Nordwind), eines Trauernden (Dein Stern) oder des Königs Hofnarr (Narrenweib). Neu ist das alles nicht, aber – meiner Treu! – kann es eigentlich auch überhaupt nicht sein, wenn man darüber nachdenkt. Und es ist genau die richtige Musik, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Und, ganz nebenbei bemerkt, biblisch ist hier nur der Titel, es muss niemand eine Missionierung fürchten.
Robin Hood wird seine Finanzpolitik sicher zu einem anderen Soundtrack in die Tat umgesetzt haben, aber wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst. Es Werde Licht ist genau die Mischung aus Authentizität und Moderne, um bei allen gut anzukommen, die sich ab und zu einen Wams überstreifen, um sich bei Ritterturnieren den Hammel vom Spieß zu gönnen. Wem jetzt der Eindruck deucht, es handele sich um gemächliche Berieselung, den muss ich eines Besseren belehren: tatsächlich haben die Stücke aus es Werde Licht viel Energie – Gitarre, Geige und Flöten treiben einen nur so vor sich her. Und da heißt es, nur der König dürfe jagen.
Fazit: Rasante, lebensfrohe Melodeien, gar mittelalterlich verpackt – die Nürnberger haben mehr zu bieten als die winzigste Bratwurst der Welt. Auch für Rollenspieler wärmstens zu empfehlen, man fühlt sich nach dem Hörgenuss glatt wie ein Waldläufer und möchte sofort seinen Langbogen aus der Garderobe holen.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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Links
- http://www.ignisfatuu.de/
- http://www.myspace.com/ignisfatuu
- http://www.dansemacabre-group.com/shop/ignis-fatuu-es-werde-licht-2009












