Die Musiklandschaft unserer Szene hat ein Problem. Ok, vermutlich hat sie sogar mehrere, aber eines der Dinge, die mir beim Durchhören der vielen Promos, die hier so ins Haus flattern, immer wieder sauer aufstoßen, ist, dass so viele Bands sich in langweiliger Gleichförmigkeit üben. Entweder werden -salopp gesagt- Electro-Helden kopiert, es wird zum unzähligsten Mal ein Dudelsack malträtiert oder man macht auf Metal – und das alles oft beliebig austauschbar und/oder zu sehr auf Massentauglichkeit poliert. Aber wo zum Henker ist eigentlich der kantige, sich nicht jedem anbiedernde Gothic Rock hin? Die Newcomer von MASTERS OF DARK FIRE sagen mit ihrem Debütalbum “Dead Spots” ganz geschmeidig: “aufgemerkt nun – hier isser”. Wurde ja auch mal Zeit.

Der breiten Masse vorstellig geworden ist die Berliner Truppe mit dem etwas theatralischen Namen Masters Of Dark Fire durch ihre Teilnahme beim Battle Of The Bands, der in jährlicher Regelmäßigkeit von den Kollegen des Sonic Seducers veranstaltet wird. Die 2004 gegründete Band, die sich selbst dem Dark / Gothic Rock zuschreibt, nahm allerdings nicht nur teil, sondern verbuchte auch die Pole Position für sich, was den Plattenvertrag beim newcomerfreundlichsten Label der Szene, Danse Macabre, nach sich zog. Damit setzten sich die Berliner gegen den allgegenwärtigen Electrotrend durch. Eine Tatsache, die für sich genommen schon beachtliche Leistung und kleine Sensation in einem darstellt.

Vielleicht ist der Sieg der MODF aber auch gleichbedeutend mit einer Sättigung bzw. Reizüberflutung. Schließlich gibt es gerade im Bereich härterer Electro-Kost viel zu viele Acts, die sich allenfalls dadurch unterscheiden, dass sie sich beim inflationären Gebrauch von Gossensprache gegenseitig übertrumpfen. Vielleicht zeigt es aber auch, dass die Szene Wurzeln hat, die nicht durch Dauergeballer plattgewälzt werden können. Auch wenn dem Gothic Rock schon so oft das Ende angedichtet wurde. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger.

Die Masters Of Dark Fire jedenfalls liefern mit ihrem Debüt ein erstaunlich reifes und abwechslungsreiches Album ab, das sich inhaltlich gerne mal an Dichtern wie Lord Byron oder William Blake orientiert und musikalisch rockig, wavig und batcavig daherkommt. Definitiv Musik mit Ecken und Kanten und auch dem ein oder anderen schiefen Ton. “Dead Spots” ist nichts für gartenschlauchbehangene, neonfarbige Sportgymnasten, wie man sie vor allem in der Festivalsaison vermehrt beobachten kann. Aber gerade das ist es, was “Dead Spots” auszeichnet – der fröhlich rotierende Stinkefinger gegen die lieben Mitbewerber, die lieber auf Nummer sicher gehen und dabei den Charme ausgetretener Hauslatschen versprühen. Und gegen die Szene-Figuren, deren Horizont kurz hinter DMXAX-gefeatureten Künstlern mit Charterfolg aufhört.

“Dead Spots” kommt dagegen fast schon einem Befreiungsschlag gegen das trübsinnige Einerlei gleich. Ob man nun bei “Too Late” zarte Ausflüge in den Bereich Synthie-Pop unternimmt, bei “Carnival” gruselige Kirmesatmosphäre in bester Tim Burton (oder eben: Danny Elfman) Tradition versprüht, bei “She Walks In Beauty” allem Rockgeschrammel zum Trotz mit dem Blues liebäugelt oder bei “City Of The Damned” mal so richtig auf den Putz haut – die Masters Of Dark Fire haben sich sichtlich Gedanken darüber gemacht, wie sie ihre Musik abwechslungsreich gestalten, vielfältig instrumentieren und mit nicht ganz alltäglichen Songstrukturen versehen können. Eine Mühe die sich zweifellos gelohnt hat.

Kurz und knapp: wem es bis sonstwohin steht, dass immer die gleichen Genres mit Neuerscheinungen zugebombt werden, während der Kern der Szene zusehen kann, wie er mit dem Hintern an die Wand kommt und sich danach sehnt, mal von feinstem Düsterrock alter Schule (ungleich altmodisch übrigens!) die Gehörgänge umschmeichelt zu bekommen, geht am besten ohne weitere Umwege zum Plattendealer seines Vertrauens und nimmt sich “Dead Spots” mit. Dieses geschmeidige und sehr gefällige Debüt wird wohl nicht für einen Umbruch in der Szene sorgen, aber als eine Art gallisches Dorf gegenüber den Electro-Römern die Fahne hochhalten. Vielen Dank an dieser Stelle an die Masters Of Dark Fire für diesen tapferen Kampf gegen die Windmühlen. Um mal Simmel zu zitieren: “Wir heißen Euch hoffen”…


Wertung

Klang Fan-Faktor Gesamt

Trackliste

  1. Dead Spots – Tuesday Girl
  2. TSS – My Fingerprints In Life
  3. Too Late
  4. The Pirate
  5. City Of The Damned
  6. Pesnja
  7. Garden Of Love
  8. Zombie Walk
  9. Carnival
  10. Dullahan
  11. She Walks In Beauty
  12. Singing Bride
  13. When I Am Dead

Anspieltipps

  1. City Of The Damned
  2. Pesnja
  3. Carnival
  4. Singing Bride

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