DIORAMA – Cubed Interview
Nachdem sich die Vorab-Single “Child Of Entertainment” des aktuellen DIORAMA Albums “Cubed” sowie inzwischen auch das Album selbst in den DAC Charts auf den obersten Plätzen manifestiert hat und das Album seit nunmehr einem Monat im Handel erhältlich ist, wird es Zeit, mal den Herren von Diorama diesbezüglich etwas auf den Zahn zu fühlen. Genau das taten wir auch und ließen Torben eine Reihe von Fragen zukommen, die Ihr (logischerweise inklusive der Antworten des Diorama Masterminds) hier nachlesen könnt. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Torben, dass er sich die Zeit genommen hat und wüViel Vergnügen!
JB: Zunächst mal: Euer aktuelles Album “Cubed” ist im Kasten und auf dem Wege, sich unter den Leuten zu verbreiten. Wie fühlt Ihr Euch? Nach drei Jahren ist die Erwartungshaltung der Fans wohl nicht gerade gering…
TW: Das Album ist mittlerweile seit einigen Wochen auf dem Markt und die allgemein positive Resonanz, die wir erhalten, lässt darauf schließen, dass wir mit den Erwartungshaltungen der Fans einigermaßen im Reinen sind, auch wenn es uns nicht darum geht, diese bewusst zu bedienen. Wie meistens schlägt uns nicht nur blanke Euphorie entgegen, sondern durchaus auch eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung – und das ist gut so. Sehr froh sind wir jedenfalls darüber, dass das Interesse an unserer Musik während der längeren Veröffentlichungspause erhalten geblieben ist.
JB: Habt Ihr eigentlich ein bestimmtes Ritual dem Ihr nachgeht an dem Tag, an dem Eure Platte veröffentlicht wird? Ich hab von Künstlern gehört, die dann zu einem Elektronikmarkt fahren, sich unter die Leute mischen und die Scheibe kaufen oder sie sich abends bei einer Flasche Rotwein anhören, gemeinsam mit den Fans quasi. Was macht Ihr an diesem Tag?
TW: Bei uns gibt es an dieser Stelle keine feste Zeremonie. Ich kann Dir sagen, was wir am 19.03. (am Veröffentlichungstag von CUBED) gemacht haben, nämlich von früh bis spät wie die Berserker geprobt und unser Live-Programm überarbeitet, damit wir bei den die anstehenden Konzerten das neue Material angemessen präsentieren können.
JB: Kommen wir mal zu “Cubed” ansich: Wann habt Ihr mit den Arbeiten zu “Cubed” begonnen? Das letzte Album, “A Different Life”, liegt ja schon besagte drei Jahre zurück.
TW: Die Arbeit an CUBED haben wir im Herbst 2007 aufgenommen, nachdem sich der Wirbel um A DIFFERENT LIFE etwas gelegt hatte. Ein paar Monate zum Luftholen und Ideensammeln zwischen den Produktionen sind meistens nötig, um sicherzugehen, keine ausgetretenen, sondern neue Wege zu beschreiten und um wieder den entsprechenden Hunger darauf zu bekommen.
JB: Die Songs auf “Cubed” wirken allesamt so, als wären sie mit größter Sorgfalt entstanden (um nicht von Perfektionismus zu reden). Ist “Cubed” letztendlich genau das geworden, was Ihr Euch vorgenommen habt? Gab es Dinge, auf die Ihr (zum Beispiel wegen Zeitdrucks o.ä.) verzichten musstet? Und wie lange bastelt Ihr an einem Song herum bis Ihr denkt “so, jetzt passt das”?
TW: Große Sorgfalt ja, Perfektionismus nein. In Sachen Produktion ist Perfektionismus eine Chimäre – absolut unerreichbar mit unserem Budget. Für mich ist es weit wichtiger, dass die eigene Arbeit authentisch bleibt. Auch wenn wir teilweise ewig an gewissen Details herumfrickeln, bis sie für uns passen, gehören Ecken, Kanten und Schönheitsfehler dazu.
JB: Das Booklet erzählt Euren Hörern, die Idee für das Konzept hinter “Cubed” sei Euch in einem würfelförmigen Hotel gekommen. Aber: wäre das Hotel eiförmig gewesen, würde das Album wohl kaum “Egg” (oder so) heißen. Erklärt doch mal bitte den Werdegang von jenem Hotelzimmer bis hin zum fertigen Konzept und schließlich zum Album etwas genauer.
TW: Der Albumtitel wurde in der Tat von der Architektur eines Hotelzimmers inspiriert. Der Würfel steht also zunächst einmal für einen Raum. Einige Ebenen weitergedacht wurde daraus ein Symbol für den individuellen Lebensraum. Die Vorstellung, dass jeder in seinem eigenen Cube sitzt, den er gestaltet und bestückt, so dass die Dinge für ihn passen, den er jedoch nicht verlassen kann bzw. will. Dieses Leitmotiv hat eine Lawine aus Assoziationen und Metaphern in Gang gesetzt, die die großen Fragen des Lebens, aber auch unbedeutende Kleinigkeiten berührt. Wir waren uns relativ schnell sicher, damit ein tragfähiges Konzept zu haben, das den einzelnen Songs eine klare Richtung vorzugeben in der Lage ist.
JB: Seid Ihr bei den Arbeiten an diesem Album anders vorgangen (in Sachen Produktion, Songwriting uws.) als bei Euren früheren Werken?
TW: Bereits bei A DIFFERENT LIFE haben wir unser mobiles Studio genutzt, um an entlegenen Orten Songs zu schreiben und Ideen festzuhalten. Diesen Ansatz haben wir bei CUBED weiter forciert, sind viel unterwegs gewesen und haben uns bei der Ideenfindung und Konzipierung immer unabhängiger vom heimatlichen Studio gemacht, wo wir dann aber natürlich nach wie vor die eigentlichen Produktionen fahren. Der Anteil an reeller Gitarren- und Schlagzeugarbeit ist im Vergleich zu den Vorgängeralben gewachsen. Wir stellen fest, dass das Potenzial der einzelnen Musiker durch die konstante Zusammenarbeit in diesem Lineup immer besser zur Geltung gebracht werden kann. Ansonsten waren die Aufnahmen und Produktionen von der gleichen Arbeitsweise geprägt wie immer – unzählige nächtelange Sessions, Übermüdung, Selbstzweifel und sehr glückliche Momente.
JB: Gibt es Anekdoten, die mit der Entstehung des Albums in Zusammenhang stehen und die es wert sind, erzählt zu werden? Wenn ja, dann bitte…
TW: Die Produktion verlief für unsere Verhältnisse erstaunlich irritationsarm und gleichmäßig. Ich erinnere mich an absurdeste technische Probleme, die uns bei den letzten Produktionen immer wieder zur Weißglut getrieben haben. Diesmal haben alles Geräte brav geschnurrt und abgesehen vom Zeit- und Kräftemangel konnten wir stabil und fokussiert arbeiten.
JB: “Cubed” erscheint ja auch in einer schicken Limited Edition nebst Bonus CD, die exklusive Songs beinhaltet. Nach welchen Gesichtspunkten habt Ihr denn entschieden, dieses oder jenes Lied auf’s reguläre Album zu packen oder eben nur einem exklusiveren Käuferkreis vorzubehalten?
TW: Bei der Auswahl der Bonustitel haben wir uns auf diejenigen Songs konzentriert, die uns abgesehen von den regulären Albumsongs am meisten am Herzen liegen, die jedoch ohne die Bonus-CD vermutlich nie auf einem Tonträger veröffentlicht worden wären. Der Vorbehalt für einen exklusiven Käuferkreis war für uns eigentlich kein Thema, man kann sich die Songs problemlos downloaden. Bei der Limited edition ging es darum, den Fans ein besonderes und umfangreiches Gesamtpaket anzubieten.
JB: Das Album ist raus, die Single nebst Musikvideo auch. Was habt Ihr als nächstes geplant? In dem Zusammenhang: Wie sieht es denn nach 7 Alben aus mit einer amtlichen Diorama DVD?
TW: Ziemlich weit oben auf unserer Todo Liste steht, die Arbeiten am nächsten Album zu beginnen. Die musikalische Finalisierung von CUBED liegt nun schon eine ganze Weile zurück – die letzten Monate hatten wir ja primär mit der grafischen Umsetzung verbracht. Darüberhinaus ist geplant, einige weitere Konzerte in diesem Jahr zu spielen. Schweden, Russland, Serbien, Deutschland, Griechenland und Spanien sind momentan in Planung. Vielleicht kommt ja im Rahmen der nächsten Konzerte auch Deine angesprochene DVD rum, vorausgesetzt wir bekommen das Projekt irgendwie gegenfinanziert.
JB: In diesem Jahr wird man Euch ja noch an diversen Terminen live bewundern können. Habt Ihr irgendwelche Besonderheiten geplant, die in Zusammenhang mit “Cubed” stehen?
TW: In den letzten Wochen haben wir unser Live-Konzept ziemlich umgekrempelt. Zunächst einmal spielen wir einen hohen Anteil an neuem Material. Klassiker wie ADVANCE oder THE GIRLS wurden zudem in neuen Versionen vorbereitet, so dass wir insgesamt mit einem frischen und unverbrauchten Set auf der Bühne stehen, das uns selbst wirklich kickt. Dann haben wir unsere beiden berühmt berüchtigten 2x2x2 Meter Aluminium-Cubes auf der Bühne (sofern sie draufpassen) als Bestandteil unserer neuen Bildsprache.
JB: Eine Frage, die mich als Musikliebhaber immer wieder beschäftigt (auch bei anderen Bands): Wie sehr habt Ihr eigentlich mit illegalen Downloads zu kämpfen? Verfügt Diorama über eine so treue (und zahlungswillige) Hörerschaft, dass sich die viele Mühe noch lohnt?
TW: Um dieses Thema müssen wir uns aufgrund der Arbeit unseres Labels zum Glück nicht selbst kümmern. Ich bin auch hin- und hergerissen, ob die illegalen Downloads neben ihrer unmittelbar beeinträchtigenden Auswirkung auf die Fähigkeit der Musikschaffenden, ihrer Kunst auf nachhaltig solider Basis nachzugehen, nicht auch manche Türen öffnen, insbesondere hin zu solchen Märkten mit geringer Kaufkraft. Die Frage aber, ob all die Mühe sich lohnt, kann und darf man nicht am finanziellen Rückfluss festmachen.
JB: So manche Musikerkollegen sind inzwischen auf einen rein digitalen Vertrieb umgestiegen, der CD Sammler guckt dabei natürlich in die Röhre. Könntet Ihr Euch vorstellen, auch irgendwann nur noch digital Musik zu verkaufen oder gehört Ihr zur “ganz oder gar nicht” Fraktion?
TW: Ich persönlich verbinde mit Musikkonsum wesentlich auch Erwerb und Nutzung pysischer Tonträger. Ich denke aber, dass wir es mit einer unumkehrbaren Entwicklung zu tun haben, an deren Ende die Abschaffung der Tonträger steht, oder zumindest ihre Reduktion auf ein nostalgiegeprägtes Minimum. Aus ökologischen Aspekten sehe ist diese Entwicklung auch als unvermeidbar an. Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten sich für Musiker, insbesondere kleinere und im alternativen Bereich tätige, ergeben werden, um aus ihren Veröffentlichungen das Geld zu ziehen, das eine Weiterführung ihrer Arbeit sicherstellt und ich rede nicht von kommerziellen Klingeltönen, die hoffentlich auch irgendwann vom Antlitz der Geschichte getilgt sein werden. Momentan schweben wir hier in einer Art Interimszustand.
JB: Ein kurzer Blick: Wo seht Ihr Diorama in zehn Jahren? Wo wollt Ihr hin, was wollt Ihr noch erreichen?
TW: Es gibt verschiedene Ziele, die wir bis dahin noch erreicht haben möchten, zum Beispiel einige Punkte auf der Landkarte, die wir noch nicht heimgesucht haben, z.B. die USA. Zehn Jahre sind aber eine zu lange Zeit, um eine konkrete Vorstellung zu skizzieren. Unsere Musik geht den Weg unseres Lebens mit. Sollten wir sukzessive zu Weltstars mit unfassbarem Ruhm und Reichtum mutieren, habe ich sicher nichts dagegen. Aber wer weiß, wie die Begleitumstände in 10 Jahren aussehen? Ich neige ehrlich gesagt dazu, bei längeren Zeiträumen einen globaleren und weniger ich-bezogenen Fokus anzusetzen, da die Wahrscheinlichkeit immer weiter abnimmt, dass es mich überhaupt noch geben wird.
JB: Die letzten Worte gehören immer den Befragten – also Euch.
TW: Wir schicken herzliche Grüße an Euer Team und Eure Leser.










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