DIORAMA – Cubed
Mit der Zahl 7 ist es so eine Sache: manchmal als Glücksbringer angesehen, oft genug aber auch als schwere Prüfung oder Bürde empfunden. Ihr wisst schon: das verflixte siebte Jahr und so. Das lässt sich natürlich auch auf Musik ummünzen und man könnte vom verflixten siebten Album sprechen. Mit einem solchen haben wir es bei DIORAMA zu tun, die mit “‘Cubed” ihr inzwischen siebtes Studioalbum der gierig wartenden Hörerschaft präsentieren. Lasst uns doch mal herausfinden, ob die Zahl in diesem spezialgelagerten Sonderfall Fluch oder Segen für die Band darstellt.
Seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahre 1999 gehören Diorama zu den Bands, an die wohl jeder Hörer mit jedem nächsten angekündigten Release wachsende Erwartungen stellt. Das überrascht auch nicht weiter, gehören Diorama doch seit je her zu den Bands, die nicht nur von Anfang an einen enorm hohen Qualitätsstandard gesetzt haben, sondern diesen von Album zu Album immer noch ein Stück weiter nach oben schraubten – und scheinbar haben sie dabei bisher nie ihre eigenen Grenzen erreicht. Zum Glück, möchte man sagen.
So darf nämlich ab dem 19.3. jeder Diorama Hörer zum Plattenladen seines Vertrauens wackeln, die Scheibe kaufen und zum Hörgenuss in den heimischen Player legen in der beruhigenden Gewissheit, dass es Torben, Felix und der Rest der Truppe auch diesmal wieder richten werden. Und tatsächlich: bei “Cubed” fängt das schon beim zugrundeliegenden, immer wieder auftauchenden Motiv des Würfels an. Diorama verfolgen hier die Idee, dass besagter Würfels als Bühne des eigenen Lebens dient. Egal ob das nun eine Bühne für Selbstinszenierungen jedweder Art ist, als schützendes Element in schweren Zeiten – oder auch als Gefängnis. Vor allem das Gefühl, eingesperrt zu sein in den Beschränkungen des eigenen Lebens, bedingt durch sein Umfeld und ähnliches, wird wohl jeder hier dann und wann verspüren und sich Fragen: War das schon alles? Ist da sonst gar nichts mehr? Doch. Der nächste Würfel. Was Ihr dann daraus macht, hängt von Euch ab. Eure Bühne, Euer Leben, Euer Würfel.
Ein Blick ins Booklet des Albums verrät übrigens, wie Diorama auf dieses interessante Konzept gestoßen sind: ein Aufenthalt in einem würfelförmig gestalteten Hotel war’s, das die Inspiration lieferte.
Soviel zum Konzept. Werfen wir mal einen Blick auf den Sound. Eingeleitet wird “Cubed” durch das bereits im Vorfeld veröffentlichte Stück “Child Of Entertainment”, dem wir attestierten, gewohnt gut, aber eben auch gewohnt Diorama zu sein. Wenig Neues wurde da präsentiert. Wer nun fürchtet, dieser Trend fände auf “Cubed” seine Fortsetzung, sei an dieser Stelle beruhigt. Dem ist nicht so. Bei weitem nicht. Erstes Highlight ist nach dem durchaus clubtauglichen “Acid Trip” das Stück “Ignite”, das mit seinem relativ stampfenden Beat und vor allem den eingängigen Hooks ein absolut sicherer garant dafür ist, auf Festivals vom Publikum mitgegröhlt zu werden. Hammer! Direkt danach schlagen Sound und Stimmung um und Diorama präsentieren sich mit “Gone Gone Gone” auf eine Weise, wie man sie noch nie zuvor gehört hat. Voller Melancholie rauscht dieses Stück am Hörer vorbei und weckt (zumindest bei mir) Assoziationen an Licht von Laternen, dass sich in Autoscheiben spiegelt, während man spät nachts einsam über eine Autobahn heizt, Destination: anywhere. Wem nach Ambient-Pop der Sinn steht, dem dürfte bei diesem Stück das Herz aufgehen.
Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch der Song “Refugee”, der mit Abstand stärkste Song dieser Platte. Stakkato-artige Riffs, filigrane Klangelemente dazwischen und eine unglaubliche Stimmung zeichnen diesen Track aus. Hier (und eigentlich auch beim ganzen Rest des Albums) zeigen Diorama, dass sie nicht nur exzellente Musiker, die ihr Handwerk verstehen, sondern überdies auch noch mit Ideenreichtum gesegnet sind und über den Mut verfügen, neue Wege zu beschreiten – ohne dabei ganz plötzlich nicht mehr wie Diorama zu klingen. Und beim abschließenden, höchst dramatischen “Stereotype” zeigen sie noch einmal, dass sie zu den besten Balladenbastlern gehören, die unsere Szene zu bieten hat.
Kurzum: Diorama brauchen das “verflixte siebte” Album von inhaltlicher, akustischer und qualitativer Seite nicht zu fürchten. Das Jahr mag noch einigermaßen jung sein, so viel besser als “Cubed” kann das, was in diesem Jahr noch kommen mag, nicht mehr werden. Allein schon das breite Spektrum von tanzbaren, eingängigen über leicht sperrige Songs hin zu den Songs, bei denen Diorama ihre Hörer auf einen Gedankentrip schicken, spricht eine deutliche Sprache und zeugt von Abwechslung. Wie so oft bei Diorama überlässt es “Cubed” dem Hörer, ob er dazu tanzen oder träumen möchte. Pflichtkauf!
Meine lieber Herr Gesangsverein, was für ein großer Wurf! Mit “Cubed” haben sich Diorma bereits jetzt für meine Top 5 Endjahreswertung qualifiziert. Die drei Jahre, die seit dem letzten Album vergangen sind, haben offenbar gut dazu beigetragen, dass “Cubed” zu dem Album reifen konnte, das nun hier vor mir liegt. Im Stück “Record Deal” heisst es: “give me a record deal and I will change the world”. Aber meine Herren – das habt Ihr doch bereits getan. Dank Diorama im Allgemeinen und “Cubed” im besonderen hat die Szene wieder ein Stück Substanz dazu gewonnen. Ich jedenfalls wünsche diesem Album maximalen Erfolg.
Wertung
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Trackliste
|
Anspieltipps
|

















Kommentar abgeben