Eines der (ewig aktuellen) Trendthemen unter den Electro-Musikschaffenden Künstlern scheint in diesem Jahr das sogenannte goldene Zeitalter der Computer- und Videospiele, vornehmlich die C64-Ära, zu sein. Nachdem wir Euch bereits vor kurzem einen Vetreter vorgestellt haben, der sich mit der 8 Bit Technik und vor allem den Sound jener Tage befasste, widmen wir uns nun vervollständigend dem neuen MIND.IN.A.BOX Album “R.E.T.R.O.”, das ebenfalls eine Reise zurück in jene Tage verspricht, in denen Spiele das Laufen erst so richtig lernten.
Zunächst mal gilt es festzuhalten: Wer bei mind.in.a.box automatisch an den selbst geschaffenen Science-Fiction Mythos denkt oder an die ausgefeilt konstruierte Konzepte hinter deren Albumveröffentlichungen, sollte seine Erwartungshaltung bei “R.E.T.R.O.” gründlich überdenken. Denn wie eingangs erwähnt vertonen die Herren hinter mind.in.a.box hier ihre Liebe zum kultigsten aller Heimcomputer, dem C64, auf ganz eigentümliche Art und Weise.
Für Master-mind(.in.a.box) Stefan Poiss ist es nicht der erste Ausflug zurück in die Vergangenheit. Bereits vor gut und gerne 2 Jahren gab es schon mal einen von ihm angefertigten Remix der Titelmelodie des C64 Klassikers “Lightforce”. Nun, besagtes “Lightforce” findet sich auch auf dem aktuellen Album wieder – in fröhlicher Koexistenz mit den mind.in.a.box Varianten von “Last Ninja 1 & 3″ oder “The Last V8″. Namen, die (computerspielenden) Kindern der 80er wehmütige Freudenstränen in die Augen treiben dürften. Zocker und Musikfreunde in Personalunion hingegen werden wohl bei der Erwähnung des Namens Chris Hülsbeck, dessen Werke hier ebenfalls bearbeitet wurden, anerkennend nicken. Dabei haben es mind.in.a.box verstanden, den Charme und den Charakter der jeweiligen Songs beizubehalten und es in ein zeitgemäßes, ganz klar mind.in.a.box-iges Klangkostüm zu stecken. Oder anders: Das ganz eigentümliche Synthie- und Sequenzergetüdel, das es so eben irgendwie nur in den frühen Tagen der Videospiele gab, der “Geist” von damals quasi, lebt in den Neuinterpretationen weiter, es rummst eben aber auch mehr. Als hätte man den Staub von den Boxen gepustet oder sich die Stöpsel aus den Ohren gezogen.
Dabei sind mind.in.a.box aber nicht mit der Holzhammermethode vorgegangen, etwa um den jeweiligen Stücken mit aller Macht ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Stattdessen gab es nur sehr behutsame Änderungen, die aufzeigen, dass mind.in.a.box in höchstem Maße respektvoll mit den Ursprungswerken umgegangen sind. Zum einen, weil sie wohl wissen, dass es immer noch jede Menge C64 Anhänger da draußen gibt, die einem Projekt wie “R.E.T.R.O.” vermutlich nicht selten zunächst mal argwöhnisch gegenüberstehen. Zum anderen, weil die Österreicher ja selbst zu jenen besagten Anhängern gehören.
Dazu gesellen sich ein paar neue, von mind.in.a.box angefertige Songs, die unbedarften Hörern wohl eher “ah, jetzt ja!” Erlebnisse bescheren dürften. Allen voran natürlich das kultige, auch als limitierte Single ausgekoppelte “8 Bits”, das ob der typischen, zur Computerstimme verzerrten Vocals, dem geschmeidigen Beat und der eingängigen Melodie alleine schon ausreicht, um den Mitbewerbern zu sagen: uffpasse! So geht das.
Um es abschließend noch einmal zu wiederholen: “R.E.T.R.O.” ist alles, aber sicher nicht “typisch mind.in.a.box”, auch wenn sich viele, von den Vorgängern bekannte Elemente hier finden lassen. Es ist was es ist: die vermutlich gelungenste, diesjährige akustische Zeitreise zurück in die 80er. Das Booklet mit den Geschichten hinter den einzelnen Songs runden den durchweg positiven Eindruck ab.
Bevor ich mir “R.E.T.R.O.” zu Gemüte führen konnte, habe ich mich hier ja bereits über ein anderes, thematisch gleiches Album ausgelassen. Und im direkten Vergleich zur Herangehensweise der Elektro-Österreicher hier wird eines sehr klar: es reicht eben nicht, einfach nur ein paar treibende Beats zusammenzuzimmern und dazu ein paar schnöde Samples zu servieren, um wohliges Retro-Feeling aufkommen zu lassen. Die Herren mind.in.a.box sind da mit deutlich mehr Leidenschaft herangegangen – was sich letztlich auch im Klangerlebnis wiederspiegelt. Dennoch ist “R.E.T.R.O.” wohl nichts für die breite Masse, sondern ein kleines Kunstwerk von Liebhabern für Liebhaber. Und für mich das charmanteste und kultigste Electro-Album, das ich in diesem Jahr wohl werde hören dürfen.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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