Es gibt Bands, die, wenn sie ein Album produzieren, schlichtweg eine handvoll Songs auf einen Silberling packen, die nichts miteinander gemeinsam haben. Dann gibt es Bands, die ihrem aktuellem Werk einem Gesamtkonzept unterordnen und somit ein bestimmtes Thema verarbeiten. Und dann gibt es aber auch Bands wie MIND.IN.A.BOX, deren gesamtes Schaffen einem großangelegten Konzept untergeordnet ist. Mit ihrem aktuellen Album “Crossroads” schlagen sie das nächste Kapitel ihres Epos’ auf.
Allem, was das österreichische Duo Stefan Poiss (Gesang, Musik) und Markus Hadwiger (Texte) als mind.in.a.box veröffentlicht, liegt eine komplexe Science Fiction Geschichte zugrunde (die im 24-seitigen Booklet des aktuellen Albums durch den österreichischen Science Fiction Autor Andreas Gruber via Kurzgeschichte erweitert wird), die sich thematisch mit den unangenehmen Dystopien von Orwells “1984″ oder dem ersten Teil der “Matrix” Trilogie vergleichen lässt. Inhalt der Alben, das Bandmarketing und die Gestaltung der offiziellen Webseite bilden dabei ein großes Ganzes, das den Weg der Figur Black durch eine wenig erfreuliche Zukunftsvision, in der Menschen durch Implantate gepimpt und durch die sogenannte Agency überwacht werden.
Crossroads, das nunmehr dritte Kapitel, stellt dabei quasi Tagebuchaufzeichnungen der Figur Black dar, beispielsweise seiner Erlebnisse im (übrigens real existierenden) Wiener Club “Pi”. Da wäre beispielsweise der Track “Amnesia”, in welchem Black aufwacht und an argem Gedächtnisverlust leidet – sich aber nicht sicher ist, ob er wissen möchte wie es dazu kam. Musikalisch erinnert Amnesia als stärkste Nummer des Albums bisweilen an “Change” des Debüts “Lost Alone”. Stilistisches Neuland betritt die Band beispielsweise mit “The Place”, welches mit klassischen, zum Träumen verführenden Klavierspiel beginnt, bevor es zu einem typischen mind.in.a.box Track wird. Oder auch das an Filmmusik erinnernde “Run For Your Life”, mit dem das Album geschlossen wird.
mind.in.a.box sind in der schwarzen Electrolandschaft eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, dass sie es trotz vieler Angebote nach wie vor konsequent ablehnen, Konzerte zu geben, nein auch musikalisch ziehen sie ihr ganz eigenes Ding durch. mind.in.a.box ist und war nie notwendigerweise clubtauglich. Man kann Crossroads genießen und sich an dem ziemlich grenzgenialen Gesamtkonzept erfreuen. Noch viel mehr aber ist Crossroads, sofern man sich komplett darauf einlässt und für eine gute Stunde mal richtig fallen lässt, der Türöffner in eine andere Welt. Eine Reise der Gedanken jenseits der Grenzen von Zeit und Raum wie sie nur Musik ermöglicht. Vor allem und ganz besonders die von mind.in.a.box.
Wertung
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Trackliste
|
Anspieltipps
|









