“Ich habe nur ein einziges Interesse. Ob ihr lebt oder krepiert ist mir egal – ich will Euch tanzen sehen!” – dieses Sample, der Electro-Geballe-Orgie “Boomboomboom” vorweg gestellt, dürfte auch beim zweiten NACHTMAHR Album, welches ab morgen erhältlich sein wird, das hintergründige Motto gewesen sein. “Alle Lust will Ewigkeit” heisst es frei nach Nietzsche, und Obernachtmahr Thomas Rainer lebt hier einmal mehr seine Vorliebe für elektronische Krachmannmucke aus.
Der ursprüngliche Titel “Weltmacht oder Niedergang”, das Motto mit dem der Österreicher ja seine Showpropaganda ausgestaltet, war entweder ihm oder dem Label dann doch zu gewagt, anders lässt sich die Umtaufung zu diesem fast schon poetischen Titel nicht erklären. Angesichts des hochprovokanten Coverartworks hätte der ursprüngliche Titel allerdings besser gepasst.
Egal, das ist alles nur schmückendes Beiwerk. Wichtig ist der Inhalt. Und auch beim zweiten Longplayer des österreichischen Industrialprojekts scheint es folgende Maßgabe gegeben zu haben: Ballern muss es! Und das tut es. Thomas Rainer entfesselt hier ein Inferno, das mit fetten Bässen, treibenden, manchmal stakkatoartigen Beats, peitschenden Synthies und den üblich obligatorischen Samples und/oder verzerrten Vocals über den Hörer hereinbricht. Sein Ziel dürften wohl die Clubs sein, in denen dem Publikum mal so richtig die Gehörgänge freigespült werden sollen. Schnell, hart und tanzbar ist das, allerdings verzichtet Herr Rainer auf Experimente. Das macht die vorliegende Scheibe freilich nicht schlechter, allerdings sind die Songs zwischen den Veröffentlichungen beliebig austauschbar. Individualität geht den Alben und EPs demnach also ab, was nur die Möglichkeit zulässt, Nachtmahr im gesamten zu betrachten. Und da dürfte es wohl inzwischen keinen Zweifel mehr geben, dass Nachtmahr der angestrebten Weltmacht zumindest in den Clubs inzwischen ein ganzes Stück näher gekommen ist.
Hart, heftig und gut ist das Album, allerdings wieder ausgestattet mit dieser albernen Nazi-Ästhetik. Als gäbe der Projektname nichts anderes her, als sich ausgerechnet damit zu profilieren. Nun ja, sei es wie es sei. Wer sich bisher mit dem musikalischen Treiben von Nachtmahr anfreunden konnte, macht auch mit dem zweiten Album nix falsch, da es nichts besser oder schlechter macht als die Vorgänger sondern schlicht 11 weitere Songs nach bekannter Machart präsentiert. Lediglich eine Sache fehlt: Ein Song von der Qualität eines “Katharsis”.
Wertung
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Trackliste
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Anspieltipps
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