Bei Schlagworten wie “knüppeliger Harsh Electro”, “verzerrte Vocals” oder “Mexiko” kann an man an bestimmte Bands denken. Muss man aber nicht. Man könnte auch an C-LEKKTOR denken, die gerade mit ihrer neuen EP “Tendencias Suicidas” an den Start gegangen sind, vermutlich in der verständlichen Absicht, das Interesse nach dem Debütalbum “The Silence Procession” aufrecht zu erhalten. Und um möglicherweise mehr zu sein als nur Lückenfüller. Ob das gelungen ist? Schauen wir mal.

Zunächst mal gilt es wohl folgende, ziemlich grundlegende Frage zu klären: Was gibt es über Musik noch zu sagen, die im Harsh Electro Bereich angesiedelt ist, was nicht schon zig mal durchgekaut worden wäre? Die vier neuen Songs auf der vorliegenden EP des mexikanischen Duos C-Lekktor fallen vor allem dadurch auf, dass sie eben nicht weiter auffallen. Treibende, nahezu peitschende Beats, recht weitläufige Synthieflächen, hier und da ein paar eingesträute Samples, jede Menge Noise und Distortion Effekte, verzerrte Vocals und Lyrics, die in dem Krawallgewitter sowieso kein Mensch mehr so wirklich versteht.

Neu, anders, innovativ oder notwendig ist das hier abgelieferte Material jedenfalls nicht. Will sagen: C-Lekktor haben das Rad nicht neu erfunden, sie beschränken sich lieber darauf, es zu benutzen. Das mag sich zunächst hart und abwertend anhören, dennoch kann man es ja auch so betrachten: wo keine Experimente gemacht werden, sich an der Rezeptur also nichts ändert, kann auch letztendlich nicht viel falsch gemacht werden und somit auch das Ergebnis nicht verhagelt werden.

Was sagt Euch das also? “Tendencias Suicidas” ist eine durchaus hörbare, durchaus tanzbare EP geworden, die mit Sicherheit ihre Fans finden wird. Gerade Anhänger sachlich ähnlicher, ebenfalls mexikanischer Bands können mit C-Lekktor glücklich werden. Ob nun “Suicidal Tendencies” oder “World Of Fantasy” – den Cybers da draussen machen C-Lekktor ordentlich Feuer unter dem Hintern. Neben den erwähnten vier neuen Songs wird die EP mittels Remixen auf insgesamt 10 Songs aufgestockt. Acts wie Decoded Feedback, Alien Vampires oder FGFC820 haben sich Songs angenommen, die vom Debütalbum stammen und ihnen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Besonders hervorgehoben sei hier “Our Dark Side” im Sin.Thetic Squad Remix, der sich in meinen Ohren tatsächlich etwas vom Rest abhebt. Ansonsten gilt aber hier, wie so oft bei Remixen: kann man gut und sinnvoll finden. Man kann es aber auch lassen.

Ich hab “Tendencias Suicidas” nun einige Male gehört, aber es will mir einfach nicht gelingen, ein Alleinstellungsmerkmal herauszuhören, dass diese EP von den vielen, vielen Mitbewerbern abhebt oder unterscheidet. Wie gesagt: keine Spur Innovation, alles schon mehr als einmal gehört.Freunde solcher Musik, die das in größeren Mengen konsumieren als ich, erhören hier möglicherweise noch ein paar Feinheiten mehr und können dem nachfolgenden Fazit noch ein paar Bonuspunkte hinzuaddieren: Alles in allem keine schlechte Scheibe, sicherlich, aber den leicht faden Lückenfüllerhabitus konnten sie trotzdem nicht ablegen. Vielleicht beim nächsten Versuch.


Wertung

Fan-Faktor

Trackliste

  1. Suicidal Tendencies
  2. Living Dead
  3. World Of Fantasy
  4. Jucio Final D
  5. Our Dark Side (Decoded Feedback Remix)
  6. See My Hate (Alien Vampires Remix)
  7. Our Dark Side (Drained Scorn Remix)
  8. See My Hate (FGFC820 Remix)
  9. Our Dark Side (Sin.Thetic.Squad Remix)
  10. See My Hate (De:Source Remix)

Anspieltipps

  1. Suicidal Tendencies
  2. World Of Fantasy
  3. Our Dark Side (Sin.Thetic.Squad Remix)

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