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Blackfield Festival, Festivals, Reviews, Specials — Veröffentlicht am 2. Juli 2009 um 20:40

BLACKFIELD Festival 2009 – Bericht

Von

FAUN:

Ein Garant für eine ordentliche Portion gudder Laune ist die Kapelle Faun, die mit ihrem Pagan Folk einen stetig wachsenden Erfolg vorweisen und zuletzt 2007 mit „Totem“ und dem Clubhit „2 Falken“ verbuchen können. So schaffte es „Totem“ doch tatsächlich auf Platz 78 der deutschen Media Control Album-Charts sowie Platz 6 der deutschen Alternativ Charts.
Aufgrund der mystischen Komponente in der Songstruktur und der fantasievollen Lyrics heben sich Faun wohltuend vom Einheitsbrei der Folk-/Mittelalterrocker ab.
2008 verabschiedete sich leider Goldkehlchen Elisabeth Pawelke, die vor kurzem noch mit ASP an ihrem „Zaubererbruder“-Werk in Form einer Ballade mitgewirkt hatte, aus der Band, um sich anderen beruflichen Zielen zu widmen. An ihre Stelle ist seitdem Sandra Elflein getreten, die das Quintett fortan komplettierte. Da vor allem Lisa Pawelke eine Ausnahmestimme hat und als weibliche Gesangsstimme im Vordergrund vor Kollegin Fiona stand, ist ihr Weggang ob Songs wie der bereits genannte „2 Falken“ oder die „Egil Saga“ wahrlich bedauernswert. Dennoch muss man sagen, daß „Neu-Faun“ Sandra ihre Sache durchaus bravourös gemacht hat, auch wenn man den Eindruck erwecken konnte, dass sie sich live noch etwas zurückhält. Die erfahrenere Fiona Rüggeberg wirkte weitaus präsenter auf der Bühne.
Oliver Sa Tyr war wie so oft für den Großteil der mit Witz gespickten Ansagen verantwortlich und sorgte mit seiner Art, die Klampfe zu spielen, für Begeisterung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich der Frontmann der Faune Oliver Pade (so heißt Sa Tyr mit bürgerlichem Namen) stets alles auf der Bühne gibt, herum springt, mit den Mitmusikern auf der Bühne harmoniert, musikalisch kommuniziert und sich dabei quasi in deren Schatten dreht.

Neben den drei bereits genannten Faune gehören noch die beiden männlichen Mitglieder Rüdiger Maul sowie Niel Mitra zur Gruppe Faun. Maul ist in der Band für die Percussions zuständig und war zu einem Zeitpunkt dafür veranwortlich, dass ein derart krasser dröhender Klang aus den Boxen erschallte, dass einem echt das Trommelfell weh tat. Heftig, heftig und so noch nie erlebt. Das war ein echter Boxentest! Niel Mitra spielt zwar kein Instrument, ist aber dafür für die elektronische Komponente bei Faun verantwortlich, die in vielen Songs maßgeblich für den Erfolg und die Besonderheit sind, ähnlich wie es z.B. bei Qntal oder Omnia der Fall ist. Jedenfalls kann Niel von Glück reden, dass er von Instrumenten wie Dudelsack, Drehleider o.ä. befreit ist, denn der gute Mann hatte Aua und trug an der rechten Hand einen langen Verband, den er hinter seinem Laptop zu verbergen versuchte.
Handwerklich war der Auftritt der Faune ohne Fehl und Tadel, inhaltlich jedoch hätten die Damen und Herren doch etwas mehr Salz in die Suppe schütten können. Vier von den insgesamt sieben gespielten Titeln sind auf dem deutlich schwächsten Studioalbum „Renaissance“ zu finden, der Rest stammt von den ersten beiden Alben „Zaubersprüche“ und „Licht“. Warum nun nicht ein einziger Titel des wirklich tollem „Totem“-Album gespielt wurde, ist völlig unverständlich – nicht einmal der über den mittelalterlichem Tellerrand hinaus bekannten und eingangs erwähnten Hit „2 Falken“ fand den Weg in die Setlist. Schade, hier wäre noch viel, viel mehr drin gewesen als ein solider Gig dieser Ausnahmeformation aus dem Süden Deutschlands.

Setlist Faun:

  • 01. Rosmarin
  • 02. Wind & Geige
  • 03. Egil Saga
  • 04. Iyansa
  • 05. Zeitgeist
  • 06. Rhiannon
  • 07. Tagelied

FROZEN PLASMA:

Bei Frozen Plasma waren wir dann alle wieder vereint: Ash und Indusdi (die sich zwischendurch noch Autogramme von Herrn Spilles & Co. holten), sideshowmick, JB, Kayila und Neo. Und als so die Sonne gnadenlos auf uns herab brannte und gleichzeitig aber fette, tiefgraue Wolken am Horizont auftauchten, machten wir es uns also auf den Rängen gemütlich, um in aller Gelassenheit dem Gudde-Laune-Electropop von Herrn Vallis und Herrn Felix Marc zu lauschen. Bezüglich der guten Laune enttäuschten Frozen Plasma nicht, denn mit ihrer Mischung aus Songs vom Debütalbum “Artificial” und dem in aller gebotenen Bescheidenheit “Monumentum” betitelten zweiten Album hatten sie zumindest die vor der Bühne versammelte Menge schnell im Griff. Leibesertüchtigung made by Frozen Plasma, die zwischen Songs wie “Earthling”, “Warmongers”, “Tanz die Revolution” oder unserem Lieblingssong “Irony” von Felix auch als solche propagiert wurde: “Ihr persönliches Fitness-Training: Frozen Plasma”. Die Band hatte scheinbar gute Laune, die sich schnell auf das Publikum übertrug und das Konzert zu einem schönen Erlebnis werden ließ.
Besonders auffällig war die zu diesem Zeitpunkt schon sehr hohe Resonanz des Publikums, die den Weg nach unten antraten, um endlich wieder ordentlich das Tanzbein zu schwingen. So viele Zuschauer hatten im Vorjahr die Bands zur besten Sendezeit! Der Höhepunkt des Sets war das bereits angesprochene „Earthling“, das Felix mit der bezaubernden Lis van den Akker im Duett sang. Beide hatten sich mal auf einem VNV Nation-Konzert kennengelernt und verstanden sich offenbar so gut, dass sie es auch selbst mal zusammen auf der Bühne ausprobieren wollten. Wir attestieren: hat wunderbar geklappt und darf gerne wiederholt werden.

Setlist Frozen Plasma:

  • 01. Intro
  • 02. Speed of Life
  • 03. Murderous Trap
  • 04. Tanz die Revolution
  • 05. Hypocrite
  • 06. Warmongers
  • 07. Irony
  • 08. Earthling

LETZTE INSTANZ:

Als einziger Vertreter der folkigen Rockmusik lag es nun an der Instanz, dieses Genre würdevoll zu vertreten. Dass das den Jungs nicht schwer gefallen ist, kann jeder nachvollziehen, der die Letzte Instanz schon einmal live gesehen hat. Die Instanz ist eine Live-Band durch und durch, deren musikalische Qualitäten auf der Bühne um ein Vielfaches prägnanter sind als aus der Konserve. Wo die Studioalben oftmals Lückenfüller aufweisen oder zweifelhafte Experimente im Bereich Sprechgesang gewagt werden, machen die Dresdner live keine Kompromisse, sondern geben dem Publikum genau das, was die Instanz am besten kann: Rock! Und das stellten sie auch eindrucksvoll auf Schalke unter Beweis, indem die ersten Stücke vom neuen Erfolgswerk „Schuldig“ angespielt wurden. Nachdem 2007 und 2008 ganz im Lichte der Akustik-Shows standen und daher leisere Töne angeschlagen wurden, geht es seit der „Schuldig“ wieder härter zur Sache, was der Band offensichtlich auch selbst gut gefällt, denn die Jungs waren verdammt gut drauf. Holly posierte für die Fotografen, M. Stolz hüpfte wie immer Barfuß über die Bühne und Benni Cellini holt aus sich und seinem Cello sowieso immer das Allerletzte heraus. So viel Engagement und Spielfreude muss einfach mit Reaktion honoriert werden. So kam es dann auch, dass spätestens beim Lied „Tanz“ die Instanzler dann etwas schafften, was nur ganz wenigen Acts beim ganzen Festival gelang: sie brachten bis dahin auf den Rängen sitzende Festivalbesucher zum Aufstehen und… klar: Tanzen! Die Band versteht es wie kaum eine andere aus dem Sektor die Massen so derart mitzureißen und gudde Laune zu versprühen.

Die obligatorischen Schlussnummern „Das Stimmlein“ und „Wir sind allein“ wurden dann frenetisch mitgesungen, bevor sich die Letzte Instanz nach kurzweiligen 40 Minuten in den Feierabend verabschiedete.Die Instanz gehört nicht umsonst zu den besten Live Acts der Szene und sind daher immer wieder ein gern gesehener Gast auf Festivals. Wer sie also beim WGT und Blackfield verpasst hat, erhält im August die Chance, sich beim M´Era Luna selbst von der Livequalität dieser Kapelle überzeugen zu lassen.

Setlist Letzte Instanz:

  • 01. Mea Culpa
  • 02. Mein Engel
  • 03. Flucht ins Glück
  • 04. Tanz
  • 05. Ohne Dich
  • 06. Mein Todestag
  • 07. Finsternis
  • 08. Das Stimmlein
  • 09. Wir sind allein

IAMX:

Während Ash, sideshowmick und Indusdi noch am Zelt verweilten um sich aktiv der Getränkeentsorgung zu widmen, brachen Neo, Kayila und JB auf, um sich den Auftritt von IAMX zu gönnen. Bis auf ein paar Songs, die wir mal auf irgendwelchen Samplern und/oder im Club gehört hatten, gingen wir völlig ohne Vorstellung von dem was uns erwartete zur Bühne. Wie sich herausstellte, mutierte die Band um den exzentrischen Frontmann Chris Corner, der wie ein Gummimännchen mit albernem Jägerhut auf der Bühne umher tobte, zu DER Überraschung des diesjährigen Festivals. Songs wie “Nightlife”, “Spit It Out” oder “Kiss And Swallow” wurden in einer Art Megamix gespielt. Und was sollen wir Euch sagen? Da ging die Post ab! Vor allem auch die Dame am Keyboard ging ab, als wäre sie auf Speed
gewesen. Hübsche Anekdote dazu: Bei einer ihrer energischen “ich rudere jetzt mal wie wild mit wenigstens einem Arm um mich, während ich mit dem anderen noch auf den Tasten rumdrücke”-Aktionen dürfte sich einer der Bühnentechniker ein blaues Auge eingefangen haben bei dem Versuch, ihre Gitarre für den nächsten Einsatz vorzubereiten. BAMM! So mitten ins Gesicht.

Der insgesamt sehr kraftvolle (und leider zu kurze) Auftritt von IAMX gefiel uns jedenfalls überraschend gut, so dass wir für uns beschlossen, dass dies mit Sicherheit nicht das letzte Konzert von Chris Corner und seiner Truppe war, das wir uns ansehen werden! Den in manchen Foren geäußerten Vorwurf, IAMX wären zu laut oder gar nur via Playback unterwegs gewesen, können wir nicht nachvollziehen.

Setlist IAMX:

  • 01. Bring me back a Dog
  • 02. Nature of Inviting
  • 03. The Alternative
  • 04. Sailor
  • 05. An I for an I
  • 06. My Secret Friend
  • 07. Spit it out
  • 08. Nightlife
  • 09. Kiss and Swallow

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