Nach “Blitz” erklären KMFDM ihrer Hörerschaft (und auch dem Rest der Welt) den zugehörigen “Krieg”. Letzteres ist das fast schon irgendwie obligatorische Remix-Album zu “Blitz” und reiht sich nach einer erfolgreichen Kollaboration mit Tim Skold und einer ebenfalls erfolgreichen Welttournee gut ein in die von Arbeitseifer geprägte Discografie der Band. Ob nun der “Krieg” allerdings ein solches akustisches Inferno entfächert, wie es der Titel scheinbar implizieren möchte oder ob hier allenfalls mit einer Keule auf Spatzen gedroschen wird, haben wir für Euch ergründet.

Zunächst einmal macht der Pressetext ja Appetit auf die Scheibe, denn die Liste der  für die auf dem Silberling versammelten Remixe verantwortlich zeichnenden Musiker liest sich wie ein Who-is-Who der alternativen Musikszene. Wenn sie nämlich nicht gerade für KMFDM Neuabmischungen vornehmen, dann spielen die Beteiligten zum Beispiel bei den Nine Inch Nails, Apollo 440, Danzig, Ministry oder Skinny Puppy. Zudem haben wir hier neue Variationen von Combichrist, Komor Kommando und Assemblage 23. Ihr merkt schon, scheinbar gab es geradezu ein Gerangel darum, für “Krieg” einen Remix anfertigen zu dürfen.

Soweit so gut. Das Problem ist nur: Remixe sind irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Der weniger bedarfte Musikkonsument hat oftmals, soweit sich dies durch eigene Feldstudien beobachten ließ, eher wenig von den Remixen, da hier mangels Kenntnissen Vergleichsmöglichkeiten fehlen, um die durch den Remix gewonnenen neuen Seiten eines Songs würdigen zu können. Und der KMFDM Fan erlebt nicht selten seine Helden lieber in der Originalfassung. Einzig Musikliebhaber mit dem Drang zum Sammeln, Fans der beteiligten Remixer, die auch die Arbeiten ihrer Idole für andere Projekte zu schätzen wissen sowie Remix-Freunde, die es durchaus ja geben soll, werden an diesem “Krieg” wirklich Freude haben. Und DJs möglicherweise, die neues Material brauchen.

“People Of The Lie” im Requiem-Remix, um mal ein Beispiel zu bringen, verwandelt das Stück in eine pianogeschwängerte Ballade, bei der sich Freunde von Stromkerns “Hindsight” sofort wohl fühlen werden. Ebenfalls fetzig: “Never Say Never” im Candy Apple Remix von Dave Ogilvie, welches hier als leichtfüßige, gleichwohl tanzbare wie peppige Radio-Pop-Nummer daher kommt – was vor allem umso mehr an Spaßfaktor gewinnt, wenn man sich vor Augen führt, dass der gute Mann ansonsten Bands wie Skinny Puppy, The Birthday Massacre oder The Killing Joke produziert bzw. mit ihnen zusammenarbeitet. Der gleiche Song hingegen im Confessional Remix von Komor Kommando hingegen wirkt wie zeitgenössische französische Clubmusik.

Zumindest eines kann man einem Remix-Album wie diesem zugute halten: Es hat durchaus einen Unterhaltungswert zu sehen (oder besser: zu hören), wie andere Musiker einen Song interpretieren, verändern oder auch neu erschaffen.

Irgendwie konsequent, das Album das dem “Blitz” nachfolgt, “Krieg” zu betiteln. Genauso konsequent, schon wieder einmal ein Remix-Werk abzuliefern, das als kleines Schwesterchen neben dem eigentlichen Album um seine Existenzberechtigung buhlt. Mein Problem mit “Krieg” ist aber: Ich persönliche brauche keine Remixe, mir reicht die Originalfassung für gewöhnlich hin. In den seltensten Fällen finde ich die neuen Versionen annähernd so gut oder gar besser als das Original. Die im Review genannten Remixe sind solche seltenen Fälle. Da reicht es allerdings auch, wenn sich Interessierte die Songs über iTunes, Amazon MP3 oder ähnliche Plattformen besorgen. Der “Krieg” als solches empfiehlt sich nur für leidenschaftliche KMFDM Fans, Sammler und möglicherweise DJs. Der Normalkonsument kann die eingangs erwähnten Spatzen also in aller Ruhe füttern, das Inferno findet zumindest hier nicht statt.


Wertung


Trackliste

  1. Bait & Switch (All 4 One Mix by Combichrist)
  2. Strut (Disco Balls Mix by Andy Selway)
  3. Potz Blitz! (Harmonic Tremors Mix by Seismologist)
  4. Bait & Switch (Sacred Cow Mix by Prong)
  5. Never Say Never (Naughty Habit Mix by Ivan De Prume)
  6. People Of The Lie (Requiem Mix by Koichi Fukuda)
  7. Bitches (Pop Will Eat This Mix by Vile Evils)
  8. Never Say Never (Confessional Mix by Komor Kommando)
  9. People Of The Lie (Crooked Illusions Mix by Mary Byker)
  10. Davai (Cyrillic Mix by tweaker)
  11. Never Say Never (Candy Apple Mix by Dave “Rave” Ogilvie)
  12. Davai (Bloody Fog Mix by Assemblage 23)

Anspieltipps

  1. People Of The Lie (Requiem Mix by Koichi Fukuda)
  2. Never Say Never (Candy Apple Mix by Dave “Rave” Ogilvie)

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