Die letzte Nacht war lang und laut, die Ohren klingeln noch vom Konzert oder der Beschallung in der Disco. Eigentlich verlangt der Körper dringend nach ein paar Stunden Schlaf, aber der Geist ist noch ruhelos, noch zu aufgedreht und muss erst besänftigt werden, ehe an Schlaf auch nur annähernd zu denken ist. Auf dem Sofa herumlümmeln, abschalten und dabei unaufdringliche Musik genießen scheint ein geradezu verführerischer Plan zu sein… Ich denke, diese Ausgangssituation lässt sich an jedem beliebigen Freitag- oder Samstagabend überall im partyfeiernden Teil der Welt beobachten. Gehört Ihr auch zu denen, die nach Feier-Feierabend nicht gleich ins Bett krabbeln können, sondern auch zunächst mal runtertouren müssen? Dann folgt mir zu einem weiteren Exkurs jenseits der Szene-Grenzen und lasst mich Euch AMBITUS’ “Waternight Vol. 2″ vorstellen – die akustisch verabreichte Medikation für die Zeit danach.

Wer, ähnlich wie wir, über einen breitgefächerten Musikgeschmack verfügt und sich gerne auch mal mit Musik beschallt, die nicht innerhalb der Szene-Grenzen zuhause ist, stolperte vielleicht schon mal über die “Space Night”. Im Bayrischen Fernsehen (Bayrischer Rundfunk) gibt es nämlich bereits seit 1994 eine Mischung aus Wissenschaftssendung und mit Chill-Out Musik versehene Bilder, die beispielsweise unseren schönen blauben Planeten aus Sicht der ihn umkreisenden Satelliten zeigt, zu sehen. Zunächst von Raver zur Entspannung nach einem durchgefeierten Rave genutzt, entwickelte sich die Space Night schnell zum Kult quer durch alle Subkulturen.

Analog dazu entstand irgendwann die “Waternight”. Nur dass es eben hier keine Bilder aus den Tiefen des Alls zu sehen gibt, sondern welche aus den Tiefen unserer Meere. Ansonsten verfügt die “Waternight” über ein ähnliches Konzept, nur dass die Musik hier organischer wirkt und so gestaltet wurde, dass sie beim Hörer eher Assoziationen an felsige Küstengebiete, Tauchgänge in farbenfrohe Korallenriffe, Sonnenuntergänge an Traumstränden und ähnliche, meerbezogene Dinge weckt.

Und ähnlich wie bei der “Space Night” wurden die “Waternight” Stücke auf einen Silberling gepresst und zum Verkauf angeboten. Zum inzwischen zweiten Mal erschien am 16.4.2010 eine Zusammenstellung des Electro/Ambient Projekts Ambitus, eben die “Waternight Vol.2″. Hinter Ambitus verbirgt sich der Musikproduzent Sebastian Pobot, der bereits diverse Auszeichnungen und Preise für seine Arbeiten einheimsen konnte und fast schon soetwas wie den Haus- und Hoffilmkomponist für TV-Sender wie ARTE, BR oder ZDF darstellt.

So überrascht es denn nicht, dass die zweite Folge der “Waternight” manchmal wie Filmmusik wirkt, manchmal das Ohr des Hörers ganz zart mit Trance-Elementen streichelt, hin und wieder in Richtung New Age schippert und bei allem aber möglichst unaufdringlich und entspannend in Ambient/Lounge-Gewässern vor sich hin “plätschert”. Was bitte in keinem Fall als Abwertung zu verstehen ist, denn das Abbremsen des Pulsschlags ist schließlich die erklärte Mission, die mit dieser Musik verbunden ist. Und diese Mission wird bis auf drei Songs auch rein instrumental erfüllt. Vor allem bei den Stücken “My Oceans (Have Run Dry)” und “The Elements (Will Stay The Same)” verlässt Ambitus das bis dahin gewohnte Terrain und serviert ganz plötzlich Stücke, die ziemlich in Richtung Heavenly Voices gehen oder sich damit vergleichen lassen, was ein gewisser Schiller seit Jahren sehr erfolgreich in die Welt setzt. Diese Songs passen wunderbar hinein in das Treiben auf der CD; einzig, es hätten vielleicht noch zwei, drei Stücke mehr mit Gesangseinlagen sein dürfen. Sollten sich Ambitus irgendwann einmal mehr in diese Richtung orientieren, hätten die bisherigen Platzhirsche auf jeden Fall einen mehr als würdigen Mitbewerber.

Bis es vielleicht eines schönen Tages soweit ist, kann man mit “Waternight Vol.2″ aber auch so seinen Spaß haben. Ein nahezu Schiller-ndes Hörvergnügen, eine Kreuzfahrt auf dem Fluss der Gedanken.

Ok, zugegeben: Ambitus’ “Waternight” Getüdel ist nicht eben das, über was wir hier so vornehmlich berichten. Aber: viele von Euch kommen am Wochenende mehr oder weniger geschafft von Konzerten oder aus der Disco und so mancher wird dann sicherlich noch etwas aufbleiben, um zunächst mal abschalten zu können. Für diejenigen, die dann nach den akustischen Switch suchen, der sie in einen Zustand der Ruhe und Entspannung versetzt, ist “Waternight Vol.2″ sicher kein Fehlkauf. Man muss sich ja nicht immer das gleiche Geballer, was in der Disco gespielt wurde, auch zuhause noch geben. Und auch Leute, die ohne vorhergehende Action egal welcher Art Gefallen an Ambient- bzw. Chill-Out Musik finden können, sollten hier ebenfalls mal reinhören.


Wertung

Fan-Faktor

Trackliste

  1. Water Is My Oxygene
  2. Masuria Lakes
  3. My Oceans (Have Run Dry)
  4. Dark And Blue
  5. Deeper And Deeper (Interlude)
  6. Lovecraft
  7. Rising
  8. Something In The Water
  9. Precious And Fragile
  10. Jetset Nightflight
  11. Endless
  12. Nightswimming (Interlude)
  13. Beautiful Daydream
  14. New Life Catharsis
  15. Miles Away (Interlude)
  16. Recurring Thoughts
  17. Underwater Angles (Interlude)
  18. Won’t Go Back Again
  19. The Elements (Will Stay The Same)
  20. Kyrie

Anspieltipps

  1. My Oceans (Have Run Dry)
  2. Jetset Nightfly
  3. The Elements (Will Stay The Same)
  4. Kyrie

Links


Diskussion im Forum:

Verwandte Artikel:

  • Keine verwandten Artikel vorhanden.