Die 80er Jahre – für die einen (wie mich zum Beispiel) ein gar goldenes Zeitalter voll großartiger, auch heute noch gefälliger Popsongs. Für die anderen ein Jahrzehnt, das sich vor allem durch schreckliche Frisuren, furchtbare Mode und den allgegenwärtigen kalten Krieg zwischen Ost und West auszeichnete. Vor allem aber war es das Jahrzehnt der 8-Bit Telespiele. Ein Thema, das in der unseren Electro-Szene bislang noch nicht so weit ausgebeutet wurde, dass man von einer Sättigung sprechen könnte. EISENFUNK, die gut gelaunte Electro-Kapelle aus Deutschlands schönem Süden, hat sich dieses Themas angenommen. “8-Bit” lautet der Titel ihres neuesten Outputs. Wollen wir doch mal schauen, ob sie damit auch nostalgische Gefühle wecken können.
Zunächst einmal: Wenn man sich die Aufmachung des Albums anschaut und die Trackliste durchliest, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Eisenfunk-Truppe in ihrer 80er Jahre Nostalgieshow nicht ganz so fürchterlich konsequent waren, wie so mancher, der mit dem C64 (beispielsweise) groß geworden ist, möglicherweise gehofft hat. Der Namensgeber für den Youtube- und cluberprobten Tanzdiktator “Pong” hatte seine große Zeit in den 70ern. Und an “Egoshooter”, die in einem der Songs auf diesem Album thematisiert werden, war in den 80ern noch nicht zu denken – auf 8-Bit System gleich gar nicht. Egal, sei es drum, wollen wir uns hier nicht mit Details aufhalten oder gar Erbsen zählen. Es geht bei “8-Bit” schließlich um die Mucke, nicht um irgendwelche historischen Zusammenhänge.
Zwei Dinge möchte ich an der Musik bemängeln: Ich finde es schade, dass – von einigen Samples abgesehen – “8 Bit” ein reines Instrumentalalbum geworden ist. Das mag ins Konzept passen, kickt mich persönlich aber über die Länge eines ganzen Albums irgendwie nicht. Womit wir schon beim nächsten Knackpunkt angelangt wären: Dafür, dass sich “8-Bit” (zumindest dem Pressetext nach) so an der Frühgeschichte der Videospielgeschichte orientiert, klingen die doch sehr technoiden, dafür tanzbaren Songs einfach zu wenig nach dem knuffeligen Synthie-Gedudel jener Zeit. Was einem hier aus den Boxen entgegen tönt, ist handwerklich solides Electro-Geballer, das leider viel zu selten durchblicken lässt, was hier eigentlich Thema ist. Sehr schade das. Die Tracks sollen damit nicht abgewertet werden, aber wenn etwas so sehr nach einem durchdachten und vor allem konsequent umgesetzten Konzept schreit wie in diesem Fall, dann ist es schon fast ärgerlich, wenn da nicht mehr herauskommt.
Hübsch ausgefallen ist zum Beispiel der Song “Korobeinki”, bei dem wohl nicht nur ich an Tetris denke. Gleichzeitig hat diese Nummer etwas von einem technoiden Sirtaki auf Speed. Ich sehe vor allem die bunten Cyber-Gruftis schon jetzt vor meinem geistigen Auge eine Reihe bilden und abwechselnd die Beine hebend den Sirtaki tanzen. Das dürfte vor allem auf Festivals für bemerkenswerte Momente sorgen. Außerdem erwähnenswert ist noch der Song “Egoshooter”, bei dem so manchem Ballerfreund die Begeisterung warm am Bein herunterlaufen dürfte angesichts der Samples. Und, nicht zu vergessen, “Medieval Bits”, bei dem Eisenfunk einmal mehr ihrem Faible für folkloristisches Liedgut mit ordentlich Wumms im Hintergrund fröhnen.
Ich kann nicht sagen, dass “8-Bit” ein schlechtes Album geworden wäre. Ganz im Gegenteil, es bietet nun wahrlich genug Beschallungsmaterial, um sich auf der Tanzfläche zu verausgaben. Aber: Von einem Album, das sich “8-Bit” schimpft und (zumindest dem Beipackzettel, sprich: Pressetext) nach auf die 80er Jahre und die Computerspiele jener Zeit gepimpt wurde, erwarte ich eindeutig mehr als ein in erster Linie technoides, nach Synthesizer-Tanzmusik schmeckendes Album. Ich bin mir sicher, es wird genug Leute geben, die zu diesem oder jenem Song abgehen werden wie Zäpfchen, ich jedoch kann “8-Bit” nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten - eben wegen gehaltener und nicht gehaltener Versprechen, welche meine Assoziationen mir gaben.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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